Amtsgericht
Wer drängte Mutter mit Baby von der Straße?
Auf der Strecke Haßfurt Wonfurt sind schon öfters Unfälle passiert. Im Vergleich mit einem anderen Unfall, bei dem dieses Bild entstand, ist der jungen Mutter nicht viel passiert. Zum Glück. Dem mutmaßlichen Unfallverursacher konnte letztlich die ...
Auf der Strecke Haßfurt Wonfurt sind schon öfters Unfälle passiert. Im Vergleich mit einem anderen Unfall, bei dem dieses Bild entstand, ist der jungen Mutter nicht viel passiert. Zum Glück. Dem mutmaßlichen Unfallverursacher konnte letztlich die Schuld nicht anchgewiesen werden.
Christian Licha
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
LKR Haßberge – Am 31. Mai 2022 verunglückt eine junge Frau mit ihrem Kind, weil ein anderer Autofahrer auf ihre Fahrbahnseite fährt. Die Gerichtsverhandlung endet unbefriedigend.

Den 31. Mai dieses Jahres kann eine 26-jährige Mutter aus dem Landkreis wohl künftig als ihren zweiten Geburtstag feiern. Als sie gegen 18 Uhr abends von Wonfurt nach Haßfurt fährt, kommt ihr in einer Kurve ein Fahrzeug auf ihrer Fahrspur entgegen. Sie lenkt immer weiter nach rechts und landet schließlich mit ihrem dreijährigen Kind im Graben. Sie wird am Knie und Fuß verletzt und hat rund drei Monate lang Schmerzen. Ihr Kind erleidet Hämatome im Gesicht und trägt einen Schock davon.

Glück im Unglück: ihr Opel Astra überschlägt sich bei dem Ausweichmanöver nicht, sondern landet unbeschadet im Graben. Der Unfallverursacher fährt danach unbeirrt weiter.

Da sie sich einen Teil des Autokennzeichens und das Gesicht des Falschfahrers merkt, schließt ihr Freund auf einen möglichen Verdächtigen. Der erhält daraufhin einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegt – mit Erfolg: Bei der Verhandlung am Amtsgericht am Mittwoch stellt das Gericht das Verfahren ein. Als Auflage muss der Angeklagte 1000 Euro Schmerzensgeld an die Geschädigte zahlen.

Der Grund für die Einstellung war, dass das Gericht dem Angeklagten die Tat nicht eindeutig nachweisen konnte. Der 78-jährige Angeklagte sagte vor Gericht, er sei damals zum Einkaufen nach Haßfurt gefahren, habe aber weder auf der Hin- noch auf der Rückfahrt ein Auto im Graben gesehen. Auf die linke Fahrbahnspur sei er nicht gefahren.

„Nicht bei der Sache“

Anders lautete die Aussage der Geschädigten. Der Angeklagte habe sie – als sie bereits im Graben gelandet war – angeschaut und sei weitergefahren. „Ich hatte das Gefühl, er war nicht bei der Sache“, sagte sie vor Gericht. Der Angeklagte sei danach noch ein Stück auf der linken Fahrbahn weitergefahren. Obwohl der Augenkontakt nur Sekundenbruchteile dauerte, habe sie sich sein Gesicht gemerkt und erkenne ihn „zu tausend Prozent“ wieder, sagte sie im Zeugenstand.

Der Verteidiger warf ein, dass in der Nachbarschaft des Angeklagten ein Mann mit denselben Kennzeichen-Bruchstücken und gleichen Alters wohne. Vielleicht liege doch eine Verwechslung vor.

Der ermittelnde Polizist sagte, dass die Uhrzeiten nicht zusammenpassten. Der Angeklagte gab an, er sei gegen 16 Uhr zum Einkaufen gefahren. Der Unfall passierte jedoch gegen 18 Uhr.

Da der Angeklagte nicht vorbestraft ist und auch keinen Eintrag im Fahreignungsregister hat, stellte das Gericht das Verfahren ein.

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