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Experte fürs Wetter
Bekannter Ebermannstadter erklärt den Klimawandel
FT-Wetterexperte Christian König betreibt in Ebermannstadt die Fachagentur Wetter-Klima-Umwelt.
FT-Wetterexperte Christian König betreibt in Ebermannstadt die Fachagentur Wetter-Klima-Umwelt. // Foto: Andreas Wolfger/ FT-Archiv
Ebermannstadt – Bereits als Kind hat Christian König angefangen, sich für Wetterphänomene und das Klima zu interessieren. Heute ist es seine Lebensaufgabe, komplexen Zusammenhänge verständlich zu machen.

Wenn Christian König in den Himmel schaut, zaubert das unweigerlich ein Lächeln auf sein Gesicht. Seine Augen leuchten vor geradezu kindlich wirkender Freude. Über seinem Kopf ziehen Wolken in unterschiedlichen Höhen aneinander vorbei und bilden dabei ganz eigene Formen. Beim genauen Hinschauen schillert eine von ihnen am Rand perlmuttfarben. „Das ist eine sogenannte irisierende Wolke“, erklärt König. So nennt man es, wenn sich das Licht der Sonne in den feinen Wassertröpfchen der Wolke breche.

„Eigentlich sind Wolken ja nichts anderes als Nebel, der sich weit über unseren Köpfen bildet“, berichtet der Wetterexperte. Dennoch fasziniere ihn dieses Schauspiel jeden Tag aufs Neue. Seine Frau rege sich darüber manchmal auf. Dann heiße es: „Das hast du doch schon hundertfach gesehen. Warum musst du davon noch ein Bild machen?“ Davon lasse er sich aber nicht abhalten.

Bereits von klein auf interessiert

„Meine Patentante hat erzählt, dass ich bereits als Fünfjähriger gesagt habe: ,schau mal, die Wolke!’“, erklärt König. Bereits damals habe er gerne in den Himmel geschaut und seine Zeit mit dem Wetterbeobachten verbracht.

Dieser „Globe of Natural Hazards“ zeigt, wo es verstärkt zu Großschadensereignissen kommt. Infolge des Klimawandels nehmen diese laut Christian König stark zu.Forchheim & Fränkische Schweiz
Dieser „Globe of Natural Hazards“ zeigt, wo es verstärkt zu Großschadensereignissen kommt. Infolge des Klimawandels nehmen diese laut Christian König stark zu. // Wolfger

Diese Faszination sei auch während seiner Jugendzeit nicht abgerissen. „Ab dem Jahr 1972 habe ich die Wetterkarten aus der Süddeutschen Zeitung gesammelt“, berichtet König. Anhand dieser Daten habe er in seinem Jugendzimmer in München dann seine ersten Grafiken angefertigt, um herauszufinden, wie genau das Wetter in den einzelnen Monaten – etwa in Bezug auf Regenmengen und Temperaturverlauf – ausgefallen sei.

Studienstart mit Hürden

Nach der Schule wollte er seine Leidenschaft zum Beruf machen – durch ein Studium. Dabei habe er jedoch schockiert lernen müssen, dass Meteorologie eine Fachrichtung sei, die hauptsächlich auf den Schulfächern Mathematik und Physik fuße. Ausgerechnet dies seien in der Schule jedoch seine beiden Hassfächer gewesen.

„Physik hatte ich abgewählt und meiner Mathenote hatte ich es zu verdanken, dass mein Abidurchschnitt im Zweier- statt im Einserbereich lag“, erinnert König sich. Dann habe sein Vater ihm jedoch vorgeschlagen, Forstwissenschaft zu studieren. Teil dieses Studiengangs sei unter anderem auch der Bereich Klimatologie.

Von der Forschung zum Radio als Wettermann bei Antenne Bayern

Abgeschlossen habe er sein Studium schließlich im Jahr 1984. „Danach habe ich knapp fünf Jahre in der Forschung gearbeitet“, berichtet er. Gegenstand des Forschungsprojekts damals seien die Folgen von Extremwetterereignissen für die neuartigen Waldschäden in Bayern gewesen. „Dieses Thema ist heute praktisch aktueller denn je“, erläutert er.

Im letzten Jahr dieser Forschungstätigkeit sei für ihn dann eine berufliche Wende gekommen. „Jemand kam an den Lehrstuhl, um einen Mitarbeiter für ein innovatives Radioprojekt zu suchen“, erklärt König. Dabei sei es um den Aufbau einer eigenen Wetterredaktion für einen neuen Radiosender gegangen. Der Name dieses Senders lautete: Antenne Bayern.

