Diskussion
Nutzen und Schaden von Solarfeldern in Treinfeld
Es ist eine Fotomontage, aber so könnte der „Solarpark Treinfeld“ in der Landschaft liegen.
Es ist eine Fotomontage, aber so könnte der „Solarpark Treinfeld“ in der Landschaft liegen.
Foto: Günther Geiling
Treinfeld – Ein Interessenkonflikt: Energie wollen alle, aber in Treinfeld sind die Bürger nicht begeistert von einem weiteren Freiflächenphotovoltaikprojekt.

Die Gemeinde Rentweinsdorf nimmt in Sachen Photovoltaik ohne Zweifel eine Vorreiterrolle ein, denn vor circa zehn Jahren entstand schon die Anlage in Hebendorf mit rund 45 Hektar. Und nun will Siegfried Dürr auf seinem Grundstück einen Solarpark errichten. Bei einer Bürgerversammlung im „Brauhaus“, zu der 50 Interessierte gekommen waren, wurde über das Für und Wider von Solarmodulen in der freien Landschaft diskutiert.

Bürgermeister Steffen Kropp (SPD) freute sich über das große Interesse und ließ durchblicken, dass er nichts gegen den geplanten „Solarpark Treinfeld“ als zukunftsorientiertem Projekt für die Gemeinde, aber auch für das Klima einzuwenden hätte. Kropp sagte: „Mit dieser Infoveranstaltung wollen wir eure Meinung hören, denn wir wollen mit und für unsere Bürger arbeiten und nicht dagegen. Für die Gemeinde wäre es ein kleines Zubrot, wenn wir daraus Gewerbesteuer erhielten.“

Ein inhabergeführtes, mittelständisches Photovoltaik-Unternehmen mit Sitz in Nürnberg soll die Solaranlage errichten

Dürr berichtete, dass er nach einer Veranstaltung mit GUT-Geschäftsführer Marco Siller Interesse angemeldet habe und zu dieser Zeit noch ein Partner dabei gewesen sei. Nun habe er das Projekt selbst mit der „Greenovative GmbH“ ins Rollen gebracht. Projektingenieur Daniel Birkmair stellte diese Firma als ein inhabergeführtes, mittelständisches Photovoltaik-Unternehmen mit Sitz in Nürnberg vor. Man habe schon 600 Projekte umgesetzt, sei auch bei Adidas oder den Edeka-Märkten in Bayern dabei, habe somit schon 30 Solarparks errichtet und sei gegenwärtig mit rund 50 Projekten in der Bauleitplanung. „Dabei wickeln wir alles komplett ab, akquirieren die Flächen, bauen die Anlagen und betreiben sie auch selbst“. Zögerlich zu sein, sei keine Option. Denn der Stromverbrauch werde steigen.

Wesentlicher Vorteil einer Freiflächenphotovoltaikanlage ist die Bürgerbeteiligung

Der Ingenieur nannte als wesentlichen Vorteil die Bürgerbeteiligung: „Jeder kann mitmachen, der in Treinfeld wohnt.“ Die Beteiligungssumme liege zwischen 1000 und 25.000 Euro und die Verzinsung richte sich nach den Laufzeiten, bei fünf Jahren 3 Prozent, bei zehn Jahren 3,5 Prozent und bei 15 Jahren 4 Prozent. Zeichnungsberechtigt seien alle volljährigen Bürger und er könne sich eine Beteiligungsplattform mit 300.000 bis 400.000 Euro vorstellen.

Dem schloss sich eine ausführliche und rege Diskussion an, bei der man spürte, dass hier Erfahrungen mit dem Bau der ersten Solaranlage in Hebendorf mit einflossen. Die Diskussionsbeiträge gingen dabei in jede Richtung, wurden aber sehr sachlich, wenn auch manchmal sehr pointiert vorgetragen. Ein Gegenargument: Überschwemmungen durch Starkregen hätten zugenommen, eine Freiflächensolaranlage könnte diese verstärken. Birkmair konnte hier mit einer hydraulischen Fließpfadanalyse kontern. Eventuell könnte man für mehr Schutz ein Rückhaltebecken anlegen, sagte er.

