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Kontakte zur Hilfe
Haßberge: Mehr als nur Mitgefühl für die Ukraine
So wie alle Teilnehmer der Menschenkette fordert dieser Demonstrant – gut erkennbar – „Frieden für die Ukraine“.
So wie alle Teilnehmer der Menschenkette fordert dieser Demonstrant – gut erkennbar – „Frieden für die Ukraine“. // Christian Licha
Auch (von links) Pfarrer Rudolf Theiler und die Bürgermeister Helmut Dietz (Untermerzbach) und Karl-Heinz Kandler (Kirchlauter) zeigten mit ihrer Anwesenheit Flagge und demonstrierten gegen den Krieg in der Ukraine und für ein friedliches Miteinander.
Auch (von links) Pfarrer Rudolf Theiler und die Bürgermeister Helmut Dietz (Untermerzbach) und Karl-Heinz Kandler (Kirchlauter) zeigten mit ihrer Anwesenheit Flagge und demonstrierten gegen den Krieg in der Ukraine und für ein friedliches Miteinander. // Christian Licha
220 Menschen schlossen sich am Sonntag zu einer Menschenkette zusammen, die vom Marktplatz bis fast vor dem Grauturm auf beiden Straßenseiten präsent waren.
220 Menschen schlossen sich am Sonntag zu einer Menschenkette zusammen, die vom Marktplatz bis fast vor dem Grauturm auf beiden Straßenseiten präsent waren. // Christian Licha
Signet des Fränkischen Tags von Christian Licha
Ukraine
LKR Haßberge – Im Kreis Haßberge formieren sich immer mehr Hilfsaktionen für Menschen, die vom Krieg betroffen sind. Die Kreisbürger wollen und können helfen.

Für 220 Bürger aus Ebern und Umgebung war es am Sonntagnachmittag ein Bedürfnis, sich in die Menschenkette in Ebern einzureihen. Vom Marktplatz bis fast zum Grauturm reihten sich Frauen, Männer und Familien mit Kindern in die Kette auf beiden Gehsteigseiten ein.

Die Initiative „Ebern ist Bunt“ zeichnete dafür verantwortlich und wechselte im Angesicht des Krieges Russland gegen die Ukraine ihre Zielsetzung. Nun ging es nicht mehr vorrangig um Querdenker und Rechtspopulisten, die die Angst vor Corona ausnutzen wollen, vielmehr setzten die Menschen ein großes Zeichen gegen den Krieg und für den Frieden. Das Mitgefühl mit den ukrainischen Zivilisten, die jetzt Gewalt und Flucht ausgesetzt sind, bestimmte den Nachmittag.

Friedliches Miteinander

Neben Bürgermeister Jürgen Hennemann, der die Interessen der Initiative vertritt, zeigten Pfarrer Rudolf Theiler, die Bürgermeister Helmut Dietz (Untermerzbach) und Karl-Heinz Kandler (Kirchlauter) sowie Gemeinde-, Stadt- und Kreisräte mit ihrer Anwesenheit Flagge und demonstrierten gegen den Krieg in der Ukraine und für ein friedliches Miteinander. Ursprünglich war angedacht, ein „buntes Zeichen“ mit Masken und Kostümen zu setzen. Wegen dem Krieg wurde jedoch umgeplant und eine „Menschenkette für den Frieden“ ausgerufen.

Es gehe gegen Aggression und Krieg betonte Hennemann und ergänzte: „Wir wollen die tatsächliche Lage in Ebern darstellen, eine offene, solidarische Gesellschaft, die bunt ist, in der sich die Menschen mit Respekt begegnen, sich gegenseitig helfen und schützen.“ Viele Menschen sind sehr bewegt angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffs auf die Ukraine. Nicht vergessen ist aber auch das Missfallen gegenüber den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen.

Regimekritische Äußerungen werden in Russland zensiert

Paulina und ihr bester Freund Marco trugen ein Banner: „Wir wollen uns gegen Krieg und Rassismus einsetzen und verurteilen das Gedankengut, das Corona-Querdenker verbreiten.“ Ein Ehepaar im mittleren Alter war gekommen, um Frieden und Demokratie in der Ukraine zu fordern und sich gegen „Irrungen und Wirrungen des Geistes“ zu stellen.