Vom Forscher zum Wetterfrosch

Das habe ihn umgehend angesprochen. „Unser Ziel war es, Wetterberichte für die Allgemeinheit verständlich zu formulieren“, erklärt er. Bis dahin sei es üblich gewesen, dass derartige Informationen in einer sehr formellen, geradezu amtlich anmutenden Sprache mit vielen Fachbegriffen erstellt wurden. Davon wollte der neue Radiosender sich fortan abheben.

„Die Anfangszeit beim Radio war spannend“, erklärt König. Zwar sei die Bezahlung zunächst eher gering ausgefallen, die Aufgabe habe ihn aber dennoch gereizt. Erstellt habe er die Wettervorhersagen damals unter anderem mit modernsten Satellitenempfangsdaten, ellenlangen, sündhaft teuren Telex-Meldungen des Deutschen Wetterdienstes sowie mit halb illegal über einen Weltempfänger abgehörten Flugfunkdurchsagen europäischer Flughäfen.

Arbeit als Klimakommunikator

2006 entschied er sich schließlich für einen Neuanfang. „Inspiriert hat mich damals unter anderem Al Gore“, betont König. Dieser machte im selben Jahr durch sein Buch mit dem Titel „Eine unbequeme Wahrheit“ auf sich aufmerksam, in dem er den menschengemachten Klimawandel anprangerte. Nach Ebermannstadt verschlug ihn schließlich die Liebe zu einer Einheimischen.

Mit seiner neuen Agentur Wetter-Klima-Umwelt interviewt er seitdem u.a. Wetter- sowie Klimaforscher für Medienunternehmen, produziert die Wettervorhersagen für regionale Radiosender in Süddeutschland – unter anderem für Radio Bamberg - und setzt sich für Klimaprojekte ein. Ein Beispiel hierfür sei etwa die Umweltmessstation, der Schulwald und der Wald-Klima-Pfad zwischen Ebermannstadt und dem Gelände der Burg Feuerstein. „Ich würde mich nicht als Klimaaktivist bezeichnen“, erklärt er. Vielmehr sehe er sich in einer Rolle als Klima-Mediator. Seine Aufgabe sehe er immer mehr darin, das Klima und seine Veränderung für Laien verständlich rüberzubringen.

Weltbild in Gefahr

„Das Klima muss nicht gerettet werden – und der Wald auch nicht“, erläutert er. Beides würde sich derzeit aufgrund des menschlichen Einflusses wandeln, sei aber keinesfalls in Gefahr. „Was in Gefahr ist, ist unser Weltbild und unsere eigene Lebensgrundlage“, führt er aus. Gemeint seien damit die Kulturlandschaften, die der Mensch geschaffen habe, um sich seinen eigenen Lebensraum mit Komfortzonen zu gestalten.

Es sei an jedem Einzelnen, inwiefern er bereit sei, sich und seine Interessen kritisch zu reflektieren, um ein langfristiges Fortbestehen der Menschheit zu ermöglichen. „Die Umwelt ist in vielerlei Hinsicht absichtslos als auch gnadenlos“, erklärt er. Sie verteile auf diesem Planeten nur selten etwas mit Maß und Ziel, oft scheinbar zufällig und vor allem immer extremer. Der Mensch – gerade Politiker und Wirtschaftsvertreter mit ureigensten Interessen – meint, verhandeln zu können, um ein Maximum für sich herauszuholen. Das funktioniere aber gegenüber der Umwelt und damit auch dem Klima nicht.

Kaum Verständnis für Letzte Generation

Trotz dieser klaren Meinung hält König wenig von den sogenannten „Klimaklebern“ der selbst ernannten Letzten Generation. „Mit ihren Aktionen rufen sie nur Abwehr hervor“, erklärt er. Zudem seien ihre Forderungen unrealistisch. Er selbst sehe die Lösung der Klimafrage im Bewusstseinswandel. Die Technologien sind da, die finanziellen Mittel auch – allein es fehle der globale Wille zur konkreten Umsetzung – vor allem im Bereich Technologie. Diese sei jedoch nur mit einer guten Strategie sinnvoll. „Leider neigt die Politik dazu, Aktionspolitik zu betreiben“, erklärt er.

Ein Beispiel hierfür sei etwa die Debatte um E-Autos. Auch wenn diese irgendwann vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden könnten, sei die Akku-Technologie der Fahrzeuge derzeit alles andere als umweltschonend oder nachhaltig. Aus diesem Grund fahre er selbst beispielsweise noch Diesel.

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