Die wichtigste Info gleich vorweg: Nein, das Glühbier von Mathias Hoehn schmeckt nicht bitter. Es ist vielmehr eine sehr erfrischende Mischung aus feinherber Fruchtigkeit, zimtiger Malzigkeit und dezenter Süße, die den Gaumen umschmeichelt, wenn man ein Schlückchen von der Herzogenauracher Adventsspezialität probiert. Im direkten Vergleich können die meisten Glühweine einpacken, die man in diesen besinnlichen Tagen überall auf den Weihnachtsmärkten der Region bekommt.
Denn die erschlagen die Zunge häufig mit einem einzigen Geschmack: Zucker bis zum Abwinken. Genau um dazu eine Alternative bieten zu können, hat Hoehn, der sich 2019 den Traum von einer kleinen Brauerei in Herzogenaurach erfüllt hat, sein Glühbier entwickelt. Die Basis dafür bildet ein helles Hefeweizen aus seinem regulären Sortiment. An dem Rezept hat der Brauer nach eigenen Angaben eine Weile getüftelt: „Zuerst habe ich mich durch die einzelnen Biere getestet. Ich habe es mit Pils probiert und dann mit Rotbier und mit Pale-Ale. Aber da blieb immer zu viel Hopfenbittere drin.“
Zu bitter: Erster Versuch mit Glühbier scheitert
Und diese habe man auch mit der Zugabe von viel Zucker nicht übertönen können, erklärt Hoehn. Das Ergebnis seiner ersten Versuche in der Glühbierherstellung war „ein süßes Gelumpe mit bitterem Beigeschmack – und das war ganz unangenehm.“ Der Durchbruch zum gewünschten Geschmack gelang schließlich mit einem Sud mit Weißbier, das von sich aus eine fruchtige Note mitbringt und wenig Hopfen enthält.
Die Zubereitung des Glühbiers beginnt mit dem Erhitzen von Kirschsaft mit den Gewürzen Zimt und Sternanis. „Dann kommen frische Orangenstücke rein und dann das Bier“. Dieser Sud wird langsam auf rund 65 Grad erwärmt, „aber nicht höher, weil ab 74 Grad verdampft sonst der Alkohol.“ Und der soll ja auf jeden Fall drin bleiben im Gebräu. Als weitere Zutaten nennt der Brauer raffinierten Zucker und Limettensaft.
Genaues Rezept für Glühbier ist Geheimnis
Die genauen Mengenverhältnisse der Rezeptur, deren Mischung Hoehn inzwischen ohne Messbecher und Waage beherrscht, will er allerdings nicht verraten: „Die bleiben mein Geheimnis.“ Was im Gegensatz zum Alkohol auch beim schonenden Erwärmen allerdings immer verloren geht, ist die Kohlensäure aus dem Bier. Denn wie man es von Mineralwasserflaschen kennt, die eine Weile in der Sonne gelegen haben: Die Kohlensäure entweicht, wenn die Flüssigkeit warm wird. „Das sind physikalische Zusammenhänge, da kann man nichts dagegen machen“, meint Hoehn.
Sein Rezept will er nicht als endgültig perfekt bezeichnen. Denn an Ideen für weitere Variationen mangelt es nicht: „Ich will noch probieren, Honig reinzutun. Ich glaube, dass kann einen schönen Geschmack mitbringen.“ Auch eine Variante mit Erdbeersaft und eine mit Vanille hat er schon zubereitet.
Glühbier auf Weihnachtsmarkt in Herzogenaurach
Mit seiner Glühbierkreation war der Herzogenauracher auch auf dem Weihnachtsmarkt seiner Heimatstadt vertreten. Ausgeschenkt wurde sie passenderweise vor der Kulisse eines alten Feuerwehrautos, mit dem Hoehn seine Ausrüstung transportiert. Schließlich geht es auch bei der echten Feuerwehr öfters mal glühend heiß zu.
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