Von der Braumanufaktur Hertl in Schlüsselfeld ist man ja schon einiges gewohnt. Inhaber David Hertl, dem auch die Forchheimer Eichhorn-Brauerei gehört, experimentiert gern mit außergewöhnlichen Zutaten und brachte beispielsweise schon eine Gurken-Gose oder ein Biergetränk auf Kürbis-Basis heraus. Die neuste Kreation hat das Potenzial, die fränkische Genusswelt entweder zu spalten oder zusammen zu führen. Sie heißt „Saurer Franke“ und ist eine Mischung aus Wein und Bier.
„Der Geschmack geht eher in den sauren Bereich“, erklärt Seniorchef, Brauer und Biersommelier Bernd Hertl aus Schlüsselfeld. Der Brauprozess beginnt seinen Angaben nach zunächst wie bei einem normalen Bier: Es wird ein Malzsud angesetzt und die dabei entstehende Würze mit Hopfen gekocht. Dann kommt weißer Traubensaft der Sorte Riesling dazu und das Ganze wird mit Hefe zum Gären gebracht.
Der Trend geht zu weniger Alkohol
Die verwendete Hefesorte „ist obergärig wie alle Weinhefen“, erklärt Bernd Hertl weiter. Das Ergebnis darf wegen des Deutschen Reinheitsgebots nicht als Bier verkauft werden. Hertl spricht deswegen von einer Eingruppierung in die Kategorie „Lebensmittel eigener Art“.
Den Saft der Rieslingtraube steuert der Winzer Markus Meier aus Ulsenheim bei Uffenheim bei. „Massenbiere und Massenweine gibt es schon genug“, sagt Meier zu der gemeinsamen Kreation mit den Schlüsselfelder Experimentalbrauern. Man habe sich beim Genuss-Netzwerk „JRE Origins“, in dem sich Köche und Lebensmittelhandwerker zusammen geschlossen haben, kennen gelernt und die Idee für das neue Produkt zusammen entwickelt, so Meier weiter.
Denn der Trend bei Getränken gehe generell zu weniger Alkohol, erklärt der Winzer aus Ulsenheim: „Aber ein alkoholreduzierter Wein schmeckt leerer und eindimensionaler“, während ein Bier mit sechs oder sieben Prozent Alkoholgehalt völlig normal sei. Daraus entstand die Idee, ein weiniges Getränk mit den Methoden des Bierbrauens herzustellen. Besonders seine Säure mache den „Sauren Franken“, der den Untertitel „Riesling Sour Ale“ trägt, zu einem erfrischenden Genuss, meint Meier.
Pilotprojekt mit sieben Prozent
Den Argwohn von dezidierten Wein- oder Bierliebhabern fürchtet Meier nicht: „Das Produkt hat Bock, das hat Säure, das hat Zug, das hat Spannung. Ein leidenschaftlicher Weintrinker kann das im Sommer gut zum Grillen trinken, auch direkt aus der Flasche.“ Brauer David Hertl selbst kommt ähnlich ins Schwärmen über die Koproduktion: Diese sei ein außergewöhnliches Getränk, „das weiches Malz und einen Hauch Hopfen, weiße Traube und eine elegante Säure ins Glas bringt.“
Sowohl Hertl als auch Meier deklarieren ihren „Sauren Franken“ als Pilotprojekt, dessen Erfolg man jetzt auf dem Markt ausprobieren wolle. Erhältlich ist er sowohl bei der Braumanufaktur Hertl als auch beim Weingut Meier. Der Alkoholgehalt des Wein-Bier-Hybriden (wie das Produkt von Hertl auch bezeichnet wird) liegt bei sieben Prozent – etwa halb so viel wie bei kräftigen Weinen.
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