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Gastronom aus Herzogenaurach
Kulinarisches Fest: So feiert man in Neapel Heiligabend
Im katholischen Neapel ist Fisch die bevorzugte Speise am Heiligen Abend. Am „Baccala“ führt hier kein Weg vorbei.
Im katholischen Neapel ist Fisch die bevorzugte Speise am Heiligen Abend. Am „Baccala“ führt hier kein Weg vorbei. // petroos/AdobeStock
Herzogenaurach – Der Heilige Abend ist in Italien ein Fest für die ganze Familie: Es wird gemeinsam gekocht, gemeinsam gegessen und gemeinsam aufgeräumt. Doch welche Spezialitäten werden dort am 24. Dezember aufgetischt?

Wie feiert man eigentlich in anderen Ländern Weihnachten? Und was gibt es an Heiligabend zu Essen? Einer, der sich mit italienischen Weihnachtsspezialitäten auskennt, ist Patrizio Giuliano, der in Herzogenaurach das Lokal „Fratelli Osteria“ betreibt.

„Italien ist groß“, sagt Giuliano gleich zum Anfang des Gesprächs: „Es gibt verschiedene Arten, wie man in Italien Weihnachten feiert. Das ist im Norden anders als im Süden oder auf Sizilien.“ In seiner Heimat Neapel „ist die Krippe das Wichtigste, was es gibt.“ Schließlich ist die Stadt berühmt für ihre Krippenbauer. Und „weil wir sehr katholisch sind, gibt es bei uns an Heiligabend Fisch und kein Fleisch“, erklärt der Gastronom weiter.

Wenn der Begriff „Süßspeise“ auf etwas passt, dann auf die „Struffoli“. Diese werden mit Honig und Zucker karamellisiert.
Wenn der Begriff „Süßspeise“ auf etwas passt, dann auf die „Struffoli“. Diese werden mit Honig und Zucker karamellisiert. // Brent Hofacker/AdobeStock

Das Festmahl am Heiligen Abend beginnt damit, dass eine breite Auswahl an Vorspeisen aufgetischt wird, zum Beispiel „Melanzane alla Sorrentina“. Dazu werden Auberginenscheiben in Mehl gewendet, in Öl ausgebacken und in eine Auflaufform gelegt. Oben drauf kommen geschnittene Tomaten, Mozzarella, geriebener Parmesan und etwas Salz. Nach rund 15 Minuten bei 180 Grad im Ofen wird das Gericht mit Basilikumblättern garniert und heiß oder kalt serviert.

Ganz wichtig ist dabei: Es wird großzügig aufgetischt, damit Familie und Freunde gemeinsam an einer Tafel zusammensitzen können, um das Gespräch zu suchen und miteinander zu essen. Dazu nimmt man sich viel Zeit, um zur Ruhe kommen. Als Hauptgericht führt laut Giuliano am „Baccala“ kein Weg vorbei. Das ist ein in Salz eingelegter Stockfisch, der mindestens eine Woche vor dem geplanten Festmahl gekauft werden muss.

Denn vor der Zubereitung muss der getrocknete und eingesalzene Fisch erst etwa eine Woche lang gründlich gewässert und vom Salz befreit werden. Alternativ gibt es den Baccala in Italien auch frisch zu kaufen, dann entfällt die Wartezeit für das Wässern.

Patrizio Giuliano verrät, welche Spezialitäten es in Italien zu Weihnachten gibt. Beim Schaumwein gilt ihm der Flaschenverschluss als Qualitätskriterium.
Patrizio Giuliano verrät, welche Spezialitäten es in Italien zu Weihnachten gibt. Beim Schaumwein gilt ihm der Flaschenverschluss als Qualitätskriterium. // Martin Regner

Der Fisch wird dann geschnitten, in Mehl gewendet und in heißem Öl ausfrittiert, bevor er mit Zitronensaft beträufelt und mit etwas Pfeffer gewürzt wird. „Der Baccala wird meist mit Pflanzenöl frittiert. Man kann ihn aber auch im Ofen garen, mit einem Weißwein- oder einem Zitronensud, wie man möchte.“ Frisches Gemüse, gebackenes Gemüse und ein Salat mit gekochten Eiern und Oliven werden als Beilagen gereicht. „Dazu trinkt man einen guten Wein und dann wird miteinander gesprochen.“

„Als Dessert dürfen Panettone und Pandoro nicht fehlen“, so Giuliano weiter. Beide Kuchen werden bereits lang vor Weihnachten aus Hefeteig gebacken, damit sich ihr Aroma entfalten kann, es gibt aber einen großen Unterschied: Der Pandoro enthält keine Rosinen und kandierte Früchte, der Panettone dagegen sehr wohl. Typisch für die beiden traditionellen Weihnachtskuchen aus Italien ist ihre hohe Kuppelform.

Sehr süße Honigbällchen nach einem alten Rezept

„Dann gibt es bei uns noch Struffoli“, sagt der Herzogenauracher Gastronom mit italienischen Wurzeln. Struffoli, das sind sehr süße Honigbällchen nach einem alten Rezept. Dazu werden kleine Teigkügelchen aus Mehl, Eiern, Anisschnaps, Butter, abgeriebener Zitronen- und Orangenschale sowie Zucker und etwas Salz im heißen Öl frittiert und dann mit Honig, Zucker, weiterem Anisschnaps und gehackten kandierten Früchten rundum karamellisiert.

Das richtige Getränk zum Dessert ist für Giuliano ein Prosecco Spumante, ein lieblicher oder trockener Schaumwein. „Aber kein billiger Secco, wie man ihn in Deutschland oft bekommt“, das ist ihm wichtig. Es kommt bei der Auswahl besonders auf den Champagner-Verschluss oben an der Flasche an. Von Schaumweinen mit Schraubdeckeln rät der Gastronom ab.

Nach dem Essen folgt schließlich ein Digestif, zum Beispiel „ein kleiner Grappa, ein Averna oder ein Montenegro.“

Um Mitternacht wird das Jesuskind in die Krippe gelegt

Und auch der Kaffee darf nach einem richtigen italienischen Weihnachtsessen nicht fehlen. Um 12 Uhr nachts, wenn immer noch alle zusammensitzen, wird dann die Jesusfigur in die Krippe gelegt. „Und zum Abschluss gegen 3 Uhr nachts wird gemeinsam aufgeräumt.“

Am 25. Dezember darf dann auch Fleisch gegessen werden, zum Beispiel ein kurz angegrilltes und dann im Ofen fertig gegartes Rinderfilet, serviert in dünn geschnittenen Scheiben auf einem Bett aus Rucolasalat, Kirschtomaten und Parmesan und als Beilage mit Rosmarin-Bratkartoffeln. „Und am 26. Dezember werden dann die Reste aufgegessen.“

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