Mitte Dezember hätte die beliebte Lichterfahrt in Höchstadt wieder stattfinden sollen. Schon seit Monaten war Organisator Ralf Geyer deshalb am Rotieren, hat Anforderungen in Erfahrung gebracht, Gespräche mit Landratsamt und Polizei geführt und versucht, Kompromisse zu finden.
Nach langem Hin und Her hat er sich jetzt jedoch entschlossen, die Fahrt in diesem Jahr abzusagen. Der Grund sind die geforderten Sicherheitsauflagen.
„Ich habe gerade nochmal mit dem Landratsamt und der Polizei gesprochen“, berichtet Geyer am Mittwoch, als er seine Entscheidung gegenüber dem FT mitteilt. Es bleibe dabei, dass zusätzlich zu den 20 Helfern am Rand weitere 20 Personen neben den Fahrzeugen mitlaufen müssten. Darin liegt für ihn das Problem. „Wir werden es nicht machen, wegen dem Mitlaufen“, erklärt Geyer.
Laufende Ordner sind das Problem
Die Fahrer müssten sich schon auf ihren Vordermann und die Zuschauer konzentrieren, da könnten sie nicht auch noch auf Ordner neben sich achten. Zudem würden die Freiwilligen, die sich als Ordner engagieren, nicht mitlaufen wollen. Am Rand sei die Kommunikation besser. Durch das ewige Hin und Her mit den Auflagen seien sowieso schon etliche Helfer abgesprungen. Laut Geyer mit der Begründung: „Wir machen diesen bürokratischen Blödsinn nicht mehr mit.“
Die Absage der Lichterfahrt ist Geyer nicht leicht gefallen. Doch sogar Gespräche mit Innenminister Joachim Herrmann oder dem Beauftragten für Bürokratieabbau Walter Nussel hatten nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Vor allem für die Kinder sei es schade, die sich immer sehr über die geschmückten Traktoren gefreut hätten, sagt Geyer.
Lichterfahrt seit Beginn der Pandemie
Die „Lichterfahrt“ findet seit Dezember 2020 statt. Die Idee war während der Pandemie entstanden und sollte ein Lichtblick in Zeiten der Coronaeinschränkungen sein. Wegen der großen Beliebtheit wurde die Aktion auch in den Jahren danach weitergeführt.
So rollte Jahr für Jahr im Dezember ein langer Zug aus riesigen Landmaschinen durch Höchstadt. Unzählige Zuschauer versammelten sich am Rand der Strecke, um die mit kunterbunten Lichterketten, Sternen und Weihnachtsmännern geschmückten Fahrzeuge zu bestaunen.
Schon 2022 sorgten höhere Auflagen dafür, dass die Lichterfahrt auf der Kippe stand. Jahr für Jahr würden die Anforderungen steigen, berichtet Geyer. Kurzfristig konnte er im vergangenen Jahr 40 Ordner auftreiben und somit die Veranstaltung retten. Insgesamt rund 70 Fahrzeuge fuhren weihnachtlich geschmückt durch die Stadt und erfreuten die Zuschauer.
Entscheidung nicht nachvollziehbar
In diesem Jahr hätte Geyer mit einer ähnlichen Zahl an Teilnehmern gerechnet. Nach drei Jahren bleiben die Traktoren in Höchstadt diesmal aber dunkel. Eine Entscheidung, die Landrat Alexander Tritthart überhaupt nicht nachvollziehen kann. Die Auflagen seien die Gleichen wie im vergangenen Jahr.
Auch 2022 seien 40 Ordner, davon 20 „mobil“ vorgeschrieben gewesen. Laut Geyer habe man diese Auflage damals als „mobil“ im Sinne von flexibel positionierbar ausgelegt. Ordner seien im vergangenen Jahr keine mitgelaufen und niemand habe das angekreidet.
Kinder rennen zwischen Traktoren
Das lässt Tritthart nicht gelten. Schließlich wolle man Geyer als Veranstalter auch vor möglichen Folgen schützen, wenn er die Auflagen nicht einhalte und etwas passiere. „Ich war letztes Jahr persönlich dort und hab mir das angeschaut in Höchstadt“, erzählt der Landrat. Er habe Kinder und Eltern gesehen, die im Dunkeln einfach zwischen den Traktoren auf die Straße gerannt seien. Zudem seien beim Stadttor, wo es besonders eng sei, die meisten Menschen gestanden.
Deswegen sind die Auflagen aus seiner Sicht vollkommen in Ordnung und sogar ein Entgegenkommen. In Bamberg – wo die Lichterfahrt auch kürzlich abgesagt wurde – wären sogar zwei Ordner neben jedem Fahrzeug nötig gewesen. Damit seien die Auflagen in Höchstadt deutlich niedriger als in Bamberg.
Das Argument, dass die Traktorfahrer die Ordner neben den großen Rädern übersehen könnten und dadurch eher eine Gefährdung entstehe, sieht der Landrat kritisch. Genau aus diesem Grund müsse man erst recht Kinder davon abhalten, zwischen die Fahrzeuge zu rennen. Die Lichterfahrt sei eine tolle Veranstaltung, betont Tritthart und wiederholt, dass er die Absage nicht nachvollziehen könne.
Organisator plant alternative Aktion
Ralf Geyer überlegt währenddessen, was er als Alternative für die ausgefallene Lichterfahrt am 16. Dezember organisieren könnte. „Wir werden schon so eine Art Demo machen“ erklärt er. In den kommenden Tagen wolle er sich mit anderen Beteiligten austauschen. Vielleicht wolle man mit Leiterwagen oder Tretbulldogs durch die Stadt ziehen, überlegt er.
„Es muss etwas gezeigt werden, es kann nicht sein, dass man alles verbietet“, sagt Geyer. Wenn alles nach Vorschrift ginge, dann könnten vermutlich auch viele Feste oder Johannifeuer nicht mehr stattfinden.
Ganz auf geschmückte Fahrzeuge müssen er und Traktor-Fans indes nicht verzichten. Am 15. Dezember ist Lichterfahrt in Neustadt, am 17. Dezember rollen die Landmaschinen durch den Landkreis Fürth. Bei beiden will sich Geyer auch selbst beteiligen.
Ob es im kommenden Jahr Chancen auf eine Lichterfahrt in Höchstadt gibt, bleibt erst einmal offen.
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