Versorgung
Unterschriften für die Eberner Klinik
Unterschriften für den Erhalt der Chirurgie am Eberner Krankenhaus haben die Initiatoren an Landrat Wilhelm Schneider übergeben. Im Bild von links: Klaus Junge, Klaus Emmerich, Ralf Kestel, Landrat Wilhelm Schneider und Wolfgang Zirbik.
Unterschriften für den Erhalt der Chirurgie am Eberner Krankenhaus haben die Initiatoren an Landrat Wilhelm Schneider übergeben. Im Bild von links: Klaus Junge, Klaus Emmerich, Ralf Kestel, Landrat Wilhelm Schneider und Wolfgang Zirbik.
Foto: Christian Licha
Ebern – Eine Initiative aus Ebern und Umgebung will das Krankenhaus im östlichen Kreis Haßberge in seiner bisherigen Form erhalten.

Mit mehreren Unterschriftenaktionen haben die Befürworter für den Erhalt einer Chirurgie im Krankenhaus Ebern aufmerksam gemacht. Die gesammelten Unterschriften wurden am Mittwoch an Landrat Wilhelm Schneider (CSU) übergeben.

2283 Unterschrifen sammelten Wolfgang Zirbik und Ralf Kestel, die nach eigenen Angaben dabei schon alle Doppel- und Mehrfachunterschriften herausgefiltert haben. „Wenn man sich die Schriftbilder so anschaut, haben in der Masse ältere Menschen unterschrieben, die sich an der parallel laufenden Online-Aktion kaum beteiligt haben dürften“, stellte Ralf Kestel fest. „Obwohl die Unterschriftenlisten zuerst nur in Ebern ausgelegt waren, bringen auch viele Menschen aus dem Umkreis von Ebern ihre Sympathien für das Eberner Krankenhaus zum Ausdruck“, erklärte Wolfgang Zirbik die Eigendynamik, die sich entwickelt habe.

Zusätzlich hatte Klaus Junge zusammen mit dem Pfarrweisacher Gemeinderat Klaus Dünisch Unterschriften auf Karten gesammelt. Hier war ein Rücklauf von 1220 Meinungsbekundungen für ein Weiterbestehen des Krankenhauses zu verzeichnen. Weiterhin haben 3046 Personen sich online registriert und unterstützen so die Initiatoren. In der Gesamtsumme beteiligten sich in den Listen 1017 Frauen und Männer aus Ebern an den Unterschriftslisten und 958 Einwohner der Türmerstadt online. Das entspricht rund einem Drittel der über 6000 Wahlberechtigten in Ebern.

„Als ,kleine Überraschung’ übergebe ich heute Landrat Wilhelm Schneider die Dokumente, die sein Zukunftskonzept Ebern am meisten infrage stellen", sagte Klaus Emmerich aus dem oberfränkischen Himmelkron, der sich ebenfalls für das Eberner Krankenhaus einsetzt. Der ehemalige Leiter einer auswärtigen Klinik übergab dem Landrat die Stellungnahme des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Konkretisierung beabsichtigter Klinikkonzentrationsprozesse zugunsten der Krankenhäuser mit gestufter Notfallversorgung vom 15.07.2021 und den GKV-Kliniksimulator für das Krankenhaus Ebern. Der Kliniksimulator stellt fest, dass im Falle einer Schließung des Krankenhauses Ebern 7995 Einwohner mehr als 30 Minuten zum nächstgelegenen Krankenhaus benötigen. „In Ihrem Fall wäre eine chirurgische stationäre Fachabteilung für zusätzliche 7995 bei schweren Unfällen nicht erreichbar“, behauptet Emmerich und ergänzt: „Die von Ihnen angestrebte Struktur im Krankenhaus Ebern ohne Chirurgie würde den vom G-BA angestrebten Strukturvorgaben nicht mehr gerecht. Mittelfristig droht damit ein Aus des Standorts Ebern als akutstationäres Krankenhaus. Gleichzeitig stünde einem Teil der Einwohner ihres Landkreises keine wohnortnahe klinische Versorgung mehr zur Verfügung.“

„Wir haben das selbe Ziel, den Standort Ebern zu erhalten“, betonte Landrat Wilhelm Schneider. Dabei wolle der Landkreis zukunftsgerichtet vorgehen und die Unterschriftensammler nur an Altem festhalten. Die Kurzzeitpflege, die geplant ist, sei enorm wichtig und es gebe keinen, der sich darum kümmere; deshalb mache das der Landkreis mit der Neuaufstellung in Ebern, so Schneider.

Außerdem lasse sich der Erhalt der Chirurgie nicht verwirklichen, weil die Bevölkerung jetzt schon Fachkliniken dem Eberner Krankenhaus vorziehe. Auch die von Emmerich geforderte Aufwertung des Eberner Krankenhauses in die Notfallstufe 1 sei unrealistisch. Zum einen sei Ebern gar kein Notfallkrankenhaus und mit Haßfurt sei die Versorgung bestens sichergestellt.

Wilfried Neubauer, Vorstand der Haßberg-Kliniken, sagte weiterhin, dass es sowohl personell als auch finanziell nicht möglich ist, einen Notfallstandort Ebern einzurichten. Neben vielen notwendigen Geräten müssten auch Ärzte in ständiger Einsatzbereitschaft rund um die Uhr sein und sechs Intensivbetten vorgehalten werden. Die Zahlen aus dem Jahr 2019 zeigten, dass es keinen großen Bedarf gebe beziehungsweise eine Umsetzung wirtschaftlich nicht möglich sei, so Neubauer. So haben den Angaben zufolge, wohlgemerkt vor der Corona-Pandemie, im Schnitt nur eine Person täglich unter der Woche und an den Wochenenden vier bis fünf Personen das Haus Ebern in Notfällen aufgesucht. Außerdem mache auch der ärztliche Bereitschaftsdienst Hausbesuche, die bei vielen Beschwerden oder Verletzungen ausreichend sind.

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