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Tag des Reinheitsgebots
Challenge: Die älteste Bierflasche der Leser ist gefunden
Die älteste Bierflasche der FT-Leser ist gefunden (Symbolbild).
Die älteste Bierflasche der FT-Leser ist gefunden (Symbolbild). // Room 76 Photography/AdobeStock
Forchheim/Höchstadt – Der Fränkische Tag hat gefragt: „Wer hat die älteste Bierflasche Frankens zu Hause?“ Und das Ergebnis ist erstaunlich: Es gibt gleich fünf Einsendungen unserer Leser, die aufhorchen lassen.

Dieser Artikel wurde am 23. April 2024 erstmals publiziert.


Vorgelegt hatte ich mit einer Bierflasche vom „Brauhaus Neustadt a. d. Aisch“, die daheim in meinem Arbeitszimmer als Erinnerungsstück im Regal steht und aus dem Jahr 1991 stammt. Doch deren an sich schon beachtliches Alter von 33 Jahren wurde von den zahlreichen Einsendungen unserer Leser noch weit übertroffen, die über das Wochenende im E-Mail-Postfach eingingen. 

Den Anfang macht ein bieriges Relikt aus Erlangen: „Ich bin im Besitz einer Pfandflasche der Brauerei Kitzmann, welche aus dem Jahr 1976 stammt“, schreibt uns Fritz Endres. In seinem Keller hütet Endres, wie er weiter mitteilt, noch zwölf original verschlossene Flaschen des Erlanger Bergkirchweihbiers des Jahrgangs 1976. Leider könne er das Jahr nicht belegen, da der im Aufruf zur Einsendung der ältesten Bierflasche erläuterte Nummerncode mit dem Produktionsjahr auf seinen Flaschen leider fehle.

Erlanger Bergkirchweihbier eingelagert seit 1976

So bleibt als Nachweis nur die Aussage von Fritz Endres selbst, der erklärt, dass er das Erlanger Bergkirchweihbier seit dem Kauf vor fast fünf Jahrzehnten bei gleichbleibender Temperatur und ziemlich dunkel eingelagert hat. Der Anlass für die Einlagerung: Im April 1976 wurde die jüngste Tochter von Endres geboren und „ich habe damals 5 Kästen davon im Keller aufgehoben“. Geöffnet und probiert wurde davon im Laufe der Jahrzehnte immer wieder mal ein Fläschchen „wenn der Anlass gepasst hat oder wir wollten mal wieder schauen ob‘s noch gut ist“.

Fritz Endres hütet in seinem Keller noch 12 originalverschlossene Flaschen Erlanger Bergkirchweihbier von 1976. Das ist eine davon.
Fritz Endres hütet in seinem Keller noch 12 originalverschlossene Flaschen Erlanger Bergkirchweihbier von 1976. Das ist eine davon. // Fritz Endres

Erst im letzten Jahr, so Endres weiter, hat er mit Freunden eine der alten Flaschen geöffnet „und es hat immer noch gut geschmeckt bis auf eine leichte Ausflockung an Eiweiß“. Die Flaschen von Fritz Endres tragen wie gesagt keinen Nummerncode, sind aber offenbar mindestens 48 Jahre alt, da sie spätestens 1976 hergestellt worden sein können – dem Jahr, in dem sie bei der damals noch in Erlangen aktiven Brauerei Kitzmann mit Festbier befüllt worden ist.

Flasche von 1970 beim Flurräumen gefunden

Nur geringfügig älter ist die Bierflasche, deren Foto von Jürgen Hoffmann von der Feuerwehr des Herzogenauracher Ortsteils Burgstall eingesendet worden ist: Die Feuerwehr habe vor ein paar Tagen Müll und andere Hinterlassenschaften in Natur und Landschaft eingesammelt, so Hoffmann, und dabei eine alte Flasche der einstigen Herzogenauracher Brauerei Hubmann gefunden. Deren Produktionsjahr ist mit 1970 angegeben, was ein Alter von 54 Jahren ergibt.

Die Feuerwehr Burgstall fand diese Hubmann-Bierflasche von 1970 kürzlich beim Flurräumen.
Die Feuerwehr Burgstall fand diese Hubmann-Bierflasche von 1970 kürzlich beim Flurräumen. // Jürgen Hoffmann

Dann erreichte die Redaktion des Fränkischen Tags auch noch eine E-Mail von Maria Kroder. Sie schickte zwei Fotos mit, die eine alte Bügelflasche aus Weißglas zeigen, die einst von der St.-Georgen-Brauerei in Buttenheim im Landkreis Bamberg benutzt worden ist. Davon kündet bis heute eine Prägung am Flaschenhals. Die Flasche von Maria Kroder stammt offensichtlich noch aus einer Zeit vor der Einführung des normierten Codes am unteren Rand der Bierflaschen.

