Bei dem Thema Umweltschutz stecken viele Menschen ihr Herzblut in nachhaltige Projekte, damit andere zum Nach- und Umdenken angeregt werden. Wer umweltfreundlicher leben möchte, hat auch in Forchheim eine immer größere Auswahl an Einrichtungen und Angeboten. Etliche von diesen sind nur sehr kleine Veränderung und einfach umzusetzen, können aber doch einen Unterschied machen.
Der Secondhand-Modeladen „Ni.cocon“
Im Bereich der nachhaltigen Kleidung gibt es in Forchheim nun endliche eine Anlaufstelle. Seit Anfang August ist auch ein erster Secondhand-Modeladen in Forchheim. Das Geschäft „ni.cocon - soulstore“ wird von Nicola Müller-Neuhaus geführt. Sie möchte verhindern, dass noch gute Kleidungsstücke im Müll landen. Oft sind Altkleider-Container leider nicht so nachhaltig wie gedacht, da die Kleidung selten ein zweites Mal getragen wird. Daher bietet sie eine nachhaltige Alternative zu den üblichen Fast Fashion Brands und Läden wie TK Maxx oder Primark an. Gestartet wurde das Geschäft mit aussortierten und gespendeter Kleidung von Freunden und Familie.
Ihr „begehbarer Kleiderschrank“, wie sie ihren Laden nennt, bietet ein ständig wechselndes Sortiment an Secondhand-Mode. Das Konzept ist schon aus größeren Städten wie Bamberg, Erlagen oder Nürnberg bekannt. „Ich möchte ein Laden wie jeder andere sein und den Menschen zeigen, dass Secondhand-Mode attraktiv sein kann“, erzählt die Besitzerin.
So können die Sachen direkt vor Ort anprobiert und die Stoffe angefasst werden. „Das ist ein großer Vorteil zum Kauf im Internet“ erklärt Müller-Neuhaus. Sie kauft selbst seit Jahren nur Secondhand-Klamotten und griff aufgrund mangelnder Geschäfte in Forchheim auch auf das Internet zurück.
Deshalb entschloss sie sich, das Konzept auch nach Forchheim zu bringen. Es kann sowohl Kleidung eingekauft als auch aussortierte Klamotten vorbeigebracht werden. Diese werden dann in Augenschein genommen und auf Flecken oder Löcher überprüft. Artikel, die diese Prüfung gemeistert haben, werden dann auf Kommission im Laden verkauft und hängen drei bis vier Wochen im Geschäft. „Das ist das großartige am Secondhand-Shopping, man weiß nie, was einen erwartet und findet immer neue Sachen, an die man vorher nie gedacht hat“, erzählt Nicola Müller-Neuhaus.
Adresse: Hauptstraße 3, 91301 Forchheim
Defekte Dinge ins Reparatur-Café bringen
Was kaputt ist, kann ins Reparatur-Café gebracht werden. Hier kann auf zwei unterschiedliche Weisen Nachhaltigkeit betrieben werden: Einerseits kann man seine kaputten Elektrogeräte oder andere Haushaltsgegenstände dort reparieren lassen, andererseits kann man auch selbst als ehrenamtlicher Helfer Dinge reparieren. Die werden dort nämlich immer gebraucht.
Zudem werden auch Helfer gesucht, die kaputten Gegenstände entgegennehmen. „Insgesamt 20 Reparateure und Reparateurinnen arbeiten dort ehrenamtlich. Ja, wir haben auch Frauen“, betont Klara Günther. Die Gegenstände können zu den Öffnungszeiten des Cafés ins Zukunftshaus gebracht werden, dort wird dann ein Formular ausgefüllt und das Gerät wird zur Lagerung in ein Regal gestellt, bis sich jemand darum kümmern kann.
Falls Ersatzteile benötigt werden, werden diese bis zu einem Wert von zehn Euro bestellt. Bei höheren Beträgen wird Rücksprache gehalten, ob sich eine Reparatur noch lohnt. Die Reparatur im Café ist dabei kostenlos, es müssen lediglich die Preise für Ersatzteile selbst getragen werden. Insgesamt wurden schon 170 Geräte repariert und konnten so vor dem Müll gerettet werden.