Laura und Jasmin aus Ebern fühlen sich gleich doppelt betroffen. Laura arbeitet an der Universität in Bamberg und bekommt dort das Drama in der Ukraine hautnah mit. Nach ihren Informationen bekunden einige deutsche Studenten in Kiew ihre Solidarität mit den einheimischen Hochschülern und bleiben trotz Ausreiseaufruf vor Ort. Am eigenen Leib hat Laura erfahren, dass regimekritische Posts in russischen sozialen Medien sofort zensiert und gelöscht werden: „Innerhalb weniger Minuten war mein Beitrag nicht mehr zu lesen.“

Zusätzlich leiden die Freundinnen unter den wöchentlichen Corona-Demonstrationen mit Beteiligung der rechten Szene. „Die laufen direkt unter unserem Fenster vorbei, und man kommt sich fast vor wie zu Hitlers Zeiten, wenn man das Getrommel und die Rufe hört“, sagte Jasmin, die auch deshalb an der Menschenkette teilgenommen hat.

Gemeinden bereiten sich auf Ukraine-Flüchtlinge vor

Etwa eine halbe Stunde harrten alle Anwesenden aus und bekräftigten mit ihrer Standfestigkeit ihren Protest. Zum Abschluss der Veranstaltung, die ordnungsgemäß als Demonstration angemeldet war und bei der alle Corona-Hygieneauflagen eingehalten wurden, holte Werner Scharf seine Trompete hervor und blies eine Abschiedsmelodie. Dem Musiker aus dem evangelischen Posaunenchor Ebern hallte ein großer Applaus für sein Mitwirken entgegen.

Inzwischen bereiten sich die Städte und Gemeinden zur Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine vor. „Wir kümmern uns um gemeindliche Notunterkünfte in Turnhallen und nicht genutzten Gebäuden“, sagte Bürgermeister Jürgen Hennemann, der bereits alle Eigentümer von leer stehenden Bundeswehrliegenschaften in der Kaserne angesprochen hat. „Alle haben sich positiv zurückgemeldet und unterstützten, wenn notwendig.“ Wie der Knetzgauer Bürgermeister Stefan Paulus appelliert auch Jürgen Hennemann an alle Bürger, Zimmer und Wohnungen zu melden und sich an den Spendenaufrufen der Hilfsorganisationen zu beteiligen.

Landkreis Haßberge sucht Wohnungen für Flüchtlinge

„Wir möchten Menschen aus der Ukraine, die in unseren Landkreis Haßberge kommen, schnell und unbürokratisch mit einer Unterkunft und weiterer Unterstützung zur Seite stehen“, sagt Landrat Wilhelm Schneider.

Zur Organisation gibt es im Landratsamt schon eine Koordinierungsgruppe mit Vertretern von Sozialhilfeverwaltung, Ausländerbehörde und Katastrophenschutz. Um bestmöglich vorbereitet zu sein, arbeitet das Landratsamt eng mit seinen 26 Kommunen und dem Migrations-Netzwerk (die örtlichen Hilfsorganisationen wie BRK und Caritas sowie die ehrenamtlichen Flüchtlingshelferkreise) zusammen. Es besteht zudem enge Abstimmung mit der Regierung von Unterfranken.

Im Landkreis und in allen Kommunen werden aktuell Unterkunftsmöglichkeiten geprüft. Derzeit ist schwer einschätzbar, wie viele Kapazitäten sowohl kurz, als auch mittel- bis langfristig benötigt werden.

Ansprechpartner

  • Bürger, die Räumlichkeiten für die Kriegsflüchtlinge zur Verfügung stellen können, werden gebeten, sich per E-Mail an integration@hassberge.de zu wenden oder telefonisch unter der Rufnummer 09521/27168 mit dem Landratsamt Haßberge Kontakt aufzunehmen. Obendrein wird über den Tourismusverband geprüft, welche Ferienwohnungen als Unterkünfte genutzt werden können.
  • Bürger, die sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagieren wollen, melden sich bei der Ansprechpartnerin, der hauptamtlichen Integrationslotsin Siza Zaby, Telefon 09521 27152.
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