Die Bierflasche von Maria Kroder könnte aus dem Jahr 1957 stammen und gehörte einst einer Brauerei aus Buttenheim.
Die Bierflasche von Maria Kroder könnte aus dem Jahr 1957 stammen und gehörte einst einer Brauerei aus Buttenheim. // Maria Kroder

Dafür zeigt sie mehrere Zahlen- und Buchstabenangaben ganz unten auf dem Flaschenboden, darunter die Zahl „57:“ Dabei dürfte es sich um die zweistellige Jahreszahl der Produktion mit Angabe des Quartals handeln, wie aus mehreren Internetseiten zum Thema Bierflaschengeschichte hervorgeht. Maria Kroders Bierflasche würde demnach aus dem zweiten Quartal des Jahres 1957 stammen und wäre damit 67 Jahre alt.

Der Name der Brauerei ist nicht mehr lesbar

Noch einen Zacken älter könnte die Flasche sein, die auf den Fotos von Uwe Schack zu sehen ist. Auch hier handelt es sich um eine Bügelflasche, allerdings aus Braunglas und ohne Halsprägung. Stattdessen sind die Reste eines grünen Etiketts zu erkennen, aus dessen gelber Schrift hervorgeht, dass sie einmal ein „Vollbier“ enthalten hat. Der Name der Brauerei ist nicht mehr lesbar, hier fehlen leider entscheidende Teile des Etiketts.

Von welcher Brauerei diese Flasche von Uwe Schack zuletzt befüllt worden ist, bleibt offen. Hier fehlen entscheidende Teile des Etiketts.
Von welcher Brauerei diese Flasche von Uwe Schack zuletzt befüllt worden ist, bleibt offen. Hier fehlen entscheidende Teile des Etiketts. // Uwe Schack

Der Boden von Uwe Schacks Flasche trägt ähnliche Zahlen- und Buchstabenkombinationen wie Maria Kroders Flasche, unter anderem die „53“ und die „26“. Nachdem auch die Füllmenge „0,5 l“ und ein „DIN“-Zeichen in den Flaschenboden eingeprägt sind, lässt sich ableiten, dass es sich um eine ab 1936 hergestellte Flasche handelt. Denn die bis heute gängigen Flaschengrößen mit den Füllmengen 0,33 Liter; 0,5 Liter; 0,7 Liter und 1 Liter wurden in diesem Jahr einheitlich genormt und verpflichtend vorgeschrieben.

Breitenlesauer Flasche gibt Rätsel auf

Somit scheidet die „26“ als Produktionsjahr aus, denn vor 1936 gab es die DIN-Normen ja noch gar nicht. Die braune „Vollbier“-Flasche von Uwe Schack dürfte demnach aus dem Produktionsjahr 1953 stammen und ist folglich respektable 71 Jahre alt.

Noch mehr Rätsel gibt allerdings eine Einsendung von Gerald Meyer auf. Der von ihm fotografierte Nummerncode zeigt links von der Füllmenge „0,5 l“ die Zahl „31“. Laut Vorschrift steht links von der Füllmenge das Produktionsjahr und nachdem wir das Jahr 2031 noch nicht erreicht haben, bleibt eigentlich nur 1931 übrig. Denn von einer zeitreisenden Bierflasche aus der Zukunft ist bislang noch nichts bekannt geworden.

Sicherlich nicht aus dem Jahr 1931 stammt die Flasche von Gerald Meyer, auch wenn die Codierung es vermuten lassen könnte.
Sicherlich nicht aus dem Jahr 1931 stammt die Flasche von Gerald Meyer, auch wenn die Codierung es vermuten lassen könnte. // Gerald Meyer

Aber auch 1931 erscheint sehr unwahrscheinlich zu sein. Denn Meyer gibt an, den Kasten „Breitenlesauer Ur-Stoff“ von der Brauerei Krug im Landkreis Bayreuth, der die Flasche mit der Zahl „31“ enthielt, erst vor ein paar Wochen gekauft zu haben.

„Das kann nicht sein“, meint dazu auch Konrad Krug, der Inhaber der Breitenlesauer Brauerei auf Nachfrage. Denn es handelt sich bei Gerald Meyers Exemplar um eine Euro-Flasche, so wie sie bei der Brauerei Krug üblich ist. Und diese Flaschenform ist laut Konrad Krug erst seit Mitte der 1960er-Jahre verfügbar. Eine Recherche auf den einschlägigen Internetseiten zur Bierflaschenhistorie bestätigt das: Die Euro-Flasche in ihrer heutigen Form gibt es erst seit 1965.

Womöglich handelt es sich um eine Fehlprägung

Damals löste die Euro-Flasche mit Kronkorken als Branchenstandard die althergebrachte Bügelflasche ab. Eine Produktion im Jahre 1931 und damit ein Alter von 93 Jahren lässt sich also ausschließen. Als mögliche Erklärung für die „31“ am unteren Flaschenrand bleibt eine Fehlprägung bei der Produktion. Oder, wie eine Nachfrage beim Bundesverband der Glasindustrie ergibt, die Positionierung der Formennummer der Produktion an der Stelle, an der eigentlich die Jahreszahl stehen müsste.

Damit bliebe das tatsächliche Alter von Gerald Meyers „Ur-Stoff“-Flasche offen. Und die Ehre der Einsendung der ältesten Bierflasche Frankens zum „Tag des Reinheitsgebots“ gebührt Uwe Schack mit seiner Bügelflasche von 1953.

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