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Kinderschutzbund Erlangen
Wenn der Eltern-Akku leer ist: So helfen Familienpaten
Kinderbetreuung
Viele Umstände können dazu führen, dass Familien Unterstützung brauchen. In solchen Fällen können Familienpaten für Entlastung sorgen. // Christin Klose/dpa-tmn/Archivbild
LKR Erlangen-Höchstadt – Sie schenken Zeit und unterstützen Eltern und Kinder in schwierigen Zeiten: Bei