Das eigene Bett, die eigene Küche und ein Platz umgeben von Natur – vor allem während der Corona-Pandemie war Urlaub mit dem Wohnmobil besonders beliebt. Da die vorhandenen Strukturen auf den regelrechten Ansturm allerdings nicht ausgelegt waren, stellten Camper ihre Fahrzeuge teils auch auf Wanderparkplätzen oder Feldwegen ab. Beschwerden und Anzeigen wegen Wildcampens waren die Folge.
Bis heute erfreut sich Wohnmobiltourismus großer Beliebtheit. Das zeigen unter anderem die Zahlen des Caravaning Industrie Verband e. V. (CIVD). Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 74.718 Reisemobile neu zugelassen, 9,1 Prozent mehr als im Vorjahr. In den Tourismuskonzepten in der Region würden die Wohnmobilurlauber bisher aber so gut wie nicht vorkommen, erklärt Nicole Marquis, Projektmanagerin für Wohnmobiltourismus beim ILE Fränkische Schweiz Aktiv e. V. Das soll sich ändern.
Tourismus: Gastro und lokale Unternehmen profitieren
Zusammen haben die drei ILE-Regionen (Integrierte ländliche Entwicklung) rund um die Neubürg Fränkische Schweiz, Wirtschaftsband A9 und Fränkische Schweiz AKTIV und die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz ein neues Konzept erarbeitet. Dabei gehe es nicht darum, immer mehr Wohnmobilurlauber in die Fränkische Schweiz zu locken, erklärt Marquis. Vielmehr gelte es, die Besucherströme zu lenken und Gästen Orientierung zu bieten. Dadurch könne eine „Win-Win“-Situation für alle entstehen, ist die Projektmanagerin überzeugt.
Stellplatzgebühren, Tanken, essen gehen, Eintrittsgelder – in der Regel gebe der typische Wohnmobilreisende rund 50 Euro am Tag vor Ort aus. Gerade Kurzurlauber würden eher selten im eigenen Wohnmobil kochen. Stattdessen könne die lokale Gastronomie profitieren. „Es gibt so viel Potenzial“, erklärt Marquis.
Unterleinleiter plant Wohnmobil-Stellplätze
Auch in Unterleinleiter erhofft man sich Vorteile durch Wohnmobiltouristen. Hinter dem ehemaligen Bahnhofsgebäude soll ein Platz für rund zehn größere Wohnmobile errichtet werden. „Wir wollen ein bisschen an die alten Zeiten anknüpfen, als Unterleinleiter ein Tourismusort war“, erzählt Bürgermeister Alwin Gebhardt.
Der Platz sei landschaftlich sehr schön. Damit dort in Zukunft Wohnmobile stehen können, sollen die Stellplätze mit Strom ausgestattet werden. Außerdem ist eine Station für Frischwasser und zur Abwasserentsorgung geplant. Dadurch könnten Kosten zwischen 20.000 und 30.000 Euro entstehen. Genau lasse sich das zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen, so Gebhardt. Die Buchung soll online erfolgen, ein dauerhafter Platzwart sei dadurch nicht nötig.
Bevor es losgehen kann, will die Gemeinde ihre Entscheidung über ein Immissionsgutachten absichern. Dabei soll zum einen betrachtet werden, welche Störgeräusche bereits existieren, zum Beispiel durch den nahe gelegenen Fußballplatz. Zum anderen wird untersucht, mit welchen Immissionen durch die Camper zu rechnen ist.
Ebermannstadt heißt Wohnmobiltouristen willkommen
Auch Ebermannstadt bemüht sich, Wohnmobilurlauber noch besser willkommen zu heißen. Dazu wird der Stellplatz am oberen Tor aufgewertet: größere Stellplätze für die immer größeren Mobile, Stromanschlüsse, mehr Informationen zu Aktivitäten vor Ort. Schon in diesem Frühjahr sollen die ersten Camper von den Neuerungen profitieren können.
„Wohnmobiltouristen sind eine riesige Zielgruppe“, erklärt Larissa Güntner, Tourismusmanagerin bei der Stadt Ebermannstadt. Diese Gruppe sei zahlungsfähig, aber bewege sich bisher oft unter dem Radar. Wer mit dem Wohnmobil in Ebermannstadt einen Zwischenstopp mache, besuche auch die Gastronomie und nehme am kulturellen Leben vor Ort teil.
Zu besonderen Veranstaltungen, wie beispielsweise dem Ultratrail, sollen in Ebermannstadt zeitlich begrenzt zusätzliche Flächen für Wohnmobile angeboten werden. In Kooperation mit den Stadtwerken sollen Wohnmobile zeitweise auf den Parkplätzen des Ebser Mare parken können.
Dehoga: gemischte Gefühlte zu Wohnmobiltourismus
„Jeder Gast ist ein Vorteil für die Region“, betont Georg Hötzelein, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA Bayern e. V. Dennoch blickt er mit gemischten Gefühlen auf das Thema. Aus seiner Sicht seien Wohnmobiltouristen vor allem für Campingplätze oder Hotels mit zusätzlichen Parkflächen eine schöne Beigabe. Davon, dass Kommunen extra eine Infrastruktur für eine Handvoll Stellplätze schaffen, hält er hingegen eher weniger.
Flächen für Camper zur Verfügung zu stellen sei nicht Aufgabe der Öffentlichkeit, gleichzeitig seien sie natürlich nötig, um Wildcampen zu vermeiden. Dass die lokale Gastronomie deutlich von Urlaubern mit Wohnmobil profitieren könnte, hinterfragt Hötzelein kritisch. Aus seiner Sicht seien Wohnmobiltouristen mehr „wie ein Wanderer, der seine Brotzeit dabei hat und seine Flasche Wasser“.
Neues Konzept wird bald präsentiert
Wie viele Urlauber mit ihrem Mobil jedes Jahr in die Fränkische Schweiz rollen, woher sie kommen und was sie sich vor Ort wünschen, dazu gibt es bisher keine wirklichen Daten. Auch das solle mit dem neuen Konzept in Zukunft erfasst werden, erklärt Projektmanagerin Marquis. Ein einheitliches digitales Buchungssystem erleichtert bald nicht nur den Campern den Urlaub, sondern ermöglicht auch einen besseren Überblick über die Gäste. Was sonst noch alles zum neuen Konzept gehört, dazu möchte Marquis aktuell noch keine weiteren Details bekannt geben. So viel sei allerdings verraten: Bereits in diesem Frühjahr soll es an den Start gehen.
















