Gericht
Ampel umgeworfen – mildes Urteil für 18-Jährigen
Am Haßfurter Amtsgericht musste sich ein junger Mann wegen Vandalismus verantworten.
Am Haßfurter Amtsgericht musste sich ein junger Mann wegen Vandalismus verantworten.
Foto: Ronald Rinklef
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
Haßfurt – Obwohl der Randalierer der Justiz bereits bekannt ist, zeigt sich der Richter gnädig. Wie das Urteil zustande kam.

Mit rund 1,8 Promille Alkohol in der Blutbahn hat ein 18-jähriger Arbeiter aus dem Maintal im Mai dieses Jahres nachts eine Ampelanlage in Knetzgau umgeworfen. Obwohl er bereits drei Mal vor dem Richter stand, erhielt er in der Strafverhandlung am Dienstag im Amtsgericht eine milde Strafe: er muss den entstandenen Schaden in Höhe von rund 800 Euro wiedergutmachen.

Der Grund für das milde Urteil ist, dass sich der Angeklagte vor Gericht reuig und einsichtig zeigte und sein Leben seit dem Ausraster geändert hat.

Was aber war an dem Abend der Tat passiert? Er habe das Feuerwehrfest in Knetzgau besucht und dort zwei bis drei Bier getrunken, berichtet der Angeklagte. Weil er keinen Alkohol gewohnt sei, habe er im Suff gegen 1.50 Uhr eine mobile Ampelanlage umgeworfen − dann aber auf das Eintreffen der Polizeibeamten gewartet. Viel mehr wisse er von dem Abend nicht mehr.

Angeklagter ist kein Unbekannter am Haßfurter Amtsgericht

Ein Unbekannter ist der Angeklagte am Amtsgericht trotz seinem jungen Alter nicht. Vor zwei Jahren musste er wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung Arbeitsstunden leisten. Wegen Handelns mit Betäubungsmitteln folgte ein Jahr darauf der nächste Prozess, der mit einem Freizeitarrest endete.

Wegen einer weiteren Körperverletzung wurde er ebenfalls im vergangenen Jahr wiederum zu Arbeitsleistungen verdonnert.„Ich war jung“, erklärte der 18-Jährige dem Gericht seine vergangenen Straftaten. Mittlerweile arbeite er regelmäßig und konsumiere keine Drogen mehr und kaum noch Alkohol.

Richter und Staatsanwältin sind sich uneinig

Christoph Gillot, der Vorsitzende Richter, stellte wegen des hohen Alkoholpegels eine verminderte Schuldfähigkeit in den Raum. Die Staatsanwältin wollte dem nicht folgen, weil der Angeklagte nach eigener Aussage nur zwei bis drei Bier getrunken hatte. Sie forderte eine Geldauflage in Höhe von 400 Euro für die „klassische Jugendverfehlung“.

 

Der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen war, erachtete diese Strafe als gerecht und bedankte sich dafür. Der Vorsitzende beließ es jedoch bei der Schadenswiedergutmachung. Das Jugendstrafrecht stelle den Erziehungsgedanken in den Vordergrund. Der Angeklagte befinde sich auf einem guten Weg. Er mache seinen Führerschein, habe Arbeit und eine Lebensgefährtin. Beim nächsten Fehltritt drohte der Richter jedoch mit einem „deutlichen Denkzettel“.

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