Was passiert, wenn unser Immunsystem Alarm schlägt? Wie erkennt eine Immunzelle Krebs? Und was kann moderne Medizin leisten, um die körpereigene Abwehr im Kampf gegen Tumore zu unterstützen? Antworten auf diese Fragen gab es am Samstagabend live, zum Anfassen und Ausprobieren. Bei der „Langen Nacht der Wissenschaften“ am Uniklinikum Erlangen drehte sich alles um das Thema „Eine Reise durch den Körper“.
Alle zwei Jahre findet in der Metropolregion Nürnberg-Fürth-Erlangen die „Lange Nacht der Wissenschaften“ statt. An diesem Abend öffnen Universitäten, Hochschulen, Kliniken und Forschungsinstitute ihre Türen und laden die Öffentlichkeit ein, Wissenschaft zu erleben. Von Technik über Medizin bis Geisteswissenschaften, Hunderte Einrichtungen präsentieren ihre Arbeit in Experimenten, Vorträgen, Führungen und Mitmachaktionen. Was sonst hinter verschlossenen Labortüren geschieht, wird an diesem Abend greifbar.
Großer Besucherandrang bei Lange Nacht der Wissenschaft in Erlangen
Bereits kurz nach 17 Uhr drängten sich die ersten Besucherinnen und Besucher durch das Foyer des Deutschen Zentrums Immuntherapie (DZI). An den vielen aufgebauten Ständen des Comprehensive Cancer Center Erlangen-EMN (CCC ER-EMN) konnten Besucher erleben, wie Tumorzellen unter dem Mikroskop aussehen oder wie Immunzellen gezielt gegen Krebs vorgehen. Forschende erklärten geduldig, wie moderne Immuntherapien funktionieren und warum sie für viele Patientinnen und Patienten heute echte Hoffnungsträger sind. Besonders gefragt war die Station, an der man mit einer Virtual-Reality-Brille in die Welt der Zellen eintauchen konnte.
Die Forschung ist hochkomplex, aber soll begreifbar gemacht werden. Die „Lange Nacht der Wissenschaften“ ist eine großartige Gelegenheit, den Menschen zu zeigen, was in den Kliniken und Laboren jeden Tag passiert und warum Grundlagenforschung letztlich Leben retten kann. Mit Mikroskopen, Pipetten und Modellen konnten Gäste selbst in die Rolle von Forschern schlüpfen.
Für viele war das die erste Begegnung mit echter Laborarbeit. Neben den Experimenten sorgte ein dichtes Vortragsprogramm für volle Hörsäle. In halbstündigen Slots erklärten Experten etwa, wie Immuntherapie bei Hautkrebs funktioniert, wie Entzündungen entstehen oder welche Rolle Ernährung und Bewegung für die Gesundheit des Immunsystems spielen. Viele nutzten die Gelegenheit, um Fragen zu stellen zu Krebsdiagnosen, Therapieformen oder der Zukunft der Medizin.
Erlangen: Spaziergang durch Darm und Gehin bei Lange Nacht der Wissenschaften
Ein Highlight war die interaktive Ausstellung, die die Gäste buchstäblich auf eine Reise durch den menschlichen Körper schickte. Zwischen überlebensgroßen Organmodellen konnten die Besucher das Gehirn aus nächster Nähe betrachten, durch einen begehbaren Darm spazieren und entdecken, wie Gebärmutter, Leber oder Nieren aufgebaut sind. Mit Virtual-Reality-Brillen und Anwendungen, die auf künstlicher Intelligenz basieren, wurde die Medizin im Uniklinikum Erlangen greifbar.
Ein besonderes Format sorgte zwischendurch für Tempo: Die sogenannten Pecha-Kucha-Vorträge, inspiriert von einer japanischen Präsentationsform, bei der 20 Folien in jeweils nur 20 Sekunden vorgetragen werden. In genau sechs Minuten und 40 Sekunden müssen die Vortragenden ihr Forschungsthema auf den Punkt bringen. Das Ergebnis waren kurzweilige, bildstarke Mini-Shows: Immunzellen im Einsatz, neue Diagnosetechniken oder die Zukunft der Krebstherapie. Die Forschenden bewiesen, dass man auch komplexe Themen mit Charme, Tempo und Kreativität erklären kann.
Zwischen den Laborführungen und Vorträgen herrschte eine lockere Atmosphäre: Studenten führten Besuchergruppen über die Flure, Mitarbeiter erklärten anschaulich Geräte, die sonst hinter verschlossenen Türen stehen. Gegen Mitternacht schlossen sich die Türen. Diese „Reise durch den Körper“ war mehr als ein Motto. Sie führte mitten hinein in das Herz moderner Medizin.













