0
Polizei informiert
Terroraufruf: Wie sicher sind die Faschingsumzüge in ERH?
Gaudiwurm in Höchstadt
Hunderte Zuschauer kamen zum Höchstadter Gaudiwurm 2024. Noch bleibt abzuwarten, ob die Terroraufrufe in diesem Jahr die Leute davon abhalten werden, die Umzüge anzuschauen. // Filina Rieker/Archiv
LKR Erlangen-Höchstadt – Terroraufrufe überschatten die Faschingsfreude. Die Polizei gibt vorsichtig Entwarnung, ist aber dennoch in höchster Alarmbereitschaft.

In den kommenden Tagen soll die fünfte Jahreszeit auch in der Region mit den Faschingsumzügen in Erlangen und Höchstadt ihren Höhepunkt finden. Neben der Vorfreude und der immensen Arbeit, die die Vereine in die Vorbereitung stecken, mischt sich aber auch immer mehr Unsicherheit in die Stimmung – umso mehr seit ein Schreiben seitens der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) öffentlich wurde, das zu Anschlägen bei den Umzügen in Nürnberg und Köln aufruft.

Nun informiert die Polizei Mittelfranken in einem Schreiben über die aktuelle Lage. „Eine Bewertung durch den polizeilichen Staatsschutz und andere Sicherheitsbehörden ergab, dass keine Hinweise auf eine konkret stattfindende Anschlagstat vorliegen“, heißt es darin. 

Polizei hat keine konkreten Hinweise

Das bedeute nicht, dass man Anschläge zu hundert Prozent ausschließen könne, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums auf Nachfrage der Redaktion zugibt. „Es ist Teil dieser Propaganda, Unruhe zu schüren. Dahinter steckt kein richtiges Netzwerk, dass es sofort einen Täter gibt, der zuschlägt“, führt der Sprecher aus. „Sie suchen Leute, die gleichgesinnt sind. Aber die gefühlte Unsicherheit steigt ganz klar.“ 

Verschiedene Behörden hätten einen genauen Blick auf derlei Aktivitäten und würden versuchen, diese zu verifizieren. „Aber es ist im Moment so, dass wir keine Erkenntnisse haben, dass jemand etwas vorbereitet“, betont der Sprecher. Andernfalls gäbe es natürlich Maßnahmen bis hin zu einer Absage. 

Terroranschläge: Beamte sind sensibilisiert

Das Risiko eines Anschlags sei nicht erst seit den Taten in Magdeburg und München erhöht. „Wir sprechen leider seit Jahren davon, dass der islamistische Terror in Europa erstarkt, das ist traurige Realität“, so der Sprecher. Die Polizei spreche daher von einer „abstrakt hohen Gefahr“. Diese habe dazu geführt, dass Großveranstaltungen, wie Rock im Park oder der Nürnberger Christkindlesmarkt seit Jahren immer wieder ihre Sicherheitskonzepte angepasst hätten. 

Dazu gehöre, dass auch nun erneut mehr Polizei unterwegs, mehr Fahrzeuge im Einsatz sein werden. „Die Beamten sind auch viel besser sensibilisiert, als vor ein paar Jahren“, erklärt der Sprecher des Polizeipräsidiums. Das gelte nicht nur für die Vorbereitung. „Sie betrachten die Einschreitschwelle mit anderen Augen, wenn zum Beispiel ein Fahrzeug sich einer Barriere nähert. Sie sind sensibilisiert für Auffälligkeiten und wissen, wie sie im Falle einer Sicherheitsstörung handeln müssen.“ 

Bürgermeister Gerald Brehm: Keine hundertprozentige Sicherheit

Eine Absage der Faschingsveranstaltungen sei ohne konkrete Hinweise nicht ratsam. „Es kann nicht die Lösung sein, dass wegen diffusen Drohungen im Internet das öffentliche Leben auf null zurückgefahren wird“, sagt der Sprecher. „Die Täter haben vor, Angst zu schüren. Das gehört zum Terrorismus, es ist ein Stilmittel, mit dem sie spielen. Wir werden die Leute auch nicht vollends beruhigen können.“

Sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld nehme die Polizei mehr Unsicherheit in der Bevölkerung wahr. „Man kann sich darauf verlassen, dass wir uns sehr intensiv mit den Veranstaltern und Behörden auseinandersetzen und auch die Dienststellen im Landkreis nachbessern, wo sie können“, betont der Sprecher.

Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es dennoch nie, wie auch Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm im Hinblick auf den Höchstadter Gaudiwurm mehrfach zugab. Dennoch sei auch hier mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst ein ausführliches Sicherheitskonzept erarbeitet worden. Hier sollen beispielsweise 30 Mitglieder der Feuerwehr die Strecke absichern und die Polizei an den Einfahrtstraßen präsent sein. 

Mehr dazu hier:

Absage des Kinderfaschings in Nürnberg

In Nürnberg hingegen, wo am Sonntag der größte Faschingsumzug Mittelfrankens stattfindet, wird die Drohung im Internet sehr ernst genommen. Obwohl die Polizei hier kein erhöhtes Risiko sieht, verkündete die Stadt mittlerweile die Absage des Kinderfaschingszuges am Rosenmontag. „Viele Einrichtungen haben aus Sorge um die rund 900 teilnehmenden Kinder nach dem Anschlag in München und den jüngsten Drohungen im Netz ihre Teilnahme zurückgezogen“, heißt es. 

 

Inhalt teilen
  • kopiert!