0
Deutschlandweit einmalig
Trend Wohnmobil: Projekt fördert Camping in der Fränkischen
Der Campingplatz in Lilling: Hier hat die Familie Pingold drei Stellplätze mitten in der Obstwiese geschaffen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Campingplatz in Lilling: Hier hat die Familie Pingold drei Stellplätze mitten in der Obstwiese geschaffen. // Petra Malbrich
Susanne und Claudio PingoldForchheim & Fränkische Schweiz
Susanne und Claudio Pingold // Petra Malbrich
Gräfenberg – Um dem anhaltenden Trend des Urlaubs im Wohnmobil gerecht zu werden, hat der Wirtschaftsband A 9 mit 39 Kommunen und fünf Kooperationspartnern ein deutschlandweit einmaliges Projekt auf die Beine gestellt.

Aus Dänemark kam eine Familie, die für den Urlaub in Südeuropa einen Zwischenstopp einlegte und einen Wohnmobilstellplatz suchte. Fündig geworden ist sie beim Genusshof Pingold, der mit Beginn der Corona-Pandemie und den seither immer beliebter werdenden Wohnmobilreisen drei Stellplätze gebaut hatte.

Aber auch in umgekehrter Richtung legen die Urlauber aus dem Allgäu auf dem Weg zur Ostsee eine Übernachtung in Franken ein. Manche sind für Wochenendtrips in der Fränkischen unterwegs und suchen ebenfalls einen Platz zum Übernachten.

Wohnmobile – seit der Pandemie im Trend

Wohnmobilisten nennt man diese Urlauber. „Wohnmobil-Reisen sind nach wie vor im Trend. Die Nachfrage ist da, nun muss man entsprechende Infrastruktur schaffen“, sagt Matthias Helldörfer, Leiter der Tourismuszentrale am Landratsamt Forchheim. Ein Trend, der mit Corona „durch die Decke“ ging und der mit dem Wildcampen auch negative Seiten hat.

Um diesen neuen Trendbedarf zu decken und alles in gelenkte Bahnen zu bringen, wurde mit dem Wohnmobilstellplatz-Konzept – einer Kooperation des Wirtschaftsbands A 9 mit 39 Kommunen und fünf Kooperationspartnern, gefördert vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten – ein deutschlandweit einmaliges Projekt auf die Beine gestellt. Projektleiterin ist Nicole Marquis. Sie kennt Pingolds Stellplätze. „Es sind hochwertige Stellplätze“, sagt Marquis. Genau solche kleinen Inselplätze würden benötigt.

Für Stellplätze gibt es Fördermittel

Für solche Stellplätze gebe es Fördergelder, 25 Prozent ab 10.000 Euro Investitionsvolumen. Zwar habe sich der Corona-Trend wieder entzerrt, dafür seien die Buchungstage für Kurzzeittrips gestiegen, fährt sie fort. „Da die Fränkische Schweiz sehr beliebt ist, besteht großer Bedarf an diesen Stellplätzen.“

Aber es seien auch die Transitreisenden, die solche Angebote nutzen. „Wir liegen direkt an der Nord-Süd-Strecke“, sagt Claudio Pingold. Es war der „Blaue Gockel“, der Landesverband für Urlaub auf dem Bauernhof, der solche Stellplätze beworben hatte, gerade um dem Wildcampen entgegenzuwirken.

Baugenehmigung ist dennoch erforderlich

„Als Bauernhof, der Ferienwohnungen anbietet, können wir so mit geringem Aufwand auch Stellplätze anbieten“, sagt Susanne Pingold. So gering sei der Aufwand dann doch nicht gewesen, weil selbst für diese drei Stellplätze eine Baugenehmigung mit allem Drum und Dran gebraucht wurde und auch die Vermietung Zeit in Anspruch nehme. Der Vorteil bei maximal drei Stellplätzen sei, dass sie nicht unter die Campingplatzverordnung fallen.

„Es braucht kein Brandschutzkonzept, keine Sanitäranlagen oder Infrastruktur“, sagt Marquis. Die Müllentsorgung könne dann ein Problem werden. Bei großen Campingplätzen sei das dabei. Bei Pingolds dürfen die Wohnmobilisten die Sanitäranlagen mit Dusche und Sauna mitbenutzen. „Sie können alle Angebote nutzen wie die Ferienwohnungsgäste auch“, sagt Claudio Pingold. Die Camping- oder Wohnwagenübernachtungsgäste können somit den Spielplatz im Garten nutzen, den Brötchen- und Getränkeservice und das Frühstücksangebot.

Eine Entsorgungsmöglichkeit für Müll müssen die Pingolds nicht vorhalten. Dennoch: „Ich habe oft schon Restmüll durchsortiert, denn ich will auch nicht, dass sie das woanders entsorgen“, sagt Claudio Pingold. Diesbezüglich müsse noch eine Lösung gefunden werden.

Strom und Wasser je nach Verbrauch

Die Campingplätze selbst sind geschottert und verfügen über einen Stromanschluss, der von Familie Pingold freigeschaltet wird. Strom und Wasser werden nach Verbrauch berechnet. Kostenlos sind die Stellplätze nicht.

Die Nachfrage nach solchen Stellplätzen ist da. Anfragen für Wohnmobilstellplätze gehen aber in der Tourismuszentrale weniger ein. Die Wohnmobilisten sind selbstständig unterwegs, entscheiden sich tagesaktuell und oft nach Wetterlage, sagt Matthias Helldörfer. Vor allem informierten sich diese Reisenden über spezielle Apps über die Angebote.

Es brauche nicht unzählige Camping- oder Glampingplätze, sondern Kurzzeitplätze, wie Pingolds sie anbieten, meint Nicole Marquis. Das Projekt Campingplatzstellplätze sehe nun auch in Zusammenarbeit mit Caravan-Dienstleistern eine Art Landkarte mit Womo-Stellplätzen vor.

Stetige Aufwärtsentwicklung

Denn Caravanurlaub bleibt im Trend, wie auch die Marktstudien auf der Seite der Tourismuszentrale zeigen. So wurden 2019, vor Corona, 243.000 Aufenthaltstage in der Fränkischen Schweiz gezählt, mit einem Bruttoumsatz von 9,9 Millionen Euro. 2023 sind bereits 309.000 Aufenthaltstage in der Fränkischen Schweiz gezählt worden, mit einem Umsatz von 14,8 Millionen Euro brutto. Tendenz anhaltend.

Alle Übernachtungsmöglichkeiten samt Stellplätze sind in einer Broschüre der Tourismuszentrale aufgezeigt. Natürlich sind auch die Pingolds mit ihren drei Stellplätzen dort aufgelistet.

Mehr Landwirte dazu zu motivieren, ist Nicole Maquis’ Ziel: „Das hat Charme. Übernachten mit Blick auf die Obstwiese.“

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!