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Wohnen und Arbeitstherapie
Suchthilfe: Wie ein Tag in der Laufer Mühler abläuft
Günther hat durch die Soziotherapie der Laufer Mühle einen Weg aus der Sucht gefunden. Heute arbeitet er bei den Sozialen Betrieben und hat ein offenes Ohr für viele Bewohner.
Günther hat durch die Soziotherapie der Laufer Mühle einen Weg aus der Sucht gefunden. Heute arbeitet er bei den Sozialen Betrieben und hat ein offenes Ohr für viele Bewohner. // Foto: Adelheid Wagner
Adelsdorf – Zwischen Idylle und Herausforderung liegt die Laufer Mühle. Hier versuchen suchtkranke Menschen wieder Struktur im Alltag zu finden. Wie ein Tag bei der Suchthilfeeinrichtung abläuft.

Die Laufer Mühle in Adelsdorf scheint auf den ersten Blick ein idyllischer, ruhiger Ort zu sein. Sie liegt abgelegen im Grünen nahe der Aisch. Anders sind dagegen die Lebenswege derjenigen, die zeitweilig dort wohnen. Hierher kommen Menschen, die durch eine Suchterkrankung, durch Alkohol, Heroin oder andere Drogen, viel durchgemacht haben.

Seit 25 Jahren gibt es die Suchthilfeeinrichtung im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Sie hilft Menschen durch den Ansatz der Arbeitstherapie zurück in ein drogenfreies Leben. Der Weg dahin wird in kleinen Schritten angegangen. Wie ein Tag in der Laufer Mühle abläuft, haben Bewohner und Sozialpädagogen bei einem Besuch von fränkischertag.de erklärt.

Soziotherapie der Laufer Mühle setzt auf Arbeitstherapie 

Grundsätzlich teilt sich die Laufer Mühle in zwei Geschäftsbereiche. Dazu gehören die Soziotherapie mit ihren unterschiedlichen Wohnformen, dem stationären und ambulanten Wohnen, sowie die Sozialen Betriebe. Die Einrichtung gehört zur römisch-katholischen Ordensgemeinschaft Deutscher Orden.

Auf dem großflächigen Gelände nahe der Aisch gibt es viele unterschiedliche Angebote. An diesem Freitagvormittag, 11. Juli, geht es überall geschäftig zu. In der Bäckerei backt Günther gerade Biskuitrollen für das Café am Marktplatz in Adelsdorf. Als ehemaliger Bewohner arbeitet er mittlerweile bei den Sozialen Betrieben. „Früher steckte ich voll in der Sucht und im sozialen Abstieg. Ich war arbeitslos, hatte sechs Monate Therapie gemacht“, sagt er.

Erst als er zur Laufer Mühle kam, gelang es ihm, langsam wieder Fuß zu fassen. Nach einiger Zeit wechselte er in eine der Außenwohngruppen der Suchthilfeeinrichtung. Günter erfüllte sich einen lang gehegten Wunsch, den Führerschein zu machen. Das erste Mal selbst Auto zu fahren, wird er nie vergessen. Heute hilft er regelmäßig bei der Laufer Mühle aus und hat ein offenes Ohr für Neuankömmlinge. „Es ist wichtig, über die Probleme reden zu können“, weiß er aus eigener Erfahrung.  

Im Garten der Laufer Mühle gibt es ein breites Beschäftigungsangebot: Gärtnern, Werken, Tiere pflegen und die Imkerei sind einige davon.
Im Garten der Laufer Mühle gibt es ein breites Beschäftigungsangebot: Gärtnern, Werken, Tiere pflegen und die Imkerei sind einige davon. // Foto: Adelheid Wagner

Breites Angebot: Garten, Kreativwerkstatt, Kochen

Weiter hinten auf dem Gelände befindet sich der große Garten. Heute sind einige Männer mit dem Projekt Rosengarten beschäftigt. Eine weitere Gruppe macht sich an die Reparatur des Schuppens. „Wir haben jeden Tag von 8 bis 16 Uhr Arbeitstherapie“, sagt ein jüngerer Bewohner. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. „Im Gartenbereich pflanzen wir Äpfel, Birnen, Chilis oder Gurken an. Es gibt einen Gießdienst und wir kümmern uns um die Tiere.“ Am liebsten arbeitet er beim Spielplatzdienst, bei dem eine Gruppe sich um die Reinigung mancher Spielplätze in der Umgebung kümmert. Die Arbeit sei anstrengend. „Aber sie macht zufrieden“, sagt er. 

Laufer Mühle unter neuer Leitung

Marco Halbritter und Daniela Flügel-Utz haben seit Anfang Juli die Leitung der Soziotherapie der Laufer Mühle übernommen.
Marco Halbritter und Daniela Flügel-Utz haben seit Anfang Juli die Leitung der Soziotherapie der Laufer Mühle übernommen. // Foto: Adelheid Wagner

Mit den unterschiedlichen Angeboten, wie der Imkerei, der Kreativwerkstatt oder der Mitarbeit in der Küche, möchte man den verschiedenen Interessen und Neigungen der Bewohner gerecht werden.„Arbeitstherapie ist nicht Arbeit“, erläutert Flügel-Utz. „Sie zielt darauf ab, wieder einen geregelten Alltag und Zufriedenheit durch eine sinnvolle Beschäftigung zu erreichen.“

Die gelernte Sozialpädagogin Flügel-Utz arbeitet seit 23 Jahren bei der Laufer Mühle und hat schon so manche Bewohner viele Jahre auf dem Weg in ein zufriedenes, abstinentes Leben begleitet.

