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Wegen Erlangens Haushaltsloch
Beliebtes Kulturzentrum: E-Werk muss Angebot reduzieren
E-Werk Erlangen
Brennt hier vielleicht bald kein Licht mehr? Dank des Erlanger Haushaltslochs ist das E-Werk auch von saftigen Einsparmaßnahmen betroffen. // Markus Gräßel
Erlangen – Das Erlanger E-Werk steht vor seiner größten Krise. Der städtische Finanzengpass zwingt das Kulturzentrum zu harten Maßnahmen. Was jetzt passieren soll.

Update vom 15. Dezember, 11.45

E-Werk muss Veranstaltungen streichen

Nach einer Entscheidung im Stadtrat ist nun klar, wie es vorerst mit dem E-Werk weitergehen soll: im Haushalt des Kulturzentrums klafft, zunächst für das kommende Jahr 2025, eine Lücke von bis zu 290.000 Euro. Anders als bisher wird zudem der Fördervertrag vorerst für nur ein Jahr geschlossen, anstelle von drei Jahren, mit entsprechender Planungssicherheit, darüber informiert das Kulturzentrum in einer Pressemitteilung.

„Die Lösung ist nicht die, die ich mir ursprünglich erhofft hatte – die, die uns erlaubt hätte, unsere Arbeit so fortzusetzen, wie bisher. Aber die Art und Weise, wie diese Lösung zustande gekommen ist, hat mir gezeigt, wie viel Dankbarkeit wir dennoch empfinden können. Sie steht für das Engagement und die Zusammenarbeit aller Beteiligten, was unter den schwierigen Rahmenbedingungen nicht selbstverständlich war“, so Jan-Peter Dinger, Geschäftsführer des E-Werks.

Weniger Menschen in der Innenstadt

Die Konsequenzen einer verminderten Zuschussvergabe sind bereits absehbar: Rund 80 überwiegend soziokulturelle Angebote stehen bisher auf der Streichliste. Darunter Nachwuchsförderprojekte wie der beliebte Umsonst und Drinnen Club, das legendäre Newcomer-Festival, Kinder- und Jugendveranstaltungen, sowie Diskussionsabende uvm. Daran hängen am Ende neben Sachkosten in erster Linie auch Personalkosten, die mittelfristig eingespart werden müssen. 

Neben Streichungen soll das E-Werk auch mehr Schließtage haben. Laut der Geschäftsführung werde das auch im Rest der Innenstadt spürbar sein: Wenn weniger Menschen das E-Werk besuchen, sind weniger Menschen in der Altstadt unterwegs. Sie gehen nicht vor dem Besuch ins E-Werk im Restaurant ums Eck essen oder kaufen schnell noch eine Kleinigkeit in einem Geschäft zwei Straßen weiter.

Um Gelder zu generieren, hat das E-Werk sich nun eine Spendenaktion überlegt: So können Helfer eine Fliesen-Patenschaft für den denkmalgeschützten Fliesenboden im E-Werk übernehmen. Alle Infos gibt es online. 


Ursprünglicher Artikel vom 15. November

Ein Motto gilt seit allerspätestens September in ganz Erlangen mehr als jedes andere. Es muss gespart werden. Grund dafür ist das riesig aufklaffende Haushaltsloch innerhalb der Erlanger Stadtkasse. Rund 140 Millionen Euro fehlen dank ausgiebiger Gewerbesteuerrückzahlungen im Stadthaushalt. Dafür müssen nun an vielen Stellen Sparmaßnahmen greifen, darunter auch im kulturellen Sektor der Stadt.

E-Werk Kulturzentrum Erlangen vor ungewisser Zukunft

Und gerade diese kulturellen Sparmaßnahmen könnten in Erlangen für viel Wirbel im Stadtbild sorgen. So warnt nun das mit städtischen Geldern geförderte Kulturzentrum E-Werk vor kommenden Einschnitten, die im schlimmsten Fall sogar die ganze Zukunft des beliebten Zentrums infrage stellen könnte. Dessen Leitung appelliert vor einer kommenden Entscheidung nochmals gegen eine starke Einschränkung der Fördergelder.

