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Noch mehr Jobs in Gefahr
US-Zölle von Trump: Was das für Schaeffler und Co bedeutet
US-Präsident Donald Trump macht Ernst mit seinen Zöllen. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft in Franken - vor allem auf die Automobilzulieferindustrie.
US-Präsident Donald Trump macht Ernst mit seinen Zöllen. Das hat gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft in Franken - vor allem auf die Automobilzulieferindustrie. // Lars Penning/dpa/Archivbild
Forchheim – Die neuen Zölle von US-Präsident Trump könnten drastische wirtschaftliche Auswirkungen in der Region mit sich bringen. Müssen Frankens Firmen gar um ihre Existenz bangen?

Umsatzrückgang. Fusionen. Handelshemmnisse. Jobabbau. Diese und mehr Vokabeln bestimmen in den vergangenen Monaten die Gespräche über die Wirtschaft in Franken wie in ganz Deutschland. Die schlechte Stimmung zieht sich durch viele Branchen, die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze auch. Schaeffler in Herzogenaurach: minus 700 Stellen. Adidas in Herzogenaurach: minus 500 Arbeitsplätze. Puma in Herzogenaurach: minus 150 Arbeitsplätze. Siemens in Erlangen: minus 150.

US-Präsident und seine Strafzölle: Frankens Wirtschaft alarmiert

Nun könnte sich die Krise vor allem bei den exportlastigen Unternehmen noch weiter verschärfen. Der Grund heißt Donald Trump und führt als 47. Präsident die Geschicke der größten Volkswirtschaft weltweit. Seine US-Regierung führt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern ein, wie Trump verkündet hatte.

Firmen, die aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union in die USA einführen, sollen Zölle in Höhe von 20 Prozent zahlen. Für die Autobauer wurden schon länger Sonderzölle von 25 Prozent angekündigt, dieselben Zölle sollen spätestens ab 3. Mai auch auf Autoteile gelten. Wie die Tagesschau aus dem Bundesregister zitiert, führe die Liste 150 Kategorien wie Motoren, Getriebe, aber auch Reifen, Stoßdämpfer, Zündkerzen und Bremsschläuche.

Hunderte Firmen in Mittelfranken und Oberfranken betroffen

Davon werden einige Teile in Bayern und in der Region gefertigt. Wie Manuel Hertel von der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken auf Anfrage mitteilt, seien im Regierungsbezirk 650 Unternehmen mit den USA im Geschäft, 400 davon im Export, 200 weitere importieren. Darüber hinaus seien circa 190 Firmen zudem langfristig mit einer Niederlassung, einer Produktionsstätte oder einem Joint Venture aktiv, so Hertel.

Die US-Abhängigkeit ziehe sich laut Hertel durch alle Branchen, wobei Automotiv und Maschinenbau die wichtigsten Bereiche darstellen. „Die USA sind für unsere Unternehmen als Markt sehr wichtig und werden es auch bleiben. Zölle sorgen voraussichtlich für einen Rückgang der Umsätze in den USA und dies entlang der gesamten Lieferkette“, schreibt er.

IHK: Exportquote in Oberfranken sehr hoch

Ähnlich verhält es sich in Oberfranken. Laut Zahlen der zuständigen Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth sind gut 200 Unternehmen mit Geschäftskontakten in die USA registriert. IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm schrieb noch Ende März: „Oberfranken trifft diese Entwicklung sehr. Hinzu kommt, dass deutsche Automobilhersteller, der wichtigste Abnehmer der oberfränkischen Zulieferer, sowieso schon enorm unter Druck stehen. Schließlich wurden 2024 rund 12 Prozent weniger Pkw produziert als im Vor-Corona-Jahr 2019. Diese aktuelle Entwicklung wird die Rahmenbedingungen für unsere Zulieferer weiter verschlechtern. Entlassungen und auch Insolvenzen drohen.“

Hunderte Firmen aus Franken beliefern die Automobilindustrie weltweit mit Bauteilen. Auch sie trifft die aktuelle Zoll-Krise mit den USA schwer.
Hunderte Firmen aus Franken beliefern die Automobilindustrie weltweit mit Bauteilen. Auch sie trifft die aktuelle Zoll-Krise mit den USA schwer. // Vlad Kochelaevskiy, adobe stock

Michael Waasner: „Mittelstand kaum Möglichkeiten“

Michael Waasner, IHK-Präsident und selbst zumindest indirekt betroffener Unternehmer aus Forchheim, neigt kaum zu Alarmismus, klingt aber ernüchtert, wenn er auf das Thema angesprochen wird. „Die Firmen des Mittelstands haben kaum Möglichkeiten, auf Trumps Zollpolitik zu reagieren“, sagt er. Vor allem jene, die keine eigenen Niederlassungen in den USA hätten, müssten nun abwarten, wie sich Bundesregierung und EU positionierten. „Durch die höheren Preise würden auch oberfränkische Vor- und Endprodukte in den USA wahrscheinlich weniger nachgefragt werden, also müssen auch Forchheimer Unternehmen mit weniger Absatz in den USA rechnen."

