Gute Krimis brauchen ein Ende. Einen gefassten Mörder zum Beispiel oder ein gelöstes Rätsel.
Eins dieser Rätsel beschäftigt seit knapp vier Wochen die Forchheimer Bier-Szene, nämlich die mysteriöse Suche einer Brauerei nach einem neuen Geschäftsführer.
Das Besondere an diesem Fall nämlich ist, dass keiner der hiesigen Brauerei-Chefs der Annoncier gewesen sein wollte. Ein Phantom also, das in der lokalen Wirtschaftswelt sein Wesen oder Unwesen treibt.
Nun ist Licht ins Dunkel gefallen.
Mirco Hell bringt Licht ins Dunkel
Und das Licht hat einen Namen: Hell. Mirco Hell.
Der 45-Jährige aus München, seines Zeichens Marketing- und Vertriebsexperte, gilt seit dieser Woche als der neue Chef der Hebendanz Brau AG, bald schon Vorstandsvorsitzender.
Dies geht aus einem Bericht des Branchenmagazins „Getränkezeitung“ hervor. Überschrift: „Hebendanz rettet Jakobiner Bräu“.
Forchheim: Szenekenner vermuteten Hebendanz längst
Bäm! Zwar hatte der hier ermittelnde Reporter von Beginn des Brauerei-Krimis an einen klaren „Verdächtigen“ unter den hiesigen Brauern, auch weil viele Zeugenaussagen in dessen Richtung wiesen. Aber offiziell konnte er nichts sagen. Der Beweis fehlte. Bis jetzt.
Sofort als der Ermittler die Nachricht eines „neuen Hebendanz-Chefs“ unter der virtuellen Tür durchgeschoben bekommen hatte, greift er zum Hörer und ruft Mirco Hell an.
Neuer Chef der Hebendanz Brau AG
Der geht ran und bestätigt auf Nachfrage: „Es ist noch ganz frisch. Aber ja, ich bin seit dieser Woche an Bord und soll schon bald als Vorstandsvorsitzender der Hebendanz Brau AG eingesetzt werden.“ Reicht diese Aussage unserem Ermittler als fundierter Beweis aus?
Selbstverständlich ruft er im nächsten Schritt die wohl wichtigste Person in diesem Ränkespiel an: Fritz Hebendanz. „Ich weiß von nichts“, sagt der am Telefon. Erneut, wie schon so oft in diesem Fall, runzelt der Ermittler bestürzt die Stirn.
Ist er etwa Opfer einer dreisten Lüge geworden? Ist Mirco Hell nur wieder ein neues Phantom? Haben ihn seine Quellen (die „Getränkezeitung“, das Magazin „inside Getränke“ sowie der neue Chef selbst) einem Trugbild aufsitzen lassen? Das glaubt er nicht.
Fritz Hebendanz: „Weiß von nichts“
Also bohrt er noch einmal nach bei Braumeister Hebendanz, entlockt ihm aber auch auf mehrmalige Nachfragen kein Geständnis. „Mit mir hat keiner Gespräche geführt“, sagt er nachdrücklich.
Gut, denkt sich der Ermittler, er werde es zu gegebener Zeit wieder bei dem nicht gerade als gesprächig bekannten Brauer versuchen. Und belässt es dabei. Zumindest vorerst.
Zu viele andere Fragezeichen stehen noch im Raum, die weiterer Ermittlungsarbeit bedürfen: Warum gibt es diese Hebendanz Brau AG überhaupt, wo es doch für die Brauereigeschäfte eigentlich die Brauerei Hebendanz GmbH gibt? Warum führen so viele Spuren zu weiteren früheren und jetzigen Geschäftsführern? Warum enden so viele Fäden in Erlangen? Und so weiter.
Was wird aus dem Hebenanz-Bier?
Jetzt aber gilt zuvorderst: Wie geht es jetzt vor Ort weiter? Laut Mirco Hell solle sich für die Hebendanz-Fans erst einmal nichts ändern. „Es wird weiterhin in Forchheim gebraut. Auch das Bier wird weiterhin so schmecken wie bisher.“
Darüber hinaus wolle er die Marke über die Grenzen Forchheims hinaus weiter bekannt machen, moderner gestalten. Hipper. Dazu zählen neue Etiketten und ein überarbeiteter Webauftritt.
„Getränkezeitung“: Vor Insolvenz gerettet
Laut „Getränkezeitung“ habe Hell darüber hinaus aber auch ein ureigenes Interesse an der Verschmelzung der Hebendanz AG mit seiner eigenen, der erst 2022 gegründeten Jakobiner Bräu.
Dem Bericht zufolge habe er diese nun wohl nur dank der „frischen finanziellen Mittel“ aus dem Hause Hebendanz AG vor der Insolvenz bewahren können.
Zugleich werde Hell nun als Vorstandsvorsitzender die „operative Leitung beider Unternehmen“ übernehmen.
Wie sich das liest, wird auch in den kommenden Wochen weitere Arbeit auf unseren Ermittler zukommen. Denn dieser Bierkrimi im Herzen Forchheim ist allem Anschein nach noch nicht an seinem Ende angekommen.
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