Prozess
Letzter Warnschuss für Drogenhändler
Am Haßfurter Amtsgericht musste sich ein 23-Jähriger wegen Drogenhandels verantworten.
Am Haßfurter Amtsgericht musste sich ein 23-Jähriger wegen Drogenhandels verantworten.
Foto: Ronald Rinklef
Haßfurt – Weil ihn ein Kunde verpfeift, muss sich ein 23-Jähriger aus dem Maintal vor dem Richter verantworten.

Bei einer Routinekontrolle im Dezember vergangenen Jahres fanden Polizeibeamte bei einem damals 19-Jährigen zehn Gramm Marihuana. Dies sollte für einen 23-Jährigen, der am Mittwoch auf der Anklagebank des Amtsgerichts saß, zum Problem werden. Denn der 19-Jährige verpfiff den Angeklagten aus dem Maintal, indem er ihn als den Verkäufer des „Stoffs“ benannte.

Wenige Stunden später bekam der 23-Jährige Besuch von der Polizei, die seine Wohnung gegen 22.15 Uhr abends nach Rauschgift durchsuchte – mit Erfolg: die Beamten fanden geringe Mengen Haschisch, Marihuana und Amphetamin im einstelligen Gramm-Bereich.

Hohe Auflage für Drogendealer

Am Mittwoch verurteilte das Amtsgericht den sechsfach vorbestraften Angeklagten wegen Drogenhandels und -besitzes zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe. Als Auflage muss er unter anderem 2500 Euro für den Kreisjugendring berappen.

Der Angeklagte brauchte nur eine kurze Bedenkzeit, nach der er das Urteil sichtlich erleichtert annahm, wohl wissend, dass es auch schlimmer für ihn hätte ausgehen können: denn zur Tatzeit stand er unter laufender Bewährung.

Einiges auf dem Kerbholz

Vor zwei Jahren wurde er wegen eines Drogendelikts zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Auch Verstoß gegen das Waffengesetz, Gefährdung des Straßenverkehrs, Beihilfe zur Nötigung, Hausfriedensbruch, Beleidigung, Bedrohung oder versuchte Körperverletzung stehen in seinem kriminellen „Portfolio“.

Die Anklagevertreterin sah daher keinen Raum mehr für eine Bewährungsstrafe. Sie rügte die hohe Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten sowie dessen einschlägige Vorstrafen und forderte eine fünfmonatige Haftstrafe.

Verteidiger sieht die Sache anders

Verteidiger Alexander Wessel führte ins Feld, dass sein Mandant seit der Wohnungsdurchsuchung im Dezember die Hände von Drogen lasse. Er habe ein Geständnis abgelegt. Das gefundene Rauschgift und sein Handy seien eingezogen worden. Zudem habe sein Mandant eine feste Arbeitsstelle und einen Wohnsitz. Daher sei eine fünfmonatige Bewährungsstrafe angemessen.

Richter Patrick Keller verschonte den Angeklagten noch einmal. Es sei „die letzte Warnung“, ermahnte er den Verurteilten.

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