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My Fair Lady in Coburg
Es grünt immer noch so grün!
Premiere My Fair Lady in Coburg: Zwei Stunden Vergnügen
In Ascot geht noch alles schief: Emily Lorini (2. von links) als Eliza Doolittle in der feinen Gesellschaft. Professor Higgins (Tobias Bode, rechts zweite Reihe) ist entsetzt. // Foto: Christina Iberl
Signet des Fränkischen Tags von Carolin Herrmann
Coburg – Das weltbekannte Musical „My Fair Lady“ feiert eine sehr gelungene Premiere im Globe. Und das liegt nicht zuletzt an den Philharmonikern.

So einer Kreatur mit neuer Sprache ein neues Leben schenken…Voll krass, dieses Erziehungsexperiment, auch krass formuliert von diesem arroganten Professor Higgins. Doch wart´s nur ab, Professor Higgins!

Abwarten braucht das Publikum der neuesten Landestheater-Produktion allerdings nicht. In einem Affenzahn legt das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Daniel Carter los mit „My Fair Lady“. Und die Inszenierung von Sonja Trebes sorgt zweieinhalb Stunden lang für größtes Theatervergnügen. Ausverkauftes Haus zur Premiere am Samstag, großer Jubel. Frederick Loewes (geboren 1901 in Berlin, gestorben 1988 in Kalifornien) Musical grünt wieder einmal so grün. 

Da Daniel Carter ja auf seinem Weg nach Weimar ist, erfolgte diese Produktion bereits unter der Assistenz von Kapellmeister David Preil, der zusammen mit weiteren Dirigenten die folgenden Aufführungen leiten wird. 

Wie stark bestimmt Sprache das Leben des Einzelnen? Die aus dem Landkreis Kronach stammende, mittlerweile bundesweit gefragte Regisseurin Sonja Trebes, die in Coburg bereits einen herrlichen Barbier von Sevilla lebendig werden ließ, nutzt die köstlichen Möglichkeiten des Stoffes auf Sprach- und Dialektspielereien. Echt fränkische Beschimpfungen in den Straßenszenen, die Erziehungsdiktatur des Phonetikprofessors findet in der Festungsstraße 27a statt. Muss wohl Coburg sein. 

Das Straßenmädchen wird zur Dame

Das echte Grauen lässt die amerikanische Sopranistin Emily Lorini als Eliza Doolittle mit ihrem Gekäue in durchaus heutiger Akzentuierung heraus. F..., tut das weh. Aber bekanntlich schafft es Higgins in quälender Unterrichtung, das Straßenmädchen Eliza in eine bezaubernde Dame zu verwandeln. Die singt Emily Lorini dann mit strahlendem Sopran, während der Schauspieler Tobias Bode den wenig sympathischen Professor anrührend das eigentliche Leben erkennen lässt.

Niklaus Scheibli als menschlich bleibender Oberst Pickering, Stefanie Ernst mit herrlicher Mimik als Haushälterin Mrs Pearce, Gabriele Bauer-Rosenthal als Trommelfell-durchstechende Mrs. Higgins bilden diese Lebenswelt, konterkariert von Damon Nestor Ploumis als egozentrischer Papa Doolittle. Dirk Mestmacher singt und tanzt Freund Freddy mitreißend. Sie alle entzücken. Zusammen mit dem wieder einmal ungemein agilen Chor (Einstudierung Ben Köster), der singt und tanzt, was das Musical-Zeug hält. Dabei sind die je nach Gesellschaftsgrad gewandelten Kostüme von Melchior Silbersack das absolute Fest. 

Lorenzo Soragnis Choreografie für diese von Anfang an herrlich bewegte und witzige Inszenierung entlockt allen Beteiligten so amüsante Gesten und Bewegungsfolgen, sarkastisch kommentierend, mit dem Ballett aber auch eine weitere zauberhafte Komponente eröffnend: Wie weiße Geister setzen die Tänzerinnen und Tänzer die Emotionen von Liza in Bewegung um. 

Dirk Beckers Bühnenwelt schafft mit drei eher schlichten, beweglichen Treppenelementen geschickt Raum für die Ereignisse. 

Und die ganze Zeit erfüllt das Philharmonische Orchester das Theaterrund des Globe mit den groß instrumentierten Songs, den allbekannten Schlagern dieses Musical-Monuments. Das Publikum ist so selbstverständlich, auch klatschend, dabei. Basst scho. Theaterherz, nach Erleichterung und Seelenbalsam gierend: Was willst du mehr?

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