Update vom 1. April, 14.32 Uhr
Die Hallerndorfer und Neuhauser sind einfach zu schlau: Sie haben unseren Aprilscherz mit der Bier-Pipeline offenbar alle durchschaut. Zur Auflösung am heutigen Montag um 14 Uhr wartete der Wirt der Brauereigaststätte Rittmayer, Deyan Kostadinov, jedenfalls vergeblich auf Interessenten für die unterirdische Bierleitung.
Freibier stand im Gasthaus Rittmayer bereit
Eine verpasste Chance: Jeder, der gekommen wäre, hätte von der Brauerei Rittmayer eine Viererpackung Freibier spendiert bekommen.
Und bei dieser Gelegenheit noch eine gute Nachricht, die kein Aprilscherz ist: im Gegensatz zu vielen anderen Gasthäusern hat Kostadinov in dieser Saison den Bierpreis nicht erhöht. Dieser soll den ganzen Sommer weiterhin bei drei Euro pro Seidla bleiben.
Artikel vom 1. April, 6 Uhr
„Der klassische Bierlaster mit Dieselmotor ist ein Auslaufmodell“, erklärt Inhaber Georg Rittmayer dazu. Sein Unternehmen will in Zukunft auf Lkw-Fahrten zur Bierauslieferung so weit wie möglich verzichten und setzt dazu auf eine Technologie, die man sich beim 2016 in Hallerndorf in Betrieb gegangenen Nahwärmenetz der Naturstrom AG abgeschaut hat.
Unter der Erde immer schön kühl
In einem ersten Schritt will Rittmayer eine Bierleitung von seiner Brauerei an der Staatsstraße 2264 zum Rittmayer-Keller auf dem Kreuzberg verlegen. Unterwegs sollen auch die Brauereigaststätte, die an der Trailsdorfer Straße im Ortskern liegt, und der Rittmayersche Gartenkeller an die neue Bierleitung angeschlossen werden.
Im Vergleich zum Lkw hat die unterirdische Rohrleitung aus Sicht des Brauereibesitzers noch einen weiteren Vorteil außer der Einsparung von Fahrten und dem dafür nötigen Dieselkraftstoff: „Unter der Erde ist es immer schön kühl. So kommt das Bier gleich richtig temperiert aus der Leitung und die Fasskühlung in den Gaststätten wird überflüssig.“
Anlieger können sich anschließen lassen
Die Bierleitung, die an der Brauerei beginnt, soll zunächst dem Straßenverlauf der Forchheimer Straße folgen und führt dann nach dem Anschluss der Brauereigaststätte in der Trailsdorfer Straße weiter über die Rathausstraße und den Pater-Tilman-Weg. Das würde die Möglichkeit eröffnen, auch das Rathaus daran anzuschließen, falls die Gemeindeverwaltung daran Bedarf hat. Weiter soll die Pipeline an der Kirche vorbeiführen und dort in Richtung Gartenkeller abbiegen. Diesen erreicht die Bierleitung über die Schulstraße. Bis zum Ziel auf dem Kreuzberg verläuft der Rest des Rohrs dann außerorts.
Der Brauereichef hat bei dieser Gelegenheit noch eine gute Nachricht für die Anlieger der betroffenen Straßen in Hallerndorf: Wer in der Forchheimer Straße, der Trailsdorfer Straße, der Rathausstraße, dem Pater-Tilman-Weg und der Schulstraße wohnt, kann sich einen Abzweig der Bierleitung in den eigenen Keller legen lassen. Dort kommt dann ein Zapfhahn aus der Wand, aus dem bei Bedarf jederzeit frisches Bier sprudelt.
Auch in Neuhaus wird eine Bierleitung gebaut
Die Biersorte, die ihre Kunden auf diesem Weg erreichen soll, wird laut Rittmayer passenderweise das Kellerbier sein. Eine Infoveranstaltung für alle Interessenten, die sich einen Anschluss ihres Hauses an das Hallerndorfer Nahbiernetz vorstellen können, findet am heutigen Montag um 14 Uhr im Saal der Brauereigaststätte Rittmayer in der Trailsdorfer Straße statt.
Ein ähnliches Projekt soll in unmittelbarer Nachbarschaft auch im Adelsdorfer Ortsteil Neuhaus an der Aisch entstehen. Dort kam Braumeister Hans-Günter Wirth unabhängig von Georg Rittmayer auf die Idee, die Bauarbeiten für das kommunale Nahwärmenetz, das in Neuhaus aktuell entsteht, für eine Bier-Pipeline zu nutzen. Hans-Günter Wirths Bierleitung soll allerdings genau wie bei seinem Brauerkollegen in Hallerndorf die Brauerei mit dem Bierkeller am Ortsrand verbinden.
Geplant ist, die Neuhauser Bierleitung beginnend an der Löwenbrauerei weiter durch die Heppstädter Straße, die Dr.-Jaeckel-Straße und die Röttenbacher Straße vorbei an den Weihern zum Löwenbräu-Keller am östlichen Ortsrand von Neuhaus zu führen. Auch hier besteht laut Hans-Günter Wirth die Möglichkeit, dass sich die Anlieger der betroffenen Straßen gleich mit an die Bierleitung anschließen lassen können.
Welche Biersorte einmal durch sie fließen wird, steht laut Wirth noch nicht endgültig fest: „Das entscheiden wir erst, wenn wir wissen, welche Prioritäten die Anschlussnehmer haben.“ Für die Sondierung der Stimmung der potenziellen Kunden bietet sich gleich eine günstige Gelegenheit. Denn die Infoveranstaltung für die Interessenten an der Neuhauser Bier-Pipeline findet zusammen mit der Rittmayerschen Infoveranstaltung am heutigen Montag um 14 Uhr in der Brauereigaststätte Rittmayer in der Trailsdorfer Straße in Hallerndorf statt.
Bürgermeister Fischkal und Bauer voll des Lobes
Die Zusammenlegung der Infotermine macht aus Sicht von beiden Brauern Sinn. Denn in Hallerndorf und in Neuhaus soll die identische Leitungstechnologie zum Einsatz kommen. Die Bürgermeister von Hallerndorf und Adelsdorf sind derweil voll des Lobes über die beiden Vorhaben: „Hallerndorf unterstreicht mit diesem wegweisenden Projekt einmal mehr, dass uns beim Thema Bier so schnell keiner was vormacht“, erklärt Bürgermeister Gerhard Bauer aus Hallerndorf auf Anfrage.
Bauers Bürgermeisterkollege Karsten Fischkal aus Adelsdorf hebt die Tatsache hervor, dass für das Nahbiernetz der Familie Wirth kein baulicher Zusatzaufwand entsteht: „Für die Nahwärme-Erschließung werden die Ortsstraßen in Neuhaus ohnehin aufgegraben. Dass dabei auch gleich die Bierleitung der Löwenbrauerei verlegt werden kann, ist praktisch und senkt die Kosten für alle Beteiligten.“
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