Auch, wenn der Winter schon langsam milden Temperaturen weicht, ist die diesjährige Krankheitswelle noch voll in Fahrt. Überall wird gehustet und geschnieft, und wen es nicht selbst erwischt, bei dem liegen Mitbewohner oder Nachwuchs flach. Entsprechender Hochbetrieb herrscht in den Arztpraxen in der Region.
Wer aktuell einen Termin braucht, muss Geduld mitbringen. Das zeigte auch der Versuch, Hausärzte für diesen Beitrag ans Telefon zu bekommen. Entweder hob niemand ab oder man wurde aufgrund des vollen Wartezimmers vertröstet – nachvollziehbarerweise.
Laut dem Robert Koch Institut (RKI) wird das aktuelle Krankheitsgeschehen noch immer durch eine hohe Influenza- und RSV-Aktivität bestimmt. „Influenzaerkrankungen betreffen aktuell alle Altersgruppen und führen zu einer erhöhten Zahl an Arztbesuchen und Hospitalisierungen“, schreibt die Arbeitsgemeinschaft Influenza des RKI. Das Ende der Welle scheint sich durch sinkende Werte aber anzudeuten.
Atemwegserkrankungen haben Hochphase
Aktuell sei Hochsaison, bestätigt Dr. Carolyn Jung, Allgemeinärztin in Höchstadt. Viele Patienten kämen mit Infekten der oberen Atemwege, aber auch Magen-Darm-Erkrankungen oder Corona seien dabei. Auch, wenn es schwer objektiv zu beurteilen sei, habe sie das Gefühl, dass die Infekte der oberen Atemwege seit der Pandemie zugenommen hätten, sagt Jung. Gefühlt würden Patienten länger oder häufiger daran erkranken. Ob das daran liege, dass Viren gerade einfach mehr und stärkere Reaktionen auslösen würden, oder ob die Menschen durch Corona bei einer Erkrankung schneller den Weg zum Arzt aufsuchen würden, sei schwer zu sagen.
Atemwegserkrankungen wie Erkältungen, Bronchitis und Grippe waren im vergangenen Jahr die häufigste Ursache für Krankmeldungen. Das hat eine Untersuchung der DAK-Gesundheit ergeben. Betrachtet wurden dabei die Krankheitstage von Beschäftigten in Erlangen und Umgebung im Jahr 2023.
Pro Kopf 19 Krankheitstage im Jahr
Bezogen auf 100 Beschäftigte sorgten Atemwegserkrankungen für 411 Krankheitstage. Insgesamt fielen 2023 für 100 DAK-Versicherte 1871 Krankheitstage an. Pro Kopf waren das in der Region Erlangen 19 Ausfalltage und damit etwas weniger als im Vorjahr.
Die zweithäufigste Ursache für Arbeitsausfälle waren laut DAK Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems mit 331 Krankheitstagen pro 100 Beschäftigten. Zu einem ähnlichen Schluss kommt Dr. Carolyn Jung auf Nachfrage. Eine der häufigsten Diagnosen seien unspezifische Rückenschmerzen, erklärt die Ärztin.
Psychische Erkrankungen sorgen für Ausfälle
Auf Platz drei der DAK-Auswertung liegen psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen. Bei 100 Beschäftigten kamen hier 301 Krankheitstage in 2023 zusammen. Psychische Erkrankungen würden seit Corona eine deutlich größere Rolle spielen, bestätigt Jung. Hinzu käme die generelle Situation mit dem Krieg in der Ukraine, die wirtschaftliche Lage und persönliche Unsicherheiten, zum Beispiel wegen der Arbeit.
Dass heute mehr Menschen wegen Depressionen und Co. zum Arzt gehen würden, weil psychische Krankheiten weniger als Tabu gelten, kann die Ärztin nicht direkt bestätigen. Es gebe noch immer genügend Leute, die nicht in die Schublade psychischer Erkrankungen gesteckt werden wollten und daher zunächst mit körperlichen Symptomen in die Praxis kämen.
Wenn Mitarbeiter ausfallen – egal warum – stellt das die Betriebe vor eine Herausforderung. „Der hohe Arbeitsausfall beeinträchtigt die Arbeitsabläufe vieler Betriebe und Behörden – besonders dann, wenn die Personaldecke durch den Fachkräftemangel immer dünner wird“, erklärt Christine Ladwig, Leiterin des Servicezentrums der DAK in Erlangen. Zwar sei das Gesundheitsmanagement in vielen Betrieben in den vergangenen Jahren erweitert worden, doch die Zahlen würden zeigen, dass das noch nicht reiche.
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