Beim Thema Arbeitsplätze teilt Waasner die Sorge seines Hauptgeschäftsführers Brehm. „Die aktuellen Entwicklungen verbessern die Lage sicherlich nicht“, so Waasner. Was also tun? „Wir müssen unsere Firmen noch innovativer und effizienter aufstellen“, sagt Waasner. Ob und wie viele Unternehmer Trumps Traum wahrmachen und tatsächlich ihre Produktion in die USA verlagern, bleibe abzuwarten, sagt er. Immerhin baue man solche hoch technologisierten Fabriken, wie sie in der Region im Einsatz sind, nicht über Nacht woanders wieder auf.

Wie wirken sich die US-Zölle auf Schaeffler aus?

Der größte Automobilzulieferer in unserer Region, Schaeffler in Herzogenaurach, kann die Auswirkungen noch nicht absehen. Konzernsprecher Axel Lüdeke schreibt auf Anfrage: „Wir analysieren die Situation noch, die gerade aus der Sicht von Zulieferern mit Blick auf die genauen Auswirkungen noch nicht klar ist. Es wird noch einige Tage dauern, bis mehr Klarheit herrscht.“

Lüdeke verweist stattdessen auf das erste Statement von Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie. Sie schreibt unter anderem, es sei schon jetzt klar, „dass diese Entwicklung weltweit negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird“. Das werde auch Arbeitsplätze betreffen, da ist sich Müller mit anderen Experten einig. Die negativen Meldungen der Firmen aus unserer Region könnten also weitergehen.

Siemens Healthineers: „Drastische Maßnahmen“

Alarmiert äußert sich am Donnerstag auch Siemens Healthineers, mit Sitz in Forchheim, Konzerntochter von Siemens. Healthineers Sprecher Ulrich Künzel teilt auf Anfrage mit: „Das sind drastische Maßnahmen und es wird für alle Betroffenen nicht einfach werden, damit umzugehen. Es wird einige Zeit dauern, bis wir die Auswirkungen auf unser Unternehmen abschätzen können. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Situation wohl weiterhin volatil bleiben wird.“

Gleichzeitig verweist der Sprecher auf eine neue Partnerschaft („Value Partnership“), die Siemens Healthineers und Tower Health in den USA abgeschlossen haben. Die „Value Partnership“ solle in der Radiologie, Onkologie und Kardiologie des gesamten Tower-Health-Systems zu Verbesserungen bei der diagnostischen Bildgebung und bei intelligenten Digitallösungen führen. 

Zukunftswerkstatt Automotive der Metropolregion Nürnberg in Coburg

Die US-Zölle waren auch Thema bei der Zukunftswerkstatt Automotive der Metropolregion Nürnberg in Coburg. Ein Fazit: Die Unterstützung der hiesigen Autozulieferer sei drängender denn je, sagt Professor Klaus L. Wübbenhorst, Wirtschaftsvorsitzender der Metropolregion Nürnberg. „Das trifft insbesondere unsere kleinen und mittleren Autozulieferer und deren Beschäftigten in der Region hart, deren Kerngeschäft Motoren, Getriebe, Reifen, Stoßdämpfer, Zündkerzen, Bremsschläuche und viele weitere Komponenten sind", so Wübbenhorst.

Brossardt, Aiwanger: Wirtschaftseliten in Bayern beunruhigt

Und doch zeigen sich führende bayerische Wirtschaftsvertreter aufgeschreckt. Kein Wunder, sind die Vereinigten Staaten der größte Exportmarkt der bayerischen Wirtschaft. Zahlen der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) zufolge betrug das Exportvolumen im vergangenen Jahr etwa 29 Milliarden Euro. Immerhin ein Anteil von 13 Prozent.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw lässt verlauten: „Die gestern zusätzlich verhängten Zölle markieren einen weiteren Tiefpunkt in den Wirtschaftsbeziehungen mit den USA unter Donald Trump“, schreibt er.

Ähnlich äußert sich Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler): „Das amerikanische Zollpaket schadet beiden Seiten und ist eine konkrete Gefahr für unsere Wirtschaft“. Er warnt, dass Wertschöpfungsketten, Arbeitsplätze und Investitionen unmittelbar bedroht seien. „Je nach Unternehmen sprechen wir hier von Zusatzkosten in dreistelliger Millionenhöhe. Betroffen sind insbesondere unsere Automobilhersteller und -zulieferer, die Chemieindustrie sowie die Maschinenbauer.“

 

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