Die Investitionen in einen der größten Solarparks Bayerns, in eine Nahwärmeversorgung und Infrastruktur, wie Ladesäulen, hat Bundorf nun auch auf Bundesebene ins Licht der Öffentlichkeit gerückt.
Bei der Wahl zur Energie-Kommune des Jahres 2024 hat der 930-Seelen-Ort im nördlichen Landkreis Haßberge am Montag den zweiten Platz belegt, knapp hinter Chemnitz mit rund 250.000 Einwohnern. Den dritten Platz belegte Tübingen, das rund 90.000 Einwohner zählt.
1920 Stimmen für Bundorf
Die Agentur für Erneuerbare Energien in Berlin hatte den bundesweiten Wettkampf unter der Schirmherrschaft von Bundesminister Robert Habeck ausgeschrieben. Stimmen konnten über die Internetplattform der Agentur abgegeben werden. 2030 Stimmen fielen auf Chemnitz, 1920 Stimmen auf Bundorf und 1265 Stimmen erhielt Tübingen.
Es war eine knappe Kiste, wenn man die absoluten Zahlen in Prozent umrechnet: Dann kommt der Sieger Chemnitz auf 39 Prozent der Stimmen, das kleine Bundorf bleibt mit 37 Prozent nur knapp dahinter, und für Tübingen reicht es mit 24 Prozent für Platz 3.
Online-Videokonferenz
Die Verleihung fand im Rahmen einer Online-Videokonferenz statt. Die drei Sieger erhalten zwar kein Geld, aber Urkunden und Schilder für ihr positives Abschneiden.
Michael Kellner, parlamentarischer Staatssekretär und Mitglied des Bundestags, betonte, dass der Anteil der erneuerbaren Energien im vergangenen Jahr mit über 50 Prozent auf einem Rekordniveau lag. In diesem Jahr werde die 60-Prozent-Marke anvisiert. Im Strombereich habe Deutschland das Klimaziel erreicht. Im Bereich der Gebäudesanierungen und Verkehr hinke Deutschland noch hinterher.
Land ohne Ende
Bundorf, die am dünnsten besiedelte Gemeinde Westdeutschlands, habe „Land ohne Ende“, sagte Bundorfs Bürgermeister Hubert Endres.
Den Vorwurf, dass wertvolles Ackerland für die Stromgewinnung und nicht für die Lebensmittelerzeugung genutzt werde, konterte er mit der Tatsache, dass in Deutschland statistisch gesehen rund ein Drittel der Lebensmittel im Müll landeten.
Zudem würde der Solarpark auf 125 Hektar schlechtem Ackerboden stehen. Endres forderte einen weiteren Ausbau des Stromnetzes, denn teilweise könne der in Bundorf erzeugte Strom nicht abgenommen werden. „Aus der grauen Maus Bundorf wurde ein Elefant“, schloss er seinen Vortrag.
Knapper Vorsprung
Klassenprimus wurde mit knappem Vorsprung Chemnitz, das „sächsische Manchester“, wie die städtische Mitarbeiterin Carina Kühnel, sagte. Dort seien die Emissionen seit 2005 gesunken. Im Jahr 2040 will die Stadt CO2-neutral sein. Alle 287 städtischen Gebäude sind oder werden mit Photovoltaik ausgerüstet. Die Stadt hat einen eigenen Windpark mit sieben Windrädern und beschäftigt sich stark mit der Nutzung von Wasserstoff.
„Ich freue mich sehr, auch im Sinne unserer vielen Partner und engagierten Bürger in der ganzen Stadt“, sagt Carina Kühnel, Amtsleiterin Umweltamt Chemnitz. „Es zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, auch wenn dieser nicht immer so einfach ist. Und ich gratuliere natürlich auch den anderen beiden Kommunen. Es ist wirklich eine wichtige Auszeichnung für uns.“ „Die Bürger haben es sich nicht einfach gemacht, aber sie haben entschieden“, sagt AEE-Geschäftsführer Dr. Robert Brandt.
Entschlossener Ausbau
„Durch den entschlossenen Ausbau Erneuerbarer Energien, die Vorreiterrolle in der Wasserstoffforschung, die kreative Nutzung urbaner Dachflächen und die starke Einbindung der Bevölkerung beweist Chemnitz, dass Klimaschutz, Kultur und wirtschaftliche Stärke Hand in Hand gehen können. Eine Kommune, die nicht nur nachhaltige Energie produziert, sondern auch eine ganze Region inspirieren“.
Tübingen hat seit 2007 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent reduziert. Seit Jahren gibt es ein Rad-Konzept mit der längsten Radbrücke Deutschlands, nämlich 378 Meter.
Überzeugungsarbeit für Energiewende
Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) mit Sitz in Berlin leistet nach eigener Darstellung Überzeugungsarbeit für die Energiewende. „Wir stellen Chancen und Vorteile einer nachhaltigen Energieversorgung vor und werben innerhalb der Gesellschaft für mehr Akzeptanz“, schreibt der Geschäftsführer Robert Brandt auf der Homepage. Die Agentur legt Wert auf die Feststellung, dass sie nicht von der öffentlichen Hand finanziert wird.
„Als Experten in wissenschaftlicher Analyse, Energiewirtschaft und -politik sowie als Kommunikationsprofis und Veranstaltungsmanager arbeiten wir daran, die Menschen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu begeistern“, heißt es weiter auf der Homepage.









