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Ende für Traditionsgeschäft
Ebermannstadt: Warum Textil Winkler zum Jahresende schließt
Textil Winkler EbermannstadtForchheim & Fränkische Schweiz
Textil Winkler Ebermannstadt prägte viele Jahre den Marktplatz von Ebermannstadt. // Foto: Martin Landeck
Signet des Fränkischen Tags von Martin Landeck
Ebermannstadt – Mit Textil Winkler verliert Ebermannstadt das nächste Traditionsgeschäft. Warum Cäcilie Winkler sich dazu entschieden hat und wie es mit der Post und Reinigung weiter geht.

Der nächste Paukenschlag für Ebermannstadt: Textil Winkler schließt zum Ende des Jahres. Nachdem Filis-Haushaltstruhe geschlossen hat, folgt nun in Kürze auch Textil Winkler. Damit verliert die Stadt wieder ein wertvolles Geschäft mit langer Tradition. Noch im Mai 2024 hieß es, dass das Geschäft erhalten bliebe.

Doch seitdem habe sich einiges verändert, erzählt Cäcilie Winkler. Damals habe ihr Mann Wolfgang noch gelebt und die Welt sei für sie in Ordnung gewesen. Aber das sollte sich schlagartig ändern. Unerwartet war ihr Mann im Juni letzten Jahres verstorben. Damit änderte sich alles für Cäcilie Winkler. Ein herber Schicksalsschlag, denn ihr Mann unterstützte sie in allen Belangen des Geschäfts. Nun will sie ihr Leben neu ordnen.

Ebermannstadt: Poststelle und der Reinigungsservice bleiben erhalten

Beim Personal löste die Nachricht von der Schließung zunächst Besorgnis aus. Doch die Verkäuferinnen können vorerst ihre Arbeitsplätze behalten. Denn – das ist die gute Nachricht – die Poststelle und der Reinigungsservice werden bestehen bleiben. Ebenso wird Cäcilie  Winkler dort des Öfteren auch selbst anzutreffen sein. Denn zur Ruhe setzen will sich die 60-jährige Einzelhandelskauffrau noch nicht. Aber eine Weiterführung des Betriebs ist für sie alleine eine zu große Aufgabe.

Es ist ihr nach dem Tod ihres Mannes nur mit sehr viel Unterstützung ihrer Angestellten gelungen, den Geschäftsbetrieb fortzuführen. Das Personal sei ihr in dieser Zeit eine wertvolle Hilfe gewesen, so Winkler. „Wenn wir nicht so ein tolles Team wären, hätte ich das nicht geschafft.“, sagt sie.

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Textil Winkler Ebermannstadt: Ende des Jahres ist Schluss in Ebermannstadt. // Foto: Martin Landeck

Dabei betont sie, dass sie ihr Geschäft mit Leidenschaft zur Mode geführt hat und es ihr schwerfiel, die Entscheidung zu treffen, den Laden zu schließen. Auch tue es ihr sehr leid für die Kunden, betont Winkler. Eine Kundin erzählt, dass sie manchmal, wenn sie auf dem Marktplatz auf einen Cappuccino einkehrte, den Leuten beim Stöbern vor den Schaufenstern zugesehen habe und daraufhin anschließend selbst spontan in das Geschäft gegangen sei. Dabei sei sie oft fündig geworden. Das wird ihr bald fehlen.

Gebäude am Marktplatz mit reicher Geschichte 

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Der Räumungsverkauf bei Textil Winkler hat bereits begonnen. // Foto: Martin Landeck

Das dominante Gebäude am Marktplatz hat, wie so viele andere, eine wechselvolle Geschichte. Ursprünglich wurde es als Verwaltungsgebäude erbaut. In ihm war früher das Landratsamt untergebracht. Nachdem die Behörde ausgezogen war, stand das Haus eine Weile leer. 1965 kaufte es Erwin Winkler und richtete im Erdgeschoss mit seinem Sohn Karl ein Lebensmittelgeschäft ein.

