Langsam schiebt sich der Traktor durch die Reihen der Stahlmasten. Auf einem länglichen Arbeitskorb binden Menschen Aufleitdrähte einige Meter über dem Boden an das bestehende Drahtseilgeflecht am Kopf der Masten. Direkt dahinter laufen weitere drei Saisonkräfte und binden die Rankhilfen an die Wurzelstöcke. Noch versteckt sich die nächste Generation des Hopfens im aufgelockerten Erdreich. Schon bald aber wachsen die Stauden in die Höhe.
Dominic Nützel lenkt den Traktor durch die Hopfenreihen. Der 28-Jährige ist der Betriebsleiter auf dem Biohof Friedrich im Gräfenberger Gemeindeteil Lilling im südlichen Landkreis Forchheim, kümmert sich um die täglichen Arbeiten auf dem Hof von Inhaberin Sonja Friedrich. Hopfen ist nicht nur seit Jahrzehnten das Geschäft der Familie Friedrich. Sondern Leidenschaft. Dabei sind die Zeiten für Hopfenbauern schon einfacher gewesen – interessanterweise obwohl beziehungsweise trotz guter Ernten im vergangenen Jahr.
Hopfen aus Deutschland: Super Ernte, fallende Preise
2024 sind in Deutschland laut Zahlen des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer 46.536 Tonnen Hopfen produziert worden, deutlich mehr als ein Jahr zuvor (plus 13 Prozent). Von dieser Menge gehen etwa 45 Tonnen auf das Konto von Sonja Friedrichs Hof. Auf etlichen Feldern rund um Lilling hegen und pflegen sie und ihr Betriebsleiter Nützel 17 verschiedene Hopfensorten auf knapp 37 Hektar Fläche. Es läuft, die Pflanzen wachsen, die Ernten steigen. Die Freude auch?
„Unsere Lagerbestände müssen weg“, sagt die resolute Landwirtin. Und spricht ein Problem an, das aktuell Hopfenbauern weltweit umtreibt. Auch und vor allem in Deutschland, wo weltweit am meisten Hopfen angebaut wird. Denn: Es gibt einfach zu viel Hopfen. Das liegt einerseits daran, dass die Bauern verhältnismäßig viel ernten konnten und dass Hopfen dank moderner Methoden zur Weiterverarbeitung problemlos jahrelang haltbar gemacht werden kann.
Bierkonsum sinkt, Rezepturen der Brauereien auch
Schwerer wiegen aber zwei andere Entwicklungen: Die Menschen trinken nicht nur immer weniger Biere, sondern auch solche, die weniger Hopfen enthalten. „Neben der eher schwachen Biernachfrage tragen auch Änderungen in den Rezepturen bei großen Brauereien dazu bei, dass die Nachfrage nach Aromahopfen sinkt“, sagt Stephan Schinagl, zweiter Vorsitzender des Hopfenwirtschaftsverbands der Deutschen Presseagentur. Das weiß auch Sonja Friedrich. Viele Brauereien würden mittlerweile auf Hopfensorten mit einer hohen Alphasäure setzen, die für die bittere Not im Bier verantwortlich sind. Nun seien solche Sorten größtenteils ertragreicher, also braucht es nicht so viel davon.
Weil es sich im Hopfenmarkt wie üblich um Angebot und Nachfrage dreht, seien die Preise für die wichtigsten deutschen Hopfensorten drastisch gefallen, laut Verband um bis zu 90 Prozent. Pro Kilogramm bekomme man je nach Sorte nur noch einen Euro, heißt es. Dies führt dazu, dass etliche Pflanzer in den deutschen Anbaugebieten Elbe-Saale, Spalt, Tettnang und Bitburg bereits Teile ihrer Pflanzen roden, um die Preise stabil zu halten beziehungsweise zu bekommen. Laut Schinagl müsse die Anbaufläche weltweit um 5000 Hektar sinken, allein in Deutschland um 2000 Hektar.
Hopfenmarkt: „Goldgräberstimmung“ weicht Ernüchterung
Herpersdorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt), nur elf Kilometer von Friedrichs Hof entfernt. Bio-Landwirt Markus Eckert baut neben Obst ebenfalls Hopfen an und kümmert sich um die Verarbeitung der Hopfendolden für viele Betriebe in der Region.
Auch für die Friedrichs. Auf Eckerts Hof werden die Dolden von den Blättern und kleinen Ästen getrennt, getrocknet, zu Pellets oder Briketts verarbeitet und im Hopfenkühllager gelagert.
„Der Hopfenmarkt war für viele Bauern in den vergangenen Jahren günstig“, sagt Eckert. So habe vor allem der weltweite Boom der Craft-Bier-Szene eine „wahre Goldgräberstimmung“ unter den Hopfenbauern ausgelöst. Dieser Hype um die experimentellen, oft stark hopfigen Biersorten sei aber abgeflacht und damit auch der gigantische Bedarf an Hopfenmengen, so Eckert. Nahezu der gesamte Hopfen lande laut Verband in den Brauereien, was den Hopfenmarkt also direkt vom Biermarkt abhängig mache.
Probleme werden auch in der Hallertau Spuren hinterlassen
All diese aktuellen Probleme werden auch in der hiesigen Anbauregion (dem Hersbrucker Gebirge, das seit 2004 der Hallertau zugeordnet wird) Spuren hinterlassen, da ist sich Eckert sicher. „13 Pflanzer gibt es aktuell bei uns in der Region, zwei hören in diesem Jahr auf“, sagt er. Und es könnten weitere folgen. Dass die Fläche insgesamt viel abnehmen wird, glaubt er indes nicht. Die drei Betriebe im Landkreis Forchheim (Sonja Friedrich und Familie Pingold in Lilling sowie Matthias Friedrich in Igensdorf) schätze er immerhin als „Zukunftshöfe“ ein.
Doch was heißt Zukunft? Matthias Friedrich aus Igensdorf blickt der aktuellen Entwicklung entspannt entgegen. Er wolle sogar ein bisschen gegen den Trend wachsen, auf 30 Hektar baue er nun schon Hopfen an. „Wir roden nicht und haben es auch im Moment nicht vor“, sagt er. Im Landkreis sei schon immer Hopfen angebaut worden, diese Tradition wolle er fortführen.
Rodungen im Landkreis Forchheim wohl eher marginal
Zurück bei Sonja Friedrich. Wie viele andere Hopfenproduzenten plant sie hingegen mit einer Verringerung ihrer Fläche. Allerdings nur marginal, wie sie sagt. Ein Hektar werde wegfallen im kommenden Jahr, auf einem weiteren Hektar wechsele sie lediglich die Sorte aus. „Wie die meisten haben wir langjährige Verträge abgeschlossen“, sagt sie. Die kommende Ernte sei also schon längst verkauft. Was die kommenden Jahre bringen, könne sie jedoch nicht sagen, denn viele der auf lange Sicht unterschriebenen Verträge würden dann auslaufen.
Dass die dank der hohen Pfahlkonstruktionen so markanten Hopfenfelder rund um Gräfenberg und Igensdorf komplett verschwinden, ist unwahrscheinlich. Ganz im Gegenteil. Sonja Friedrichs Betriebsleiter Dominic Nützel kniet hinter der Scheune in Lilling in einem Meer aus Blumenkästen und nimmt einen der zahlreichen Töpfe heraus. Darin einer von 5000 Stecklingen aller möglichen Hopfensorten. Bereit, schon bald ertragreich in die Höhe zu wuchern.



















