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Fränkische-Schweiz-Museum
Von 1804: Neuerwerbung zur Rosenmüllers-Höhle Muggendorf
Zeichnung der Höhle in Rosenmüllers Buch „Von der Rosenmüllers-Höhle bis zur Riesenburg“ von vor 220 Jahren.Forchheim & Fränkische Schweiz
Zeichnung der Höhle in Rosenmüllers Buch „Von der Rosenmüllers-Höhle bis zur Riesenburg“ von vor 220 Jahren. // Repro: Thomas Weichert
Wiesenttal – Das Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld kann mit einzigartigen neuen Exponaten aufwarten. So gibt es Neuigkeiten etwa zur sogenannten Rosenmüllers-Höhle bei Muggendorf aus einem Buch, das 220 Jahre alt ist.

Dem Fränkische-Schweiz-Museum in Tüchersfeld ist es gelungen, ein einzigartiges Exemplar des 1804 erschienen Werkes „Die Merkwürdigkeiten der Gegend um Muggendorf“ von Johann Christian Rosenmüller von einem Antiquariat zu erwerben − mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse Bayreuth sowie den Privatsponsoren Frank Heidenreich von der Breitenbach-Apotheke aus Ebermannstadt und dem ehemaligen Direktor des Berliner Museums Europäischer Kulturen Konrad Vanja.

In dem historischen Buch finden sich auch einzigartige Zeichnungen davon, wie die Rosenmüllers-Höhle vor 220 Jahren einmal ausgesehen hat. Bis 1960 war die Rosenmüllers-Höhle noch eine Schauhöhle − mit vielen Tropfsteinen. Dann wurde sie aufgelöst und in den Folgejahren wurde fast der komplette Tropfsteinbestand gestohlen und ging somit unwiederbringlich verloren. Ein aus heutiger Sicht unverzeihlicher Fehler.

Namensgeber des Höhlenbärs

Rosenmüller war Mediziner. Er studierte von 1792 bis 1794 Medizin Erlangen. Geboren wurde er im Mai 1771 in Heßberg in Thüringen, gestorben ist er 1820 in Leipzig. Rosenmüller, der sich später der Naturforschung widmete, ist auch Namensgeber des „Ursus Speleaus Rosenmüller“, einem Höhlenbären.

In seiner Dissertation aus dem Jahre 1794, als er in Erlangen noch Medizin studierte, verteidigte er die von ihm gefundenen Knochen in der nach ihm benannten Höhle als Überreste eines vierfüßigen Tieres und gab diesem den Namen „Höhlenbär“. Rosenmüller ist somit der Namensgeber für alle „Höhlenbären“, ob in der Teufelshöhle oder der Sophienhöhle. Seine Dissertation war in Latein geschrieben und wurde von ihm selbst 1795 ins Deutsche übersetzt. Er praktizierte und lehrte bis zu seinem Tod in Leipzig.

Werk aus dem Jahr 1804

Als junger Student in Erlangen war er einer der Ersten, der die später nach ihm benannte Höhle bei Muggendorf entdeckt hatte. In seinen 1804 erschienenem Werk, das nun im Besitz des Fränkische-Schweiz-Museums ist, spricht er direkt Reisende an „und möchte sie damit auf die natürlichen Schönheiten rund um Muggendorf hinweisen“.

Einzigartige Zeichnungen schmücken das Buch, wie die Riesenburg.Forchheim & Fränkische Schweiz
Einzigartige Zeichnungen schmücken das Buch, wie die Riesenburg. // Repro: Thomas Weichert

Höhlen nehmen eine besondere Stellung in seinem Werk ein. Schon in seinem Vorwort schreibt er auch ein wenig mit Stolz über die von ihm entdeckte Höhle. Rosenmüller stellt in seinem Buch auch die einzelnen Höhlen und Wanderungen in der typisch zeitgenössischen Reiseliteratur vor.

Den Beschreibungen stellt der erfahrene und nach eigenem Bekunden „enthusiastische“ Naturforscher auch Verhaltensregeln und wichtige Tipps für Höhlenkundler vor. Zum Beispiel rät Rosenmüller, sich vor dem Betraten einer Höhle sich seines Hutes zu entledigen.

Erstbefahrung der Höhle

In seinem Buch schildert er auch die Erstbefahrung der nach ihm benannten Höhle. „Seine Freunde und andere Gäste wollten sich nicht mit ihm zusammen in die unbekannte unterirdische Welt begeben“, heißt es unter anderem.

Letztlich habe er dann mit dem Höhleninspektor Wunder und einigen nicht näher bezeichneten Leuten am 18. Oktober 1793 die Höhle erkundet. In den folgenden Seiten beschreibt Rosenmüller in detailreicher und bildreicher Sprache narrativ seine Erlebnisse bei der Befahrung der Höhle: Wie er sich mit der Hand am Seil in die bodenlose Tiefe hinabgleiten ließ, um am Boden angekommen gleich ein kleines Feuer zu entzünden.

Ersten Tourismusboom augelöst

Wie Museumsleiter Jens Kraus meint, habe Rosenmüllers Buch damals zum überregionalen Bekanntheitsgrad des „Muggendorfer Gebürgs“ beigetragen und somit den ersten Tourismusboom ausgelöst. Der heute gültige Begriff „Fränkische Schweiz“ entstand dann erst einige Jahre später durch die Erlanger Studenten und Romantiker Wilhelm Heinrich Wackenroder und Ludwig Tieck.

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