Open Air
Happening unter Gewitterwolken
250 Besucher waren zum Huebnotix-Konzert in Haßfurt zugelassen. Zaungäste gab es noch mehr.
250 Besucher waren zum Huebnotix-Konzert in Haßfurt zugelassen. Zaungäste gab es noch mehr.
Foto: Helmut Ölschlegel
Haßfurt – Konzert mit Huebnotix in Haßfurt: ein Hoffnungsschimmer inmitten von Unwetterwolken und Virusgefahren.

Da fiel vielen ein Stein vom Herzen – so wie die schweren Gewitterschauer vom Himmel. Nach einem Jahr erzwungenen Kulturverzichts endlich wieder Live-Musik: Die Bayreuther Band Huebnotix zelebrierte ihr 20. Bandjubiläum trotz „schwerer See“ auf dem Marktplatz. Und die treue Haßfurter Fangemeinde dankte es den vier Musikern: Erst schwenkten sie die Regenschirme im Takt, ab dem zweiten Set ihre ganzen Körper, da der Regen zur Pause eine ebensolche einlegte. Am Ende strahlten alle Besucher mit den Sternwerfern um die Wette, die die freundlichen Damen vom Kulturamt zur Zugabe noch schnell verteilt hatten.

Die hieß „Wish you were here“ (von Pink Floyd) und drückte den Wunsch der Musiker aus, vor Publikum aufzutreten. „Und wenn so etwas geht, dann geht’s ins Haßfurt“, brachte Schlagzeuger Andy Sack die Verbundenheit zwischen Wagner- und Kreisstadt am Main zum Ausdruck, wobei sein Dank besonders Steffi Schleicher und ihren Helferinnen galt, die das besondere Event trotz der Corona-Vorgaben als kostenloses Konzert möglich gemacht hatten.

Gewisse Corona-Regeln mussten schon sein

Dazu gehörte natürlich eine Voranmeldung bis zur Kapazitätsgrenze von 250 Besuchern. Und trotz der schweren Wolken, die das Maintal heraufzogen und ihre feuchte Ladung über Haßfurt entluden, schreckte kaum einer zurück, so dass fast alle Stühle besetzt waren, als das zweistündige Konzert mit leichter Verspätung begann. Das Ereignis könnte übrigens übers Internet auch am Computer verfolgt werden.

Zuerst wippten die Sitzenden (sowie die vielen Gäste hinter dem Zaun und dem Absperrband mit den Regenschirmen, später mit den Hüften. Es wurde getanzt und gemoscht. Ein Hoffnungsschimmer inmitten von Unwetterwolken und Virusgefahren. „Was ist Regen gegen Corona?“, befand eine Tänzerin, die ihre wallende Mähne bisweilen unter der Kapuze versteckte, ihren Gefühlen aber freien Lauf ließ. Das Publikum, fast ausnahmslos im gesetzteren Alter, entfachte ein Happening, machte sich und der Band eine Freude und störte sich wenig an der Wetterunbill. Kein Wunder: Als vierter Song erklang auch schon „Here comes the sun“ von den Beatles.

Für die Musiker und für ihr Publikum war das eine extrem lange Durststrecke

Erst schwenkten sie die Regenschirme im Takt, ab dem zweiten Set ihre ganzen Körper.
Erst schwenkten sie die Regenschirme im Takt, ab dem zweiten Set ihre ganzen Körper.
Foto: Helmut Ölschlegel

Die Band empfand es wie eine „Wiederauferstehung“, da sie seit eineinhalb Jahren nicht mehr vor Publikum auftreten war. In einer Stellungnahme sprachen die vier Jungs davon, dass „es ein großartiges Gefühl war, endlich wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen! Man hat deutlich gespürt, dass es nicht nur für uns Musiker, sondern auch für das Publikum eine extrem lange Durststrecke war. Dass Kultur nun endlich wieder möglich ist und dass man wieder gemeinsam das Leben feiern und genießen kann, ist ein großer Schritt in die Freiheit. Wir sind hin und weg, wie viele Leute trotz des regnerischen Wetters vor Ort waren. Für uns war es ein unvergesslicher Abend, der vom Kulturamt Haßfurt perfekt organisiert wurde! Danke, danke, danke! Dem Wetter haben wir alle gemeinsam getrotzt und unser Equipment hat es gut überstanden.“

Huebnotix aus Bayreuth gaben ein Open-air-Konzert in Haßfurt.
Huebnotix aus Bayreuth gaben ein Open-air-Konzert in Haßfurt.
Foto: Helmut Ölschlegel

So steht einer Neuauflage in der Stadthalle im Oktober also nichts im Wege. Worauf sich die Besucher dann freuen können, sei kurz noch aufgelistet. Das Repertoire reicht von Paul Simon („50 ways to leave your lover“) bis Frank Zappa („Bobby Brown“) samt Peter Gabriel („Solsbury hill“) und Sting („Fields of gold“). Allesamt sagenhafte Interpretationen. Mitunter packt das Bayreuther Quartett seine Coverversionen aber in ganz eigenwillige Arrangements, wie die Jazzversionen von Pink Floyds „Time“ oder Michael Jacksons „Beat it“. Phil Collins „Dance into the light“ wird gar in ein Rumba-Korsett gesteckt. Auch „Personal Jesus“ von „Depeche mode“ erkennt man erst beim zweiten Hinhören. Ganz nahe am Original bleibt die Gruppe aber bei den Beatles Songs „Eleanor Rigby“ und „Lady Madonna“ wie Jamie McCullums „When I get famous“.

Die Vorfreude auf ein Wiedersehen/-hören im Oktober ist schon jetzt unbändig: „Wish you come back“.

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