Open Air
Zur blauen Stunde beim Zeiler „Liederkranz“
Um sechs Sängerinnen dezimiert, trat der „Liederkranz“ am Freitagabend im Probstenhof auf die Bühne. In dem öffentlich nicht zugänglichen Ambiente erlebten die Zuhörer einen wunderbaren und einzigartigen Abend, an dem die Lieder und die Musik stim...
Um sechs Sängerinnen dezimiert, trat der „Liederkranz“ am Freitagabend im Probstenhof auf die Bühne. In dem öffentlich nicht zugänglichen Ambiente erlebten die Zuhörer einen wunderbaren und einzigartigen Abend, an dem die Lieder und die Musik stimmten, die Stimmung, die Verköstigung und natürlich das Wetter.
Foto: Brigitte Krause
Brigitte Krause von Brigitte Krause Fränkischer Tag
Zeil am Main – Vor historischem Gemäuer erlebten die Besucher beim „Liederkranz“ romantische „Lieder einer Sommernacht“. Eine Neuentdeckung gab es auch.

Zum Zeiler Altstadt-Weinfest sollte das Konzert der Auftakt sein, doch drohendes Gewitter verhinderte die pünktliche Umsetzung. Nun bildete es den gelungenen Nachklang, und viele Besucher genossen die „Lieder für eine Sommernacht“. Und Gewitterdonner bildete nur am Ende die dramatische Kulisse für den Heimweg.

Vom Stadtturm her blies der Turmbläser die Pausenenden ein.
Vom Stadtturm her blies der Turmbläser die Pausenenden ein.
Foto: Brigitte Krause

Außerordentliches Ambiente

„Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten.“ So lautet das Fazit des Gesangvereins „Liederkranz“ nach diesem schönen Abend bei milden Temperaturen und frischem Wind.

Die weite Rasenfläche im Garten des Probstenhofes sind ansprechend gestalteten Pflasterwegen gewichen, die auch gut mit Rollator befahren werden können.
Die weite Rasenfläche im Garten des Probstenhofes sind ansprechend gestalteten Pflasterwegen gewichen, die auch gut mit Rollator befahren werden können.
Foto: Brigitte Krause

Corona-Pandemie, Dirigentenwechsel, Krankheitsausfälle hatten dem Verein Herausforderungen beschert, die zu überwinden waren. Auch zum Gesangsabend selbst, waren die Akteure um sechs Stimmen reduziert wegen Krankheit. Doch der gemischte Chor gestaltete diesem Liederabend wunderbar, der durch Harald Gogger mit Lichtinstallationen in Szene gesetzte historische Hof bot einen außerordentlichen Rahmen, und so stellten sich zufriedene Gesichter bei Gästen wie Musikern ein. Ein beschwingt mitsingendes Publikum war eine große Freude für die Veranstalter, und das Wetter hielt genau bis zum Schlussakkord.

Einen visuellen, auditiven und kulinarischen Genuss bot der „Liederkranz“.
Einen visuellen, auditiven und kulinarischen Genuss bot der „Liederkranz“.
Foto: Brigitte Krause

Für einen Chor gebe es bei aller Kreativität „letztlich nichts Schöneres, als ein Ziel zu haben und auf der Bühne zu stehen“, betonte die Vorsitzende Birgit Pottler-Calabria. „Wir wollten den Zeilern und uns nach langer Pause diesen Abend ermöglichen.“

Von ihnen sollte man mehr hören: die „Zeiler Saiten“. Ein Quartett mit zwei Mandolinen einer Mandorla und einer Gitarre.
Von ihnen sollte man mehr hören: die „Zeiler Saiten“. Ein Quartett mit zwei Mandolinen einer Mandorla und einer Gitarre.
Foto: Brigitte Krause

„Ein weinfröhlicher Abend mit Liedern zum Wiedersingen“ war das Motto für dieses mit leichter Hand gestaltete Konzert: drei Teile mit Liedern aus unterschiedlichen Epochen und mit verschiedenen Themenschwerpunkten, ergänzt durch einen erfolgreichen Erstlingsauftritt des eigens zu diesem Zweck formierten Mandolinen- und Gitarrenquartetts „Zeiler Saiten“. Die nahezu 200 begeisterten Besucher rief immer wieder die Türmertrompete auf ihre Plätze und verkündete den Beginn der Darbietungen. Und dazu bot sich genügend Raum für Unterhaltung.

