Was ist schöner als die Landschaft im Regnitztal? Richtig: Wenn die Fahrt durch diesen Teil Oberfrankens auf dem Rad passiert. Das ist das Fazit des Autors nach fünf Wochen Pendeln auf dem Zweirad zwischen Bamberg und Forchheim. Die Reaktionen auf den Versuch lagen zwischen Bewunderung und Verwunderung: „Das ist aber eine ganz schöne Ecke weg", meinte ein geschätzter FT-Kollege Anfang des Sommers. Ob das nicht zu viel wird, jeden Tag vor und nach der Arbeit 28 Kilometer hin und genauso viel zurückzuradeln? Heute ist klar: Ja, es ist weit weg. Aber es hat sich gelohnt. In vielerlei Hinsicht.
Kurze Fakten zur Einordnung des Testradlers: 33 Jahre alt, Radlfan, nicht nur im Alltag, sondern auch im Urlaub. Teils ging es bis nach Wien und Prag. Er ist mit einem 12-Gang Tourenrad und gescheitem Reifenprofil bewaffnet. Die Schläuche sind mit 4,5 Bar gut gefüllt für die größtenteils asphaltierte Strecke entlang des Metropplradweges Richtung Nürnberg. Die Handyapp des Vertrauens sagt: Eine Stunde und 38 Minuten sollte die Strecke mit durchschnittlicher Fitness dauern. Na dann mal los!
Der Artikel im Überblick:
- Entspannt radeln am Kanal
- Ausbaubedarf beim Metropolradweg
- Engstellen, Schotter und scharfe Ecken
- Radpendeln nach Forchheim: Das Fazit
Von Bamberg geht es zum Main-Donau-Kanal, mit dem Herzstück des Metropolradweges. Auf der Strecke passieren Radler Strullendorf, durchfahren Hirschaid, lassen Altendorf links liegen, überqueren bei Neuses an der Regnitz das Gewässer, fahren vorbei an Pautzfeld und betreten bei Buckenhofen das Tor zur Königsstadt.
Entspannt radeln am Kanal
Die Rad-App verrät aber auch, dass ein guter Teil der Strecke, immerhin fast elf Kilometer, Fahrradweg ist. Fast zwei Kilometer sind festgefahrener Kies. Nicht die schlechtesten Bedingungen zum Pendeln. Es sind nur rund 40 Höhenmeter, die ein Radpendler überwinden muss. Entspannte Verhältnisse also. Zur Entspannung tragen auch immer wieder Bänke wie im folgenden Bild zwischen Bamberg und Strullendorf bei. Für eine Pause ist aber keine Zeit. Jeden Morgen ist Redaktionssitzung, die Themen des Tages müssen besprochen werden. Heißt also: Einen Zahn zulegen.
Geschwindigkeiten an die 30 Kilometer pro Stunde sind kein Ding der Unmöglichkeit. Das liegt auch an der Kanalroute, die durch weniger Ortschaft führt.
Zwischen Biogas-Anlage und mobilem Hühnerstall bei Strullendorf radelt es sich etwas holpriger auf den Rasensteinen. Aber sie bremsen nicht wirklich aus.
Ausbaubedarf beim Metropolradweg
Vorbei beim E-Werk in der Nähe von Pettstadt führt die lange Gerade nach Hirschaid, größtenteils mit grünem Blätterdach über dem Kopf. Ein echter Bonus in diesem sehr heißen (Spät)-Sommer.
Umso mehr fragt sich der Testfahrer, warum die Fahrradreparatur-Station mit Radbügeln und Sitzplätzen in Hirschaid keine Überdachung hat gegen die Augustsonne. Es bleibt abzuwarten, wie der Landkreis Bamberg mit den Anrainerkommunen den Metropolradweg ausbauen will.
Im Laufe der Zeit von Anfang August bis Ende der ersten Septemberwoche hat sich trotz anhaltender Hitze einiges geändert. Waren morgens und abends die Touren oft nur heiß und recht windstill, wirbelten gegen Ende die aufkommenden Böen nicht nur den Staub von den Feldern, sondern auch Laub und Äste durch die Gegend. Bei den Fahrten nach Feierabend kamen zunehmend mehr Mückenschwärme zusammen, welche die Strecke an den Kanalpassagen belagerten und gegen das Fahrrad und den Radler „klatschten“. Das alles bei schönstem Sonnenuntergang.
Engstellen, Schotter und scharfe Ecken
Auf der Tour gibt es immer wieder Stellen, die Zeit kosten. Zum Beispiel eine Links/Rechtskurve bei Neuses an der Regnitz, die kaum einsehbar ist. Für alle, die ihre Wünsche ans Radnetz in den Landkreisen Forchheim und Bamberg haben: In diesem Jahr fragt der Radverkehrsclub ADFC erneut ab 1. September bis 30. November 2024 das „Radklima“ ab.
Und auch an der Brücke gen Pautzfeld wünscht sich der Alltagsradler eine breitere Fahrbahn – fürs Rad und die Fußgänger, damit man nicht absteigen muss. 150 Meter zu schieben ist zwar zumutbar, aber kostet wieder Zeit.
Unterhalb der Brücke wird es wieder eng und steinig. Hier wäre Bedarf für richtigen Asphalt, der auch den Pfützen im Regenfall den Kampf ansagt.
Nach einer gemütlichen Fahrt entlang der stetig wachsenden Maisfelder – zwar auf Kies, aber ohne Steigungen – wirds enger. Kurz vor dem Campingplatz bei Forchheim ist ein straßenbegleitender Radweg. Allerdings bietet dieser gerade so genug Platz, dass Fahrradfahrer mit Abbremsen aneinander vorbeikommen. Das ist mit vollgepackten Rädern sehr ungünstig. Übrigens: Für die Testfahrt ist eine Seitentasche mit Laptop, Verpflegung und Wasser an Bord.
Apropos Wasser: Am Wehr bei Buckenhofen stürzt die Regnitz nicht nur schön flussabwärts. Direkt nebenan führt auch die Radstrecke sehr steil auf Höhe des Wehrs. Weder Radler noch Autofahrer können einander hier gut erkennen.
Umso besser zu erkennen sind ein paar Baumwurzeln, die sich gut 50 Meter weiter unter der Fahrbahndecke durchschieben. Die Bodenwellen sind gerade noch hinnehmbar. Die Fahrt vorbei an der Forchheimer Innenstadt parallel zur Adenauerallee verläuft ohne größere Probleme. Natürlich bleibt der Wunsch, dass die Ampelschaltungen mehr auf Radler abgestimmt werden.
Radpendeln nach Forchheim: Das Fazit
Wie geeignet ist also das Pendeln per Rad von Bamberg nach Forchheim? Die Zeiten variieren auf der langen Tour tatsächlich enorm. Zu Beginn fährt es sich nicht so schnell, weil der Weg noch unbekannt ist, 1:22 Stunde sagt die Navigation. Allerdings geht das mit Erfahrung und dem Training auch schneller bis zur Bestzeit 1 Stunde und acht Minuten. Oder manchmal zieht es bis 1:26 mit nervigen Windböen. Radpendler müssen also definitiv Zeit einplanen. Rücken und Knie schmerzen kaum. Es lohnt sich unter dem Strich – erst recht, wenn die vielen gesparten Euros für die Tankrechnung nun in andere Dinge fließen können.
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