„Nicht noch mehr landwirtschaftliche Flächen zupflastern“

Ein junger Bürger forderte: „Wir dürfen nicht noch mehr landwirtschaftliche Flächen für solche Anlagen verwenden. In Treinfeld haben wir schon 25 Photovoltaikflächen auf den Dächern mit rund 300 000 Kilowattstunden, die 60 Haushalte versorgen können. In der Gemeinde haben wir noch zwei Wasserwerke, Biokraft- und Photovoltaikanlagen.“

Die Infoveranstaltung der Gemeinde Rentweinsdorf zum Solarpark Treinfeld  stieß auf großes Interesse.
Die Infoveranstaltung der Gemeinde Rentweinsdorf stieß auf großes Interesse.
Foto: Günther Geiling

Ein Landwirt ergänzte: „Wenn wir weiter zubauen, dann holen wir unsere Nahrungsmittel noch mehr aus Südamerika. Warum bauen wir keine Anlagen auf versiegelte Flächen wie Fabriken oder an Autobahnen? Wir brauchen drei Dinge zum Leben: Luft, Wasser und was zum Essen. Und wenn eines fehlt, ist es schon passiert.“ Es gefalle ihm nicht, wenn er spazieren gehe oder mit dem Rad fahre und die ganze Heimat zugepflastert sei. „Es ist ein Fehler und der wird sich rächen.“

Ein anderer Landwirt kritisierte die Auswirkungen von Solaranlagen auf den landwirtschaftlichen Pachtpreis. „Die aktiven Landwirte müssen dann immer mehr Pacht bezahlen.“ Hier wurde auch der Staat kritisiert für seine Subventionen, anstatt die Erzeugerpreise für Landwirte zu erhöhen. Deswegen sollte man erst die Dachflächen berücksichtigen und dann erst landwirtschaftliche Flächen. Eine Entgegnung hierauf war, dass Freiflächen den effektivsten Strom produzieren oder bei Dachflächen oft die Statik nicht ausreiche.

Planungsingenieur Daniel Brinkmayr stand Rede und Antwort auf alle Fragen zum Solarpark Treinfeld..
Planungsingenieur Daniel Brinkmayr stand Rede und Antwort auf alle Fragen.
Foto: Günther Geiling

Die Zuhörer hatten noch viel mehr Fragen. Daniel Birkmair blieb keine Antwort schuldig und stellte ganz klar fest: „Bei Solarparks ist immer der Betreiber verantwortlich. Wir haften selbst und haben deswegen immer ein Auge darauf, dass alles klappt und immer ein Ansprechpartner da ist.“ Zur Lebensdauer einer solchen Anlage führte Birkmair aus, dass sie auf 30 Jahre begrenzt sei, auch wenn manche Module 30 bis 40 Jahre halten sollten. Die Anlage könne dann aber auch gut recycelt werden. Hinsichtlich des Wassers und der Auswirkungen von Starkregenereignissen wolle man Untersuchungen abwarten und wenn notwendig ein Rückhaltebecken bauen.

„Was wird dann aus den Jagdgenossenschaften?“

Auch der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft wies auf Probleme hin, wenn die Herausnahme von Flächen dazu führe, dass es keine Jagdgenossenschaft mehr gebe oder sie mit einer anderen verschmolzen werde. Für das Bestehen einer Jagdgenossenschaft gelte nämlich eine Mindestfläche von 278 ha. In Treinfeld sollte das bei einer Solarfläche von 3,4 Hektar keine Auswirkungen haben.

Schließlich ging es ums Geld und es kam die Frage auf: „Wer sich finanziell beteiligt, hat einen Vorteil. Aber was ist mit dem, der das nicht kann? Für den müsste eigentlich der Storm etwas billiger werden.“ Bürgermeister Steffen Kropp teilte hierzu mit, dass das bisher nicht gehe, aber der Gemeindetag an dem Thema dran sei, dass auf solchen Flächen Bürgergeld bezahlt werde und der Nachteil unter anderem auch von Städten zu tragen sei. „Wir werden die Städte mit Strom versorgen müssen und da soll auch etwas für das Land herausspringen.“

Einige Entscheidungen über Solarparks stehen in Rentweinsdorf an

Bürgermeister Steffen Kropp und die Marktgemeinderäte konnten sich bei der Versammlung ein umfassendes Bild von der Meinung der Bürger machen und müssen nun in einer der nächsten Sitzungen entscheiden. Dabei wird es nicht nur um diesen „Solarpark Treinfeld“ gehen, sondern auch um einen weiteren Solarpark in Salmsdorf und den „Solarpark Hasenleite“ mit 43 Hektar in Rentweinsdorf. Dagegen steht bisher ein Beschluss des Marktgemeinderates, dass die Flächenhöchstgrenze von 5,7 Prozent bzw. 60 Hektar nicht überschritten werden darf.

Daten zum geplanten „Solarpark Treinfeld“

Der „Solarpark Treinfeld“ soll auf der Fläche mit der Flur-Nr. 70 gebaut werden und 3,4 Hektar groß werden. Er könnte 834 Haushalte komplett versorgen. Die Modulfläche wird etwa 2,8 Hektar betragen, 20 Prozent werden für eine Ausgleichsfläche gebraucht. Der Stromertrag ist mit 2922 MWh pro Jahr bei einer Nennleistung von ca. 2706 MWp angegeben. Die CO2-Einsparung ist mit 1791 Tonnen pro Jahr ausgewiesen. Als Planungs- und Bauzeit sind mit zwölf bis 14 Monate veranschlagt.

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