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Versorgungszentrum geplant
Ärztin in Mühlhausen: Bürger suchen neue Praxisräume
Die Ärztin Frauke Kosteletzky in Mühlhausen hat erfolglos nach neuen Räumlichkeiten gesucht.
Die Ärztin Frauke Kosteletzky in Mühlhausen hat erfolglos nach neuen Räumlichkeiten gesucht. // Filina Rieker
Mühlhausen – Eine Ärztin übernimmt in Mühlhausen eine Praxis, die nicht mehr zeitgemäß ist. Der Umbau ist aufwendig und passende Räume findet sie nicht. Nun möchten Bürger mit einem ungewohnten Vorhaben helfen.

Als im vergangenen Jahr der beliebte Hausarzt Holger Haller bekannt gab, dass er die Praxis in Mühlhausen aufgeben möchte, war dies für die Gemeinde ein sehr überraschender Schritt. Glücklicherweise fand sich mit der Ärztin Frauke Kosteletzky eine kompetente Nachfolgerin, sodass die Hausarztpraxis nahtlos weiterbetrieben werden konnte. „Wir sind froh, eine Ärztin im Ort zu haben. Das ist für Mühlhausen ein echter Mehrwert. Allerdings sind die Räumlichkeiten nicht mehr zeitgemäß und müssten – nicht zuletzt, um eine Barrierefreiheit zu ermöglichen – aufwendig saniert werden“, erläutert Reinhard Klaus, der zusammen mit vier weiteren engagierten Ortsansässigen eine Arbeitsgemeinschaft gegründet hat.

Ärztin Mühlhausen: Bürgergenossenschaft sucht Praxis

Nachdem Kosteletzky erfolglos nach neuen Räumlichkeiten in Mühlhausen gesucht hatte und auch die Diskussionen mit Bürgermeister Klaus Faatz (CSU) zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen sind, hat es sich die Arbeitsgemeinschaft zum Ziel gesetzt, zu prüfen, ob es für die noch zu gründende „Bürgergenossenschaft Mühlhausen“ stemmbar und wirtschaftlich wäre, Praxisräume in Mühlhausen zu errichten, die dann an Kosteletzky vermietet würden.

Der Treppenaufgang zur Praxis ist beschwerlich. Ein behindertengerechter Umbau ist nicht möglich.
Der Treppenaufgang zur Praxis ist beschwerlich. Ein behindertengerechter Umbau ist nicht möglich. // Filina Rieker

„Als die Idee einer Genossenschaft gereift ist, haben wir zuerst in der Gemeinde das grundsätzliche Interesse abgefragt. Wir sind von Tür zu Tür und haben die Leute über die vorliegende Problematik informiert und mit ihnen über ihre Bereitschaft, sich mit einer Kapitaleinlage an der Genossenschaft zu beteiligen, gesprochen. Die Resonanz war sehr positiv“, so die Arbeitsgemeinschaft.

Medizinisches Versorgungszentrum in Mühlhausen geplant

Angetrieben durch diesen Rückenwind wurden erneut Gespräche mit der Gemeinde gesucht, über potenzielle Grundstücke diskutiert und die ersten Schritte skizziert. Zudem beschäftigt sich die Arbeitsgruppe auch intensiv mit der Abwägung zur Rentabilität. Macht es beispielsweise Sinn, neben der Praxis weitere Wohnungen einzuplanen, um die Risikostreuung durch mehrere Mieteinnahmen zu minimieren?

Die Praxis befindet sich im oberen Stock des Rathauses  in Mühlhausen.
Die Praxis befindet sich im oberen Stock des Rathauses in Mühlhausen. // Filina Rieker

Man merkt schnell, dass man es nicht mit unerfahrenen Neueinsteigern zu tun hat. Ein Teil der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft hat sich in Mühlhausen in ähnlichen Projekten wie der Energiegenossenschaft „Bioenergie Markt Mühlhausen“ oder der Sanierung des Gasthauses „Bär“ über die „Kulturgemeinschaft Mühlhausen“ in der Vergangenheit bereits engagiert.

Kassenärztliche Vereinigung Bayern für MVZ

„Wir wollen nichts unversucht lassen, dass die medizinische Grundversorgung in Mühlhausen weiterhin gewährleistet ist. Wenn wir gemeinsam anpacken, kann dieses Projekt ein echter Gewinn für die ganze Gemeinde werden“, so die Meinung in der Arbeitsgemeinschaft. Auch auf Landesebene sieht man Handlungsbedarf, um flächendeckend die ärztliche Versorgung in Bayern zu gewährleisten.

„Beim 83. Bayerischen Ärztinnen- und Ärztetag in Lindau im Oktober wurde die Praxis- und MVZ-Gründung durch geführte Praxisverbünde, Vereine, Genossenschaften und andere gemeinwohlorientierte Strukturen ausdrücklich befürwortet. Gleichzeitig forderten die Delegierten die Staatsregierung, Kommunen und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns auf, die Gründung und den Betrieb gemeinnütziger MVZ aktiv zu fördern und zu unterstützen“, erläutert Florian Wagle vom Referat Kommunikation, Politik und Marketing der Bayerischen Landesärztekammer.

Mühlhausen: Förderung des Gesundheitsministeriums möglich

Medizinische Versorgungszentren (MVZ) als Genossenschaft sind bereits ein bewährtes Vorgehen, eine von Privatleuten initiierte Genossenschaft, die Praxisräume erbaut und an einen Arzt vermietet, stellt allerdings noch eine Besonderheit dar. „Ich finde es toll, dass man versucht, für Doktorin Kosteletzky eine gute Lösung zu finden. Wir sind so froh, dass wir eine Ärztin im Ort haben. Heute können wir noch fahren, aber wer weiß, was in einem Jahr ist“, verrät eine 78-jährige Mühlhausenerin. Die nächsten Schritte sind nun die Feststellung der Baukosten und die Klärung der Machbarkeit.

„Wenn es hierbei zu keinen Überraschungen kommt, könnten wir bald mit der Gründung der Genossenschaft und Vorverträgen starten“, verrät die Arbeitsgemeinschaft. Um die Bevölkerung von Anfang an in alle Planungsschritte einzubeziehen, wird eine Informationsveranstaltung angeboten. „Wir unterstützen und beraten, bei allem, was auf der Seele brennt. Zur Erörterung der Finanzierung, der Satzung oder ob es durch das Gesundheitsministerium die Möglichkeit einer Förderung gibt“, bietet auch Max Riedl vom Genossenschaftsverband Bayern Hilfe an.

Hausarztpraxis soll Gesundheitsversorgung in Mühlhausen sichern

Kosteletzky war es von Anfang an ein besonderes Anliegen, die Gesundheitsvorsorge in Mühlhausen langfristig zu sichern. In den jetzigen Räumlichkeiten ist das nicht machbar. „Die Praxis ist nicht barrierefrei erreichbar und ein hierfür nötiger Umbau ist leider nicht realisierbar. Ich habe mir einige Immobilien angeschaut, aber keine hat darauf gewartet, dass ich komme. Man hätte überall entsprechende Umbaumaßnahmen vornehmen müssen. Das wäre dann aber auch sehr zeitintensiv gewesen. Daher freue ich mich sehr über die Pläne der Arbeitsgemeinschaft und dass die Praxis damit zukunftsfähig aufgestellt wäre“, verrät die Landärztin glücklich über so viel Engagement aus der Gemeinde.

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