In den letzten acht Wochen haben wir die Berichterstattung in dieser Zeitung sehr stark am Heimat-Monitor ausgerichtet. Das war ein umfangreiches Stimmungsbild, das das Unternehmen Umfrage-Held aus Oldenburg im Auftrag der Redaktion im Landkreis Haßberge durchgeführt hatte. Gut 1000 Bürger aus dem Landkreis, großteils Leser dieser Zeitung, nahmen teil und warfen einen wohlwollend-kritischen Blick auf ihre Heimat.
Gute Noten
Im Grunde ist das Zeugnis im Heimat-Monitor ein verspätetes, aber doch passendes Geschenk zum 50. Geburtstag des Landkreises, der 2022 gefeiert wurde. In den Gemeinden mit rund 220 Ortschaften von A wie Aidhausen bis Z wie Zeil lässt es sich gut leben. Bei der Frage nach der Lebensqualität gab es in fast allen Gemeinden gute bis sehr gute Noten.
Der Gesamtschnitt mit 7,27 Punkten auf der Skala von 1 bis 10. Das ist im Vergleich aller Ergebnisse aus dem Verbreitungsgebiet der Zeitungen dieser Mediengruppe ein Top-Ergebnis.
Ein schiefes Bild?
Ein Aber hat im Gespräch mit der Redaktion unter anderem der scheidende Sander Bürgermeister Bernhard Ruß ins Spiel gebracht, dessen Gemeinde zu den Spitzenreitern im Landkreis in Punkto Lebensqualität gehört: Umfrage-Held fragte nach der Zufriedenheit der Bürger in ihrem Wohnort; die Auswertung erfolgte aber auf Gemeindeebene, weil in den einzelnen Orten oft viel zu wenige Bürger teilgenommen haben, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Das ist nur im Fall von Sand (51 Teilnehmer) unproblematisch, weil die Gemeinde aus einem Ort besteht.
Blickt man aber in die größeren Kommunen wie Haßfurt (143 Teilnehmer) oder Zeil (109), sieht man, dass der Monitor möglicherweise ein schiefes Bild zeigt: Wer in den Kernstädten von Haßfurt oder Zeil mit ihren vielfältigen Angeboten von Schule über Einkaufsmöglichkeiten bis hin zu Bus und Bahn wohnt, bewertet den Ort in mancher Kategorie anders als der Uchenhofener oder der Bischofsheimer, der sich vor allem über das Plus der himmlischen Ruhe freut.
Spitzenreiter hat Zweifel
Fast in allen Kategorien Nummer 1 war die Gemeinde Knetzgau. Darüber freut sich Bürgermeister Stefan Paulus grundsätzlich erst einmal, wie er sagt. „Dennoch sehe ich die Art dieser Umfragetechnik als sehr kritisch, denn eine repräsentative Erhebung ist es nicht. Es ist auch zu befürchten, dass in vielen Kommunen die eher unzufriedenen Menschen diese Umfrageplattform nutzen, um die eigene Gemeinde schlecht zu voten.“
Laut Paulus ist die Umfrage in erster Linie eine Momentaufnahme. „Da muss nur ein Bürgermeister eine notwendige, aber unpopuläre Entscheidung zum Zeitpunkt der Umfrage treffen, und schon wird Ihre gut gemeinte Umfrage zweckentfremdet.“
Paulus ist überdies der Meinung, dass man Gemeinden nicht gut miteinander vergleichen kann. „Die Kommunen und wir Kommunalpolitiker müssen in der Bewältigung der großen Herausforderungen solidarisch sein und unsere Probleme gemeinsam lösen. Ein Konkurrenzdenken zwischen den Gemeinden ist das, was wir gar nicht brauchen.“
„Haben wir nicht in der Hand“
Ein Punkt, der manchem Bürgermeister auf den Nägeln brennt, ist, dass manches, wonach für den Heimat-Monitor gefragt wurde, nicht oder nicht ausschließlich in der Hand der Kommunen liegt, zum Beispiel der ÖPNV.
Oder ein aktuelles Beispiel aus Zeil, ein eigentlich positives: Hier hat sich ein weiterer Lebensmittel-Discounter angesiedelt, worüber Bürgermeister Thomas Stadelmann nicht erfreut ist: Es gibt in Zeil längst eine Überversorgung, ein Verdrängungswettbewerb droht. Aber auf die Ansiedlung (Norma im ehemaligen Lidl) hatte die Stadt keinen Einfluss.
Hier besteht Handlungsbedarf
ÖPNV: Die Anbindung mit Bus und Bahn ist ein Problem in vielen Orten. Dafür gab es mit 3,43 Punkten die schlechteste Bewertung im Heimat-Monitor. Abhilfe? Es ist ein Henne-Ei-Problem: Weil die Anbindung schlecht ist, hat fast jeder ein Auto. Weil fast jeder ein Auto hat, werden neue Angebote im Öffentlichen Personennahverkehr schlecht angenommen ...
Einzelhandel: mit 3,77 Punkten ebenfalls schlecht bewertet. Andererseits: Kleine Geschäfte rentieren sich in der Regel nicht, und wer will schon einen Supermarkt in jedem Ort?
Gastronomie: auch nur schwache 3,79 Punkte. Ähnlich wie im Einzelhandel ist auch hier die gute alte Dorfkneipe kein Geschäftsmodell mehr, wenn sich der Wirt am Abend die Gaststube mit einem Gast und einem Bier teilen muss.
Gesundheit: Hier trifft es vielleicht ein Witz: Das Gesundheitssystem im Landkreis ist gut, es lässt allerdings nach, wenn man krank ist. Nur 4,5 Punkte für die Versorgung mit Haus- und Fachärzten. Und überdies wird das Krankenhaus in Ebern geschlossen.









