„Das Licht ging aus. Auf einmal ein riesiger Knall. Dann war es stockdunkel. Dann hat man bloß noch Sirenen gehört“, sagt ein Lonnerstadter über die Ereignisse am vergangenen Wochenende.
Wie dieser Bewohner haben viele Bürgerinnen und Bürger im Umland am vergangenen Wochenende einen Schockmoment in Erlangen-Höchstadt erlebt. Am Freitag, 14. November, ist es zu einer Explosion an einer Trafostation im Höchstadter Ortsteil Weidendorf gekommen. Bilder von vor Ort zeigen, die immens die Detonation gewesen sein muss. Am unteren Teil der Trafotür klafft ein Loch. Was von der Metalltür übrig ist, ist verbogen und zerfetzt. Im Betonboden davor fehlt ein beachtliches Stück.
Durch den Schaden waren die Gemeinden Weidendorf, einige Straßen in Lonnerstadt sowie Sterpersdorf, Greiendorf und Greienmühle rund drei Stunden lang ohne Strom. Die für die örtliche Stromversorgung zuständige N-Ergie bestätigte den Ausfall für die Orte am Freitagabend von 20.44 Uhr bis 23.44 Uhr.
Großeinsatz der Feuerwehr: Trafostation in Erlangen-Höchstadt explodiert
Unser Leser aus Lonnerstadt möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Nachdem er am Freitagabend bei sich zu Hause die erste Kerze angezündet hatte, erreichten ihn kurze Zeit später die ersten Informationen über den Knall. Während er in sein Auto stieg, um bei seiner über 90 Jahre alten Verwandten nach dem Rechten zu sehen, war der Großeinsatz der Feuerwehr bereits in vollem Gange.
Mehrere Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Höchstadt, Lonnerstadt, Zentbechhofen, Etzelskirchen, Herzogenaurach und darüber hinaus wurden zu einem ABC-Einsatz (Einsatz bei atomaren, biologischen oder chemischen Stoffe) alarmiert.
Auch in Adelsdorf sei der „laute Knall in Weidendorf“ noch hörbar gewesen, wie dem Einsatzbericht der Feuerwehr Adelsdorf zu entnehmen ist. Zuerst wurde die Ursache des Knalls in Lonnerstadt vermutet. Dann konnten die Feuerwehrkräfte das stark beschädigte Trafogebäude in Weidendorf als Einsatzstelle lokalisieren.
Die Feuerwehr Adelsdorf auf Facebook:
Gesprengte Trafostation: Landeskriminalamt ermittelt
Weil es sich bei der Ursache nicht um einen technischen Defekt zu handeln schien, wurde noch am Freitag das Landeskriminalamt (LKA) in München für Untersuchungen hinzugezogen. Wie ein Sprecher des LKA mitteilte, hätten die Ermittler für Waffen- und Sprengstoffdelikte aus München noch in derselben Nacht mit der Spurensuche begonnen. „Wir gehen derzeit von einer Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion aus“, sagt der Sprecher. Weitere Informationen, zum Beispiel welche Art von Sprengstoff am Trafogebäude zum Einsatz kam, das alles sei derzeit noch Inhalt der laufenden Ermittlungen. Auch zur „Motivlage“ kann das LKA derzeit noch keine Angaben machen. Fest steht allerdings: Es gab laut dem LKA nur eine Explosion am Trafo in Weidendorf und keine zweite in Lonnerstadt. Und am Tatort habe man auch keine Drohne gefunden.
Trafoexplosion: Bürgermeister dementieren Spekulationen
„Es war eine Riesenaufregung“, sagt Regina Bruckmann (Freie Wähler), die Bürgermeisterin von Lonnerstadt. Auch sie hat die Explosion am Freitagabend gehört. Daraufhin setzte Bruckmann alle Hebel in Bewegung, um Bewohner zu informieren, sprach mit der Feuerwehr und ging von Tür zu Tür. Das Erlebnis habe gezeigt, „wie abhängig man vom Strom ist“, sagt Bruckmann. An derzeit kursierenden Vermutungen über die Explosion will sie sich nicht beteiligen. „Es ist auf alle Fälle kein Dummer-Jungen-Streich“, so Bruckmann.
Genauso sieht das auch Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm. „Wir halten uns an die Informationen, die von maßgebenden Stellen wie dem LKA kommen.“ Weit weg von Spekulationen sieht der Rathauschef dagegen die Notwendigkeit, „Infrastruktur zukünftig verstärkt zu einer Frage der Sicherheit zu machen.“
Explosion bei Höchstadt: Schaden im fünfstelligen Bereich
Auf Nachfrage teilte N-Ergie am Montag mit, dass noch nie ein ähnlicher Schadensfall im bayerischen Netz aufgetreten sei. Die Stromversorgung der betroffenen Gemeinden werde seit Freitagnacht durch Umschaltmaßnahmen sichergestellt. Wie schnell die Trafostation repariert werden kann, sei derzeit noch unklar. Laut N-Ergie bewege sich der Schaden in einem mittleren fünfstelligen Bereich.