Die weite Rasenfläche im Garten des Probstenhofes sind ansprechend gestalteten Pflasterwegen gewichen.
Die weite Rasenfläche im Garten des Probstenhofes sind ansprechend gestalteten Pflasterwegen gewichen.
Foto: Brigitte Krause

Turmbläser rufen aus der Pause

Akteure für den musikalischen „Startschuss“ waren die beiden Turmbläser Günter Bier und Wilhelm Schorr. Sie stimmten zur Historie des Probstenhofes passende Stücke an.

Dem romantischen Ambiente wurde der gemischte Chor eingangs mit Madrigalen aus dem 16. bis zum beginnenden 18. Jahrhundert gerecht. Dirigent Martin Willun hatte krankheitsbedingt wenige Stunden vor Beginn absagen müssen; für ihn sprang aus dem Sopran Petra Herlein in erfrischender und fröhlicher Art in die Bresche und bewältigte die Aufgabe bravourös.

Stimmungsvoll in Szene gesetzt: der Hauptbau des Zeiler Probstenhofes.
Stimmungsvoll in Szene gesetzt: der Hauptbau des Zeiler Probstenhofes.
Foto: Brigitte Krause

Birgit Pottler-Calabria dankte vor allem den Familien Berchtold und Hoffmann für die Möglichkeit, an die Stätte der ersten Weinfestserenaden zurückzukehren. Sie stimmte mit launigen Worten auf den Abend ein. Getreu des Gedankens „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten“ zähle auch die Gemeinschaft des Vereins aus aktiven und passiven Mitgliedern und all das, was ein Abend wie dieser an Emotionen ermögliche.

Das Publikum forderte sie ausdrücklich zum Mitsingen auf – und an Stellen, wo das geschah, flutete eine ganz besonders emotionale Stimmung durch die Örtlichkeit.

Ein wunderschönes Ambiente, passende Lieder und ein kulinarischer Genuss.
Ein wunderschönes Ambiente, passende Lieder und ein kulinarischer Genuss.
Foto: Brigitte Krause

Der zweite Liederreigen entführte in die lauen italienischen Sommernächte am blauen Meer bei Wein und lieber Gesellschaft.

Begleitet von der gebürtigen Zeilerin Monika Appel am Klavier sprang der Funke rasch über. Von „Bella bella Donna“ über die „Caprifischer“ bis „Marina“ erklangen vertraute Lieder. Zeiler Weinabende müssen den Vergleich mit Bella Italia wirklich nicht scheuen!

Akustische Abwechslung brachte die Premiere des Zupfquartetts „Zeiler Saiten“ mit Christa Fest, Bernhard Schurig, Gertrud Wiederer und Harald Gogger. Virtuos brachten sie spanische und südamerikanische Stücke für Mandoline, Mandola und Gitarre zu Gehör, die guten Anklang beim Publikum fanden.

Der Hinterausgang des Probstenhofes ist auch ganz neu anzusehen.
Der Hinterausgang des Probstenhofes ist auch ganz neu anzusehen.
Foto: Brigitte Krause

Ein Potpourri aus Weinliedern, Schlagern und Filmmelodien schloss das Programm ab. Ob „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, Udo Jürgens’ Evergreen „Griechischer Wein“ oder das „Chianti-Lied“, alle rissen die Besucher mit und sorgten für weinfröhliche Stimmung. Im Schlusslied besangen Chor und Publikum die Weinstadt Zeil – nach einem Text von Birgit Herrnleben zur Melodie von den „Schöppli in Franken“.

Und erst mit den letzten Klängen fielen die ersten Tropfen.

Blick in den Garten des Probstenhofes.
Blick in den Garten des Probstenhofes.
Foto: Brigitte Krause

Die Fortsetzung des gemütlichen Teils erfuhr einen Dämpfer, zu viele hatten Angst vor dem aufkommenden Gewitter. Aber das blieb letztlich aus und der „Liederkranz“ ließ die Sommernacht im illuminierten Hof ausklingen.

Mit Licht eine hervorragende Kulisse: der Hauptbau des Probestenhofes.
Mit Licht eine hervorragende Kulisse: der Hauptbau des Probestenhofes.
Foto: Brigitte Krause
Viele Kerzen und eine ausgewogene Lichtinstallation von Harald Gogger sorgte für romantische Momente.
Viele Kerzen und eine ausgewogene Lichtinstallation von Harald Gogger sorgte für romantische Momente.
Foto: Brigitte Krause
Zwar krankheitsdezimiert, aber stimmenstark und farbenfroh bewältigte der „Liederkranz“ sein Open Air im Probstenhof.
Zwar krankheitsdezimiert, aber stimmenstark und farbenfroh bewältigte der „Liederkranz“ sein Open Air im Probstenhof.
Foto: Brigitte Krause
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: