0
Selbstversuch im Spätsommer
Ein Monat im Fahrradsattel zwischen Forchheim und Bamberg
Radpendeln Bamberg nach Forchheim_1Forchheim & Fränkische Schweiz
Herausforderung angenommen: Während seiner Volontariatsstation in Forchheim ist Julian Megerle von Bamberg nach Forchheim geradelt. // Julian Megerle
Forchheim – Immer am Kanal entlang: Redaktionsvolontär ist einen guten Monat von Bamberg nach Forchheim per Rad gependelt. Eine Erfahrung zwischen Mückenstichen, Staub und „Golden Hour".

Was ist schöner als die Landschaft im Regnitztal? Richtig: Wenn die Fahrt durch diesen Teil Oberfrankens auf dem Rad passiert. Das ist das Fazit des Autors nach fünf Wochen Pendeln auf dem Zweirad zwischen Bamberg und Forchheim. Die Reaktionen auf den Versuch lagen zwischen Bewunderung und Verwunderung: „Das ist aber eine ganz schöne Ecke weg", meinte ein geschätzter FT-Kollege Anfang des Sommers. Ob das nicht zu viel wird, jeden Tag vor und nach der Arbeit 28 Kilometer hin und genauso viel zurückzuradeln? Heute ist klar: Ja, es ist weit weg. Aber es hat sich gelohnt. In vielerlei Hinsicht. 

Kurze Fakten zur Einordnung des Testradlers: 33 Jahre alt, Radlfan, nicht nur im Alltag, sondern auch im Urlaub. Teils ging es bis nach Wien und Prag. Er ist mit einem 12-Gang Tourenrad und gescheitem Reifenprofil bewaffnet. Die Schläuche sind mit 4,5 Bar gut gefüllt für die größtenteils asphaltierte Strecke entlang des Metropplradweges Richtung Nürnberg. Die Handyapp des Vertrauens sagt: Eine Stunde und 38 Minuten sollte die Strecke mit durchschnittlicher Fitness dauern. Na dann mal los! 

Der Artikel im Überblick:

Von Bamberg geht es zum Main-Donau-Kanal, mit dem Herzstück des Metropolradweges. Auf der Strecke passieren Radler Strullendorf, durchfahren Hirschaid, lassen Altendorf links liegen, überqueren bei Neuses an der Regnitz das Gewässer, fahren vorbei an Pautzfeld und betreten bei Buckenhofen das Tor zur Königsstadt. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_2Forchheim & Fränkische Schweiz
Ab zum Kanal: Der Beginn der Tour nach dem Ortsschild von Bamberg. // Julian Megerle

Entspannt radeln am Kanal 

Die Rad-App verrät aber auch, dass ein guter Teil der Strecke, immerhin fast elf Kilometer, Fahrradweg ist. Fast zwei Kilometer sind festgefahrener Kies. Nicht die schlechtesten Bedingungen zum Pendeln. Es sind nur rund 40 Höhenmeter, die ein Radpendler überwinden muss. Entspannte Verhältnisse also. Zur Entspannung tragen auch immer wieder Bänke wie im folgenden Bild zwischen Bamberg und Strullendorf bei. Für eine Pause ist aber keine Zeit. Jeden Morgen ist Redaktionssitzung, die Themen des Tages müssen besprochen werden. Heißt also: Einen Zahn zulegen. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_3Forchheim & Fränkische Schweiz
Die erste Raststätte am Main-Donau-Kanal. Es fehlen nur noch die Automaten mit kühlen Getränken. // Julian Megerle

Geschwindigkeiten an die 30 Kilometer pro Stunde sind kein Ding der Unmöglichkeit. Das liegt auch an der Kanalroute, die durch weniger Ortschaft führt. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_4Forchheim & Fränkische Schweiz
Die ersten acht Kilometer sind geschafft. // Julian Megerle

Zwischen Biogas-Anlage und mobilem Hühnerstall bei Strullendorf radelt es sich etwas holpriger auf den Rasensteinen. Aber sie bremsen nicht wirklich aus. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_6Forchheim & Fränkische Schweiz
Rasensteine voraus: Ein kurzes Stück Weg bei Strullendorf ist etwas ruppiger. // Julian Megerle

Ausbaubedarf beim Metropolradweg 

Vorbei beim E-Werk in der Nähe von Pettstadt führt die lange Gerade nach Hirschaid, größtenteils mit grünem Blätterdach über dem Kopf. Ein echter Bonus in diesem sehr heißen (Spät)-Sommer. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_7Forchheim & Fränkische Schweiz
Warum wurde hier nie an eine Überdachung gedacht? Rastplatz mit Reparatursäule fürs Radl bei Hirschaid. // Julian Megerle

Umso mehr fragt sich der Testfahrer, warum die Fahrradreparatur-Station mit Radbügeln und Sitzplätzen in Hirschaid keine Überdachung hat gegen die Augustsonne. Es bleibt abzuwarten, wie der Landkreis Bamberg mit den Anrainerkommunen den Metropolradweg ausbauen will. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_9Forchheim & Fränkische Schweiz
Der Herbst naht. // Julian Megerle

Im Laufe der Zeit von Anfang August bis Ende der ersten Septemberwoche hat sich trotz anhaltender Hitze einiges geändert. Waren morgens und abends die Touren oft nur heiß und recht windstill, wirbelten gegen Ende die aufkommenden Böen nicht nur den Staub von den Feldern, sondern auch Laub und Äste durch die Gegend.  Bei den Fahrten nach Feierabend kamen zunehmend mehr Mückenschwärme zusammen, welche die Strecke an den Kanalpassagen belagerten und gegen das Fahrrad und den Radler „klatschten“. Das alles bei schönstem Sonnenuntergang. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_10Forchheim & Fränkische Schweiz
Scharfes Eck: Am Rinniggraben in Neuses an der Regnitz liegt diese schwer einsehbare Linkskurve. Hier wäre ein Spiegel von Vorteil, um brenzlige Situationen zu vermeiden. // Julian Megerle

Engstellen, Schotter und scharfe Ecken

Auf der Tour gibt es immer wieder Stellen, die Zeit kosten. Zum Beispiel eine Links/Rechtskurve bei Neuses an der Regnitz, die kaum einsehbar ist. Für alle, die ihre Wünsche ans Radnetz in den Landkreisen Forchheim und Bamberg haben: In diesem Jahr fragt der Radverkehrsclub ADFC erneut ab 1. September bis 30. November 2024 das „Radklima“ ab.

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_11Forchheim & Fränkische Schweiz
Zeitverlust garantiert: Der schmale Weg über die Brücke nach Pautzfeld lässt bei Gegenverkehr nur das Absteigen zu. // Julian Megerle

Und auch an der Brücke gen Pautzfeld wünscht sich der Alltagsradler eine breitere Fahrbahn – fürs Rad und die Fußgänger, damit man nicht absteigen muss. 150 Meter zu schieben ist zwar zumutbar, aber kostet wieder Zeit. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_12Forchheim & Fränkische Schweiz
Unter der Brücke bei Pautzfeld: Wenig Platz und dazu noch Schotter machen diese Passage unangenehm. Bei Regen entstehen schnell Pfützen. // Julian Megerle

Unterhalb der Brücke wird es wieder eng und steinig. Hier wäre Bedarf für richtigen Asphalt, der auch den Pfützen im Regenfall den Kampf ansagt. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_13Forchheim & Fränkische Schweiz
An der Allee wirds eng: Der Radweg parallel zur Kreisstraße zwischen Pautzfeld und Buckenhofen ist augenscheinlich schmaler als die gängigen 2,5 Meter Breite. // Julian Megerle

Nach einer gemütlichen Fahrt entlang der stetig wachsenden Maisfelder – zwar auf Kies, aber ohne Steigungen – wirds enger. Kurz vor dem Campingplatz bei Forchheim ist ein straßenbegleitender Radweg. Allerdings bietet dieser gerade so genug Platz, dass Fahrradfahrer mit Abbremsen aneinander vorbeikommen. Das ist mit vollgepackten Rädern sehr ungünstig.  Übrigens: Für die Testfahrt ist eine Seitentasche mit Laptop, Verpflegung und Wasser an Bord. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_14Forchheim & Fränkische Schweiz
Am Wehr bei Buckenhofen werden Radler spät erkannt, wenn sie von der gegenüberliegenden Seite hoch radeln. // Julian Megerle

Apropos Wasser: Am Wehr bei Buckenhofen stürzt die Regnitz nicht nur schön flussabwärts. Direkt nebenan führt auch die Radstrecke sehr steil auf Höhe des Wehrs. Weder Radler noch Autofahrer können einander hier gut erkennen. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_15Forchheim & Fränkische Schweiz
Zum Glück ein seltener Begleiter auf der Tour: Bei Buckenhofen wölben Baumwurzeln den Belag leicht nach oben. // Julian Megerle

Umso besser zu erkennen sind ein paar Baumwurzeln, die sich gut 50 Meter weiter unter der Fahrbahndecke durchschieben. Die Bodenwellen sind gerade noch hinnehmbar. Die Fahrt vorbei an der Forchheimer Innenstadt parallel zur Adenauerallee verläuft ohne größere Probleme. Natürlich bleibt der Wunsch, dass die Ampelschaltungen mehr auf Radler abgestimmt werden. 

Radpendeln Bamberg nach Forchheim_16Forchheim & Fränkische Schweiz
Die letzte Hürde vor der Ankunft in der Lokalredaktion: Die Kreuzung vor der Bahnüberquerung an der Bayreuther Straße. // Julian Megerle

Radpendeln nach Forchheim: Das Fazit 

Wie geeignet ist also das Pendeln per Rad von Bamberg nach Forchheim? Die Zeiten variieren auf der langen Tour tatsächlich enorm. Zu Beginn fährt es sich nicht so schnell, weil der Weg noch unbekannt ist, 1:22 Stunde sagt die Navigation. Allerdings geht das mit Erfahrung und dem Training auch schneller bis zur Bestzeit 1 Stunde und acht Minuten. Oder manchmal zieht es bis 1:26 mit nervigen Windböen. Radpendler müssen also definitiv Zeit einplanen. Rücken und Knie schmerzen kaum. Es lohnt sich unter dem Strich – erst recht, wenn die vielen gesparten Euros für die Tankrechnung nun in andere Dinge fließen können. 

Lesen Sie auch:

 

 

 

Inhalt teilen
  • kopiert!