Der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg sowie der Angriff in Aschaffenburg vor wenigen Wochen, bei dem ein Kind getötet wurde, lassen einmal mehr die Frage nach der Sicherheit aufkochen. Gerade im Hinblick auf die bevorstehenden Faschingszüge, bei denen große Menschenansammlungen an der Tagesordnung sind, stellt sich die Frage: Wie kann man hier die Sicherheit gewährleisten?
Einzelne Vereine in Deutschland haben bereits beschlossen, ihren Faschingsumzug abzusagen, so zum Beispiel in Kempten. In Erlangen-Höchstadt ist von solch einer Überlegung jedoch nicht die Rede, wie die Faschingsvereine und Stadtverwaltungen auf Anfrage der Redaktion mitteilen.
Brucker Gaßhenker: Keine weiteren Maßnahmen nötig
„Wir machen den Umzug ganz normal wie immer“, bestätigt Philipp Möhring, Zugleiter bei den Brucker Gaßhenkern. Zwar sei der Verein immer in Kontakt mit der Polizei, um sich abzustimmen. „Aber bei uns sind neue Maßnahmen örtlich bedingt eigentlich nicht notwendig. Es seien alle Zufahrtswege zum Zug mit Feuerwehrfahrzeugen abgeriegelt. Das ist anders als bei anderen Städten, wo dann vielleicht nur eine Schranke steht.“
Die Sicherheitsanforderungen seien ohnehin sehr hoch. Vier bis sechs Ordner müssen in der Regel pro Gespann mitlaufen. „Man sagt eigentlich ungefähr ein Ordner pro Reifen. Bei sehr langen Gespannen können das auch mal acht Personen sein“, so Möhring. Diese zu organisieren, sei eine Herausforderung. „Manchmal laufen Aktive mit, die selbst nicht auf einem Wagen mitfahren, oder Eltern und Großeltern von der Jugendabteilung.“ Aber gerade bei Gastgruppierungen oder kleineren Vereinen sei es oft eine Hemmschwelle, dass es für die Ordner relativ strenge Auflagen gibt. „Natürlich wollen alle selbst mitfeiern. Aber Ordner müssen gekennzeichnet sein, mit einer Warnweste, sie dürfen sich nicht maskieren, nicht mitfeiern. Das schreckt viele ab.“
Die Faschingstermine im Landkreis finden Sie hier:
Außerdem tragen Ordner eine große Verantwortung. Durch die Streckenführung habe man in Erlangen aber einen Vorteil. „Ich kenne da andere Umzüge, wo die Kinder auf einen halben Meter an die Wägen herankommen. Das ist bei uns nicht so, da sind die Straßen sehr breit“, so Möhring. Auch die Besucher seien in der Regel sehr umsichtig. Große Sorgen um die Sicherheit macht er sich daher nicht. „Gott sei Dank sind jetzt keine weiteren Anforderungen gekommen, sonst wird das sehr kompliziert. Ich denke, wir haben da ein gutes Mittelmaß gefunden“, ist er überzeugt.
Gaudiwurm Höchstadt findet wie geplant statt
Auch die Stadt blickt relativ gelassen auf die Veranstaltung. „Zum Faschingsumzug in Erlangen-Bruck am Sonntag, 2. März, liegen zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei konkrete Gefährdungshinweise vor. Eine Absage des Faschingsumzuges war bzw. ist daher aktuell nicht in der Diskussion“, schreibt die Pressestelle auf Nachfrage.
Konkrete neue Maßnahmen wird es auch beim Gaudiwurm in Höchstadt in diesem Jahr nicht geben. „Wir passen das Sicherheitskonzept immer wieder an“, erklärt Bürgermeister Gerald Brehm. „Man ist oft geneigt alles abzusagen nach schlimmen Ereignissen. Aber wir können nicht alles einstellen.“ Passieren könne trotz aller Vorsorge immer etwas, so der Bürgermeister weiter. „Es wäre blauäugig zu denken, dass es eine hundertprozentige Sicherheit gibt.“
Dennoch sei die Stadt immer darauf bedacht, ein schlüssiges Sicherheitskonzept zu formulieren, so auch bei anderen Veranstaltungen wie der Höchstadter Lichterfahrt. „Man muss aber auch darauf achten, dass man Rettungswege braucht, um die Sicherheit zu gewährleisten. In Magdeburg ist der Täter durch einen Feuerwehrrettungsweg reingefahren. Wenn man nun aber überall Baufahrzeuge als Hemmschwelle hinstellt und der Rettungsdienst kommt nicht vorbei, wenn etwas passiert, ist das auch nicht sinnvoll.“
Marktplatz für Faschingstreiben in Herzogenaurach gesperrt
Herzogenaurach hat zwar keinen eigenen Faschingsumzug, beim Faschingstreiben auf dem Marktplatz kommen aber dennoch viele Feierwütige zusammen. Auch hier gibt es derzeit keine geplanten Änderungen am Sicherheitskonzept. „Nicht erst seit dem furchtbaren Anschlag in Magdeburg“ seien die Behörden, die Polizei und die Veranstalter bemüht, öffentliche Veranstaltungen möglichst sicher, aber auch „angemessen in den dafür erforderlichen Maßnahmen“ durchzuführen, erklärt Marina Pilhofer vom Amt für Stadtmarketing und Kultur. Auch sie verweist aber darauf, dass „eine Veranstaltung nur dann zu 100 Prozent sicher wäre, wenn sie gar nicht stattfindet“.
Wie auch in den vergangenen Jahren sollen während des Faschingstreibens der Marktplatz für den Verkehr gesperrt und die Zufahrten mit Fahrzeugen des Bauhofs blockiert sein. „Darüber hinaus ist ein externer Sicherheitsdienstleister während der Veranstaltung im Einsatz“, so Pilhofer.
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