„Wir möchten die Menschen animieren, weniger wegzuwerfen und alte Dinge zu reparieren“, erzählt Klara Günther. Gebracht werden kann alles, das nichts mit Wasser zu tun hat, selbst hineingetragen werden kann und kein Handy, Computer oder Fernseher ist. Die einzelnen Reparaturbedingungen lassen sich auch auf der Website nachlesen.
Adresse: Satteltorstraße 16, 91301 Forchheim
Einkaufen im Unverpacktladen
Nachhaltiges Einkaufen geht auch im Unverpacktladen „Unverpackt & More“ in Forchheim. „Selbst wer am Anfang viele Fragen hat, ist dann aber vom Konzept des Ladens überzeugt, denn wir sind ein Laden für alle“, erzählt Alexandra Lowig, die Besitzerin des Ladens. Das Einkaufserlebnis ist dennoch ein anderes als in Geschäften mit Verpackung. Die Kunden sollten eigene Gefäße mitbringen, aber können auch, falls sie diese vergessen haben, Gläser oder Recyclingtüten aus dem Laden nutzen.
„Viele fragen, ob sie auch Plastikdosen mitbringen dürfen, das Gefäß ist uns egal. Alles, was wiederverwendet wird, ist nachhaltig.“ erklärt die Besitzerin. Zuerst werden die Behälter gewogen und das Gewicht mit einem Stift darauf notiert. Danach können schon die Lebensmittel nach Wahl eingefüllt werden. Es gibt von Nudeln, Mehlen, Hülsenfrüchten und Müsli bis zu Süßigkeiten oder Waschmittel, Shampoos und Seifen alles ohne oder mit sehr wenig Verpackung.
Dies kann aus den Glasspendern selbst abgefüllt werden, gerne helfen aber auch Mitarbeitende vor Ort. Dabei kann eine flexible Menge genommen werden. „Viele probieren auch erst einmal eine kleine Menge oder stellen sich ihr Müsli aus den einzelnen Zutaten selbst zusammen“, berichtet Alexandra Lowig. An der Kasse wird das Gefäß dann nochmals gewogen, um die Menge und den Preis zu ermitteln. Die meisten der Produkte kommen aus der Gegend, sie werden regional angebaut und hergestellt.
Zudem haben sehr viele Artikel auch das Bio-Siegel. Die Produkte werden in Pfandeimern oder großen Papiertüten geliefert oder von der Besitzerin selbst abgeholt. Alexandra Lowig und ihr Mann Gerd testen alle Produkte selbst und besichtigen auch die Herstellungsorte. „Zur nachhaltigen Umstellung empfehle ich erst einmal einzelnen Produkte verpackungsfrei zu kaufen und das dann immer weiter auszuweiten. Sonst kann der Wechsel auf Plastikfrei schnell überfordern sein“, rät die Besitzerin.
Adresse: Apothekenstraße 14, 91301 Forchheim
Gärtnern im Stadtgarten
Im Stadtgarten in Forchheim werden seit 2015 auf einer städtischen Grünfläche Nutzpflanzen gepflanzt. Obst und Gemüse wird auf der roten Mauer angebaut. Dabei wird vorwiegend biologisches Saat- und Pflanzgut und keinerlei synthetische Pflanzenschutzmittel oder Dünger verwendet.
Die Ziele sind hierbei den Nutzpflanzenanbau in der Stadt zu verankern und den gemeinsamen Erfahrungsaustausch zu fördern. Zudem soll gezeigt werden, wie lange es dauert bis das Obst und Gemüse, dass man so im Supermarkt kaufen kann, wächst.
Des Weitern wird Wissen über das Gärtnern ausgetauscht. Die Arbeiten werden nach Absprache gemeinsam erledigt. Alle entscheiden zusammen, was angebaut wird und die Ernte wird zwischen allen Beteiligten aufgeteilt. Interessierte müssen keinerlei Erfahrungen mitbringen. Sie werden von Menschen mit Gärtenerfahrung unterstützt.
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