E-Werk benötigt mehr finanzielle Unterstützung

„Wir würden nicht so drastische Worte wählen, wenn die Situation nicht wirklich ernst wäre“, erklärt E-Werk-Pressesprecherin Tina Langheinrich auf Nachfrage der FT-Redaktion. Die Krux der finanziellen Situation am E-Werk ist vor allem den deutlich gestiegenen Personalkosten geschuldet. „Unsere Mitarbeiter sind an den Tarifvertrag des öffentlichen Diensts angelehnt, der ja 2023 eine Erhöhung bekam“, so Langheinrich. Diese Erhöhung sollte auch den Mitarbeitenden des E-Werks zugutekommen, weshalb das Kulturzentrum eine Zuschusserhöhung der städtischen Gelder beantragte und auch vom Stadtrat zugesichert bekam.

Alles Entscheidungen und Geschehnisse vor der erstmaligen Bekanntgabe des Haushaltsloches im Juli dieses Jahres. Dank Sparmandat sitzt der Geldbeutel der Stadt nicht mehr so locker, wie noch im Frühjahr, weshalb die Stadtverwaltung nun die eigentlich schon zugesicherten Gelder wieder infrage stellt. „Uns wurden drei Sparvarianten aufgezeigt, für eine dieser Varianten müssen sich Finanzausschuss und Stadtrat nun entscheiden“, so Langheinrich. Dabei sei aber zu beachten, dass es nicht um irgendwelche Kürzungen der Gelder gehen soll. Stattdessen soll die zugesagte Zuschussmehrung gesenkt werden.

E-Werk Erlangen
Auch Veranstaltungen im E-Werk-Biergarten könnten mit den Sparmaßnahmen verschwinden. // Archiv

Die Sparvarianten fürs E-Werk Erlangen

Und egal für welche Variante sich die städtischen Gremien am Ende entscheiden, wird es wohl zu Veränderungen rund um das E-Werk kommen müssen. Selbst in der positivsten Variante A, mit einer Zuschussmehrung 300.000 Euro, käme das E-Werk nicht um eine Senkung der Angebote herum. Bei den noch einschneidenderen Varianten B (Zuschussmehrung 150.000 Euro) und C (keine Zuschussmehrung) müsse das gesamte Konzept des E-Werks umgestellt werden. „Das wäre für uns gerade noch gar nicht auszumalen“, sagt Langheinrich.

Die vom E-Werk genannten Sparvarianten bestätigt auch Stadtsprecher Christofer Zwanzig auf Nachfrage der FT-Redaktion. Diese wurden den Erlanger Stadträten bereits in einer Kulturausschusssitzung am 6. November vorgestellt. Die Verwaltung selbst tendierte dabei im Beschlussvorschlag für die Variante B, so Zwanzig. Einen endgültigen Beschluss konnten die Stadträte aber nicht erreichen, stattdessen wird das Thema zuerst in den Fraktionen und dann erneut im entsprechenden Ausschuss diskutiert. 

Das würde im E-Werk wegfallen

„Mit solchen Einsparmaßnahmen kommen wir kulturell auch ganz schnell in eine Negativ-Spirale“, warnt E-Werk-Sprecherin Langheinrich. Denn wenn die versprochenen Zuschüsse zur Deckung der Personalkosten ausbleiben, müsste wie erwähnt das Angebot des Kulturzentrums stark angepasst werden. „Das trifft zum einen natürlich unsere Sozialarbeit, aber natürlich auch umso mehr das kulturelle Angebot“, so Langheinrich. Weniger Veranstaltungen und natürlich auch Konzerte wären dann die Folge. „Es fehlen dann finanzielle Mittel, um interessante Veranstaltungen anbieten zu können“, warnt Langheinrich.

Unterdessen versucht die Stadtverwaltung extreme langfristige Folgen, wie sie in der ersten Ankündigung schwarzgemalt wurden, auszubremsen. „Die Verwaltung ist im ständigen Austausch mit den Verantwortlichen am E-Werk und versucht natürlich, den Kulturstandort Erlangen trotz Sparmaßnahmen bestmöglich aufrechtzuerhalten“, erklärt Stadtsprecher Zwanzig. 

Über die genaue Höhe der Sparmaßnahmen, die das E-Werk treffen sollen, entscheiden die Stadträte nach der Behandlung in den einzelnen Fraktionen. „Die endgültige Abstimmung wird wohl gemeinsam mit der Entscheidung über den Haushalt im Januar stattfinden“, so Zwanzig.

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