Ein in Forchheim gemeldetes Pärchen musste sich am Mittwoch wegen einer Serie an Einbrüchen im Raum Ober- und Mittelfranken vor dem Landgericht Nürnberg verantworten. Geld und Diebesgut im Wert von rund 264.000 Euro soll das Paar zwischen Dezember 2021 und September 2022 erbeutet haben.
Ziel der Einbrüche waren in der Regel Zahnarzt- sowie Facharztpraxen und private Wohngebäude. Die meisten Taten begingen der 38-Jährige und seine 46 Jahre alte Partnerin laut Anklageschrift im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Wie es dazu kam, erklärte die Frau bereits am ersten Prozesstag ausführlich. Insgesamt 26 Taten listet die 24-seitige Anklageschrift auf, für deren Verlesung die Staatsanwaltschaft gut eine Stunde brauchte.
Dreizehnmal schlug das Duo demnach im Kreis Erlangen-Höchstadt zu, viermal in Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim, dreimal im Bamberger Land sowie zweimal im Raum Forchheim.
Über Facebook kennengelernt
Hinzu kamen vier weitere Taten in anderen Regionen Nordbayerns. Nach Verlesung der Anklage und einer gescheiterten Verständigung zwischen dem Gericht und den Verteidigern der beiden Angeklagten entschied sich die 46-Jährige zu einem vollumfänglichen Geständnis.
„Anfangs wollte ich das alles gar nicht, und dann war ich mittendrin und wollte ihn nicht verlieren“, erklärte die dreifache Mutter. Folglich habe sie weiter mitgemacht.
Kennengelernt habe sich das Paar, wie sie erklärte, bereits Anfang Juni 2021 über das soziale Netzwerk Facebook. Ausgegangen sei der Kontakt von ihrem späteren Partner.
Laut seinem Profil sei er „Jurist“ gewesen. Tatsächlich befand er sich zu diesem Zeitpunkt jedoch aufgrund einer anderen Einbruchserie in einer Justizvollzugsanstalt bei Krefeld.
Schwere Kindheit
Erst mit der Zeit habe er sich ihr geöffnet. Als sie erfuhr, dass er sich im Gefängnis befinde, sei sie erleichtert gewesen.
Das habe ihn für sie – die bereits „zwei Ehen in den Sand gesetzt“ habe – nahbarer gemacht. Seine Haft habe er damit begründet, dass er in der Vergangenheit stets auf die falschen Frauen hereingefallen sei – sowie mit seiner schweren Kindheit.
„Er hatte nie eine Familie – die wollte ich ihm bieten“, berichtete sie. Nach ersten persönlichen Treffen habe sie ihn für mehrere Hafturlaube aus der Justizvollzugsanstalt abgeholt und ihm ihre Heimat gezeigt.
Infolge dieser Besuche habe schließlich die Einbruchserie begonnen. Das erste Opfer – dessen Fall nicht in der Anklageschrift gelistet war – sei ihr Ex-Mann gewesen.
Touren durch Franken
Dieser habe sie schlecht behandelt und sich folglich als Einstieg angeboten. Das zweite Opfer hingegen habe sie nicht persönlich gekannt.
Während einer ihrer gemeinsamen Touren durch Franken habe das Paar kurz vor Neujahr in Burghaslach per Zufall eine Frau mit Taschen vor einem Haus gesehen. Später seien sie und ihr Liebhaber dann zu dem Haus zurückgekehrt.
Dort sei er ausgestiegen und für einige Stunden verschwunden. „Ich selbst habe im Auto gewartet“, berichtete sie.
So sei das auch bei den anderen Einbrüchen gelaufen. „Dabei habe ich mir aufgrund der Kälte etliche Blasenentzündungen eingefangen“, erklärte die Angeklagte.
35.000 Euro gestohlen
Als ihr Partner zurückgekehrt sei, habe er ihr schließlich zugerufen: „Fahr! Fahr! Fahr!“. Was er genau erbeutete, habe sie erst später erfahren.
Tatsächlich handelte es sich unter anderem um zwei EC-Karten, mit welchen das Paar noch am selben Abend begann, Abbuchungen zu tätigen. Mit insgesamt 24 Vorgängen gelang es dem Duo, insgesamt rund 35.000 Euro von den Konten ihres ahnungslosen Opfers abzuheben.
Auch hier gab die Frau wieder an, ihren Gefährten lediglich zur Bank gefahren zu haben. Generell versuchte sie, ihre Mitläuferrolle zu unterstreichen.
So sei ihr das ständige Auskundschaften von Häusern irgendwann zu anstrengend geworden. „Ich war müde“, erklärte sie.
Einbruch in Gaststätte in Pommersfelden
Das habe für Streit in der Beziehung gesorgt. „Ich wollte abends auch einfach mal gemeinsam auf dem Sofa sitzen – so wie normale Leute. Oder mal gemeinsam etwas unternehmen“, betonte sie.
Das sei mit ihrem 38-jährigen Partner aber leider nicht möglich gewesen. Folglich habe sie weiter im Auto auf ihn gewartet.
Nur ein einziges Mal sei sie ausgestiegen. Da habe ihr Partner sie bei einem Einbruch in eine Gaststätte in Pommersfelden gebeten, beim Tragen eines schweren Wandsafes zu helfen.
Dazu sei sie jedoch nicht in der Lage gewesen, weshalb die beiden den Safe letztendlich bei der Flucht zurückgelassen hätten. Zu glauben schien das Gericht ihr diese Rolle aber nicht.
Das letzte Wort
Wie sich im Zuge der Vernehmung herausstellte, handelte es sich bei zahlreichen der Ziele nämlich um Personen aus ihrem persönlichen Umfeld. So bestahl das Paar, bevor es von Adelsdorf nach Forchheim zog, neben dem Ex-Mann auch einen direkten Nachbarn der Frau, gegen den sie eine „starke Antipathie“ hegte.
Außerdem plünderten die beiden ein Ärztehaus, in dem sich die 46-Jährige in Behandlung befunden hatte, sowie die wohlhabende Mutter einer Freundin. „Das letzte Wort hatte jedoch stets ihr Partner“, betonte der Anwalt der Angeklagten.
Im Gegensatz zu seiner Partnerin war der 38-jährige Angeklagte, für den die Staatsanwaltschaft in der Verständigung eine zweistellige Haftstrafe gefordert hatte, am ersten Prozesstag nicht zu einer Aussage bereit. Stattdessen erklärte der „Jurist“ dem Richter, dass er verärgert darüber sei, nicht öfter mit seiner Familie telefonieren zu können, die ihm einen neuen Anwalt organisieren solle.
Seit seiner Verhaftung vor gut einem Jahr habe er lediglich zweimal bei ihnen anrufen dürfen. Die Fortsetzung des Prozesses findet am 12. Oktober statt.
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