Zusammen mit Marco Halbritter leitet sie seit Anfang Juli den Geschäftsbereich der Soziotherapie. Für die Sozialen Betriebe ist seit Juni Günter Münch zuständig. Michael Thiem, Gründer der Laufer Mühle, hatte nach 25 Jahren die Leitung niedergelegt.

 

Wohnen in der Laufer Mühle: alles auf Anfang

Von Montag bis Freitag startet jeder Tag bei der Laufer Mühle mit einem der erwähnten Beschäftigungsangebote. Um 12 Uhr gibt es Mittagessen im Speisesaal. An Nachmittagen werden Musikkurse, Suchtgruppen, Yoga und weitere Sportarten angeboten. Abends gelten Ruhezeiten. An Wochenenden stehen Ausflüge auf dem Programm. Oft kommen dann auch Angehörige zu Besuch.

Über die Dauer des Aufenthalts sollen die Bewohner lernen, ihren Alltag immer selbstständiger zu gestalten.  Auch Handys und das Internet sind nur in den ersten Wochen verboten, um eine Trennung vom alten Umfeld zu erreichen. Danach gibt es die digitalen Geräte zurück. „Das gehört zur Realität dazu“, sagt Halbritter. „Die Bewohner haben die Verantwortung. Sie müssen lernen, wie sie mit bestimmten Dingen umgehen wollen."

Suchthilfe in Adelsdorf: Struktur im Alltag große Herausforderung

Wer zur Suchhilfeeinrichtung kommt, verbringt für die Dauer des Aufenthalts, mindestens ein Jahr, seinen Lebensmittelpunkt zusammen mit anderen suchtkranken Menschen. „Wir leben hier in einer familiären Gemeinschaft zusammen“, sagt Flügel-Utz.

Dazu gehört auch, dass die Wohngemeinschaften nicht nach Geschlecht oder Alter getrennt sind (Bewohner müssen mindestens 18 Jahre alt sein). Davon profitierten die Bewohner. Sie lernen, wieder Teil einer Gruppe zu sein. Das große Ziel: Den Alltag bewältigen und eine gesunde Tagesstruktur zu finden. Morgens aufstehen. Abends ins Bett gehen. Die Nacht durchschlafen.

„Das hört sich sehr banal an, ist aber für viele eine große Herausforderung“, stellt Flügel-Utz klar. „Manche haben durch die Sucht vollständig die Struktur verloren. Andere müssen das neu lernen, weil sie als Kind vielleicht nicht mit einem geregelten Alltag aufgewachsen sind.“

Den Entzug haben die Bewohnerinnen und Bewohner bereits hinter sich, bevor sie zur Laufer Mühle kommen. Die meisten kommen freiwillig hier her. Daneben gibt es den geschlossenen Bereich, in dem Suchtkranke mit richterlichem Beschluss aufgrund von Selbstgefährdung eingewiesen werden.

Der Gemeinschaftsraum einer Wohneinheit der Laufer Mühle. Hier wohnen suchtkranke Menschen verschiedenen Alters und Geschlechts zusammen.
Der Gemeinschaftsraum einer Wohneinheit der Laufer Mühle. Hier wohnen suchtkranke Menschen verschiedenen Alters und Geschlechts zusammen. // Foto: Adelheid Wagner

Laufer Mühle: Ein paar Wochen Reha zu sind zu wenig

 „Viele haben schon einmal eine Reha durchlaufen“, sagt Halbritter. Die regulären neun bis zwölf Wochen Reha seien allerdings für viele Patienten zu kurz. „Vor allem, wenn sie in der Sucht stecken“, gibt Halbritter zu bedenken. In erster Linie bedeutet die Laufer Mühle für viele Suchtkranke eine langfristige Zäsur vom alten Leben und die Möglichkeit, Abstand von der Drogenszene und dem alten Fahrwasser zu gewinnen.

„Ein viel größerer Teil als der körperliche Entzug ist die psychische Abhängigkeit“, erklärt Flügel-Utz. „Wir helfen dabei, die Verhaltensweisen zu ändern.“ Wann ein Bewohner oder eine Bewohnerin wieder dazu fähig ist, den eigenen Alltag langfristig autonom und abstinent zu bewältigen, lässt sich pauschal nicht sagen. „Unsere Bewohner bringen verschiedene Erfahrungen mit“, sagt die Sozialpädagogin. „Ein Unterschied besteht auch darin, wie lange eine Abhängigkeit besteht“, sagt sie. „Vor allem junge Menschen, die zu uns kommen, denken oft, sie müssen ihre Sucht schnell bewältigen und mit ihrem Leben weitermachen.“ 

„Aber, es braucht viel Geduld“, sagt Flügel-Utz.  „Manche schaffen es nicht“, auch das gehört laut Halbritter zur Wahrheit dazu. Der Bewohner sei letzten Endes selbst verantwortlich, sagt Halbritter. „Menschen, die zu uns kommen, sind motiviert. Wir helfen und sagen: Das ist eine Chance, die man mit kleinen Schritten angeht.“

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