Für viele Stadtbewohner ist die Fränkische Schweiz das praktische Naherholungsgebiet direkt vor der Haustür. Passt das Wetter, einfach kurz ins Auto setzen, los düsen, parken und mit Kind und Kegel wandern in der herrlichen Natur. Wer das in diesen Tagen macht, wird im Markt Wiesenttal von neuen Schildern überrascht. „Parkster – Parken mit App“ ist da zu lesen. Die Gemeinde verlangt also Geld für das Abstellen des Autos. Was steckt dahinter?
„Wenn man woanders hinfährt, ist das gang und gäbe. Wir sind froh, dass unsere Fränkische Schweiz so gut besucht ist. Neuer Schotter für die Parkplätze, Wege pflegen, Müll entsorgen. Das alles ist mit finanziellem und personellem Aufwand verbunden“, begründet Bürgermeister Marco Trautner (FW). Die erste Stunde kann umsonst geparkt werden, ab der zweiten angefangenen Stunde kostet das Parken im Markt Wiesenttal nun 50 Cent. Eine Tageskarte kostet vier Euro.
Begrenzt auf ein Jahr
Die Arbeit mit der Park-App ist ein Pilotprojekt. Zunächst begrenzt auf ein Jahr. Bezahlt werden kann direkt per App oder, wer kein Handy hat, per Überweisung an den Markt Wiesenttal. „Wir sind quasi Vorreiter. Vielleicht schließen sich ja noch andere Gemeinden an“, hofft Trautner.
Matthew R. Back (46), Gründer der Facebook-Gruppe „Wanderfreunde Fränkische Schweiz“, ist jedes Wochenende in der Fränkischen Schweiz wandern. Genutzt hat er die neue App bereits. „Seit Corona merkt man, dass viel mehr Leute unterwegs sind.“
Das konnte er auch auf Facebook feststellen. Waren vor der Pandemie noch 400 Mitglieder in seiner Gruppe, sind es in den vergangenen zwei Jahren 6000 geworden. Die Nachfrage nach Ausflugszielen in der Heimat ist groß. Das neue Parksystem findet Back gut. „Es gibt an so vielen Orten so viele Probleme mit dem Parken, zum Beispiel in Weißenohe auf dem Weg zur Lillachquelle.“
Was machen ältere Leute ohne Handy?
Back sind die neuen Schilder vergangenes Wochenende das erste Mal bei einer seiner Wanderungen aufgefallen. Er teilte ein Foto davon in der Wanderfreunde-Gruppe, das ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrief. „Sauerei. Was machen ältere Leute ohne Handy? Die Bankverbindung aufschreiben? Lächerlich“, schreibt ein Mitglied der Gruppe. „Überall wollen die Geld. Wir sind einfach wo anders hin“, schreibt ein weiteres Mitglied.
Ein Anwohner sieht das dagegen ganz anders: „Es ist kein Wunder, dass die Gemeinden Parkgebühren erheben, wenn man sieht, wie die Natur vermüllt wird. Denkt mal daran, wie die Menschen uns überrannt haben. Ich habe nix gegen Touristen, aber das Benehmen von manchen ist unter aller Sau. Wegen mir können die Gebühren das Vierfache betragen.“
Ein weiterer Wanderer in der Facebook-Gruppe sieht das ganz ähnlich: „Generell finde ich es nicht schlimm, für einen guten Wanderparkplatz, der ja auch Grund bedarf, etwas Geld zu zahlen. Über die Variante mit der App freue ich mich persönlich, auch wenn ich Alternativen für nicht technisch versierte Leute sinnvoll fände. Auch die langen Touren um Streitberg/Muggendorf/Neudorf schafft man eigentlich alle unter fünf Stunden und zahlt dann für einen Parkplatz zwei bis drei Euro. Ist doch völlig in Ordnung.“
Parkplätze werden regelmäßig kontrolliert
Ein Parkautomat wurde ganz bewusst nicht installiert. Nicht an allen Parkplätzen gäbe es laut Trautner Strom. „Außerdem wollen wir Vandalismus vermeiden.“ Über die genauen Kontrollmechanismen wollte der Bürgermeister keine Auskünfte geben. Nur so viel: „Es wird von Seiten der Gemeinde kontrolliert.“
Ob er Sorge habe, dass Leute jetzt erst recht wild auf geschützten Naturwegen parken? Nein, sagt Trautner. Dem hätte man schon vorgegriffen, indem man bereits vergangenes Jahr entsprechende Schilder aufgestellt habe, die das Nutzen von landwirtschaftlich genutzten Wegen verbieten.
Nimmt das Wildparken jetzt zu?
Die Gefahr des Wildparkens als Folge der neuen Park-Situation sieht aber Naturparkrangerin Christine Berner. „Das muss wirklich gut kommuniziert werden, dass diese Schleichwege nicht genutzt werden dürfen.“ Die Einführung der App befürwortet sie: „Jede Art von Besucherkontrolle ist besser als keine.“
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