Aufs Wasser soll keiner ausweichen. Aber ans Wasser. Fahrräder statt Autos. Strampeln statt Stau, Freiluft statt Klimaanlage, ökologisch, gesund, nachhaltig. Die Rede ist von Forchheims Pendlern.
Metropolradweg zwischen Bamberg und Nürnberg
Um jenen den Umstieg auf das Fahrrad ganzjährig schmackhaft zu machen, braucht es neben Motivationsreden und wetterfester Kleidung vor allem eins: gut ausgebaute Wege. Der geplante Metropolradweg zwischen Nürnberg und Bamberg soll genau das leisten.
Wann es soweit sein könnte, ist noch offen. Zumindest liegen, das betonen die Verantwortlichen gerne, aktuell mehr Meilensteine hinter als Stolpersteine vor dem Projekt.
Realisierbarkeitsstudie: Bis Ende 2022 fertig
Ende 2022 soll die Realisierbarkeitsstudie fertig sein, welche die Anforderungen an die fast 68 Kilometer lange Strecke zusammenträgt, Problemstellen aufzeigt und Lösungsvorschläge vorstellt.
Erst dann kann die Trasse gewählt, gezielte Pläne erstellt, Kosten geschätzt und Fördergelder beantragt werden. Klingt kompliziert. Ist es auch.
Interkommunaler Fluch und Segen
Dass sich an dem Metropolradweg drei Landkreise (Forchheim, Bamberg, Erlangen-Höchstadt), fünf Städte (Bamberg, Forchheim, Erlangen, Fürth, Nürnberg) und acht Gemeinden (Strullendorf, Hirschaid, Altendorf, Eggolsheim, Hallerndorf, Hausen, Baiersdorf, Möhrendorf) beteiligen, ist zum einen Segen für das Jahrhundertprojekt. Und könnte zum Fluch werden.
Radweg: Hauptsächlich am Main-Donau-Kanal
Doch der Reihe nach. Was ist genau geplant? Vorrangig an der Westseite des Main-Donau-Kanals soll eine sogenannte Radhauptwegverbindung entstehen. Diese soll hauptsächlich am Wasser entlang von Nürnberg bis Bamberg führen.
Die Strecke soll auf circa 85 Prozent der Länge asphaltiert und breit genug angelegt sein, dass es zu weniger Konflikten zwischen Radlern untereinander und etwa mit Fußgängern kommen kann.
Das nächste Stichwort lautet „komfortabel“ und meint Winterdienst, Reinigung, Beschilderungen, ausreichend Beleuchtung und den Platz, notfalls Rettungsfahrzeuge aufzunehmen.
Annette Prechtel: „Große Chance“
Forchheims Bürgermeisterin und Rad-Enthusiastin Annette Prechtel (FGL) wirbt sehr für den Metropolradweg. Sie sieht vor allem in der „Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg“ eine große Chance.
Denn obwohl, oder vielmehr weil, die Kommunen selbst viel mitreden dürfen, glaubt Prechtel an einen „Wettbewerb zwischen den Rathäusern“. Jeder wolle sein Bestes tun, um den Metropolradweg zu gestalten. Schöner, schneller, asphaltierter.
Mehr als 30.000 Auspendler
Dass ein solcher Radweg ein Gewinn für den Landkreis, vor allem für die Kanalanrainer Hausen, Forchheim, Hallerndorf und Eggolsheim ist, liegt auf der Hand. Mehr als 30.000 Menschen verlassen täglich den Landkreis Forchheim, um zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen.
Die liegt meistens in den Nachbarkreisen Bamberg und Erlangen-Höchstadt. Hinzu kommen mehr als 13.000 Einpendler und 20.000 Menschen, die innerhalb der Landkreisgrenzen zur Arbeit fahren. Manche nehmen den Bus, andere den Zug, die meisten aber das Auto.
Beitrag für Umweltschutz
„Wenn wir so viele Alltagsfahrer wie möglich, also zum Beispiel Berufspendler, aufs Rad bekämen, wäre das ein wichtiger Faktor für den Umweltschutz“, sagt Prechtel. Alleine für die Forchheimer Streckenabschnitte rechnet die Projektgruppe mit durchschnittlich 800 bis 1100 Radfahrten. Am Tag.
Gefahr: „Jahrelange Hängepartien“?
Und doch birgt ein Projekt, das von so vielen Akteuren bestimmt wird, die Gefahr, zu oft und zu lange im Sand stecken zu bleiben. CSU-Stadtrat Reinhold Otzelberger fürchtet gar „jahrelange Hängepartien“.
Das Gros der Stadtpolitiker aber blickt einer relativ raschen Realisierung zuversichtlich entgegen. Bis wann genau? Unklar. „Aber lediglich von Zukunftsmusik zu sprechen, wäre mir zu wenig“, sagt Annette Prechtel.
Kanal: Radwege schon erschlossen
Die gute Nachricht: Viele Streckenkilometer entlang des Kanals sind bereits erschlossen, Radwege mal besser, mal schlecht schon angelegt. Dort müssten lediglich kleinere Stücke asphaltiert und Verkehrsführungen neu gedacht werden.
Problemstellen: Neuses und Yachthafen
Aber einige Problemstellungen bereiten den Forchheimern noch Kopfzerbrechen. Etwa die Kanalquerung bei Neuses, wo über den Bau einer neuen Brücke nachgedacht wird. Genauso gibt es beim Yachthafen an der Sportinsel eine Engstelle, sogar mit Unfallschwerpunkt.
Neue Brücke in Forchheim?
Auch hier denken die Planer über einen Brückenneubau nach. Eine solche würde von etwaigen Radwegförderungen allerdings nicht tangiert. Forchheim müsste selbst bezahlen. Ja oder Nein, Kosten, Dauer: alles ebenfalls noch unklar.
Dass der geplante Metropolradweg für die gesamte Region und insbesondere für die Forchheimer Kommunen ein Gewinn wäre, bestreitet in Stadtverwaltung und den politischen Gremien kaum einer. Ein konkretes „Wie“ aber rollt noch nicht heran.
Finanzierung und andere offene Fragen
Zu viele Probleme müssen noch gelöst und offene Fragen geklärt werden. Letztlich auch die der Finanzierung vonseiten der Stadt. Prechtel: „Umsonst werden wir diesen Radweg nicht bekommen. Aber er muss es uns wert sein.“
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