1977 gründete Erwin Winkler seine Firma Textil-Winkler, nachdem er als Schneider zuvor viele Jahre von Unterleinleiter aus mit einem Bus seine Waren mobil verkauft hatte. Dabei wurde im ersten Obergeschoss das Geschäft über dem Lebensmittelladen eingerichtet. 1993 zog der Lebensmittelladen aus und das Textilgeschäft wurde ins Erdgeschoss erweitert. Nun gab es auf zwei Etagen für jedermann nahezu alles, was man an Bekleidung benötigt.

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Textil Winkler bietet in Ebermannstadt eine breite Auswahl an Bekleidung. // Foto: Martin Landeck

Doch damit ist jetzt bald Schluss. Der Räumungsverkauf hat bereits begonnen. Das Obergeschoss, in dem sich die Wäsche-Abteilung befand, dient augenblicklich als Lager. Zuvor wurde die Verkaufsfläche bereits halbiert und eine Wohnung in der anderen Hälfte eingerichtet. 

Leidenschaft zum Geschäft bis zum Schluss

Als drittes Kind wuchs Cäcilie Winkler praktisch auf Geheiß des Vaters in das Geschäft hinein und lernte dort den Beruf der Einzelhandelskauffrau. Sie, die Tochter, musste das Geschäft später weiterführen. Dazu gehörte einige Jahre auch eine Filiale in Forchheim, die 2014 aus privaten Gründen wieder aufgegeben wurde. Die Leidenschaft zum Geschäft hat Cäcilie Winkler noch immer.

Sie sieht die Sache mit der Schließung recht pragmatisch. „Ein Bekannter sagte mir mal, dass er in seinem Geschäft so lange leidenschaftlich arbeiten wollte, bis er vor der Kundschaft umfällt. Doch dazu kam es nicht, weil die Kundschaft ausblieb, bevor er umfallen konnte.“ sagt sie. Außerdem sei sie in einem Alter, in dem sie noch etwas vom Leben haben könne.

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Die Poststelle und der Reinigungsservice sollen weiterhin erhalten bleiben. // Foto: Martin Landeck

Die 60-Jährige will sich von nun an mehr Zeit für sich selbst nehmen. „Ich werde sicherlich in der Postfiliale und dem Reinigungsservice weiterhin tätig bleiben. Doch wenn schönes Wetter angesagt ist, will ich mir auch spontan einen freien Tag zum Radfahren gönnen.“ sagt sie. Es soll eine Art Neuanfang für sie werden. Was aus dem frei werdenden Verkaufsraum wird, ist momentan noch nicht absehbar. Einen Leerstand erwartet sie nicht. Es hätten sich bereits Interessenten gemeldet.

Nicht die einzige Schließung in Ebermannstadt

Der Verlust eines weiteren Einzelhandelsgeschäfts verstärkt das Siechtum des Geschäftslebens in Ebermannstadt deutlich. Ebermannstadt erlebt den Niedergang, den schon viele Städte mitgemacht haben. Man muss gar nicht weit in die Vergangenheit zurückschauen, um sich daran zu erinnern, welche Läden es früher in Ebermannstadt gab.

Verschwunden sind unter anderem ein Obst- und Gemüseladen, mehrere Bäckereien und Metzgereien, ein Spielwarenladen, ein Elektrofachgeschäft, einige gastronomische Betriebe, eine Buchhandlung, ein Korbwarenlanden, eine Apotheke, zwei Tankstellen, ein Tabakladen, ein Geschäft für Bürobedarf, ein Plattenladen, ein Geschäft für Kinderbekleidung, eine Boutique für Herrenmode, eine Gärtnerei, drei Uhrmacher/Juweliere, ein Fotogeschäft, ein Laden mit Deko-Artikeln, zwei Bankfilialen und erst kürzlich das Haushaltswarengeschäft von Anneliese Fili. Dabei erhebt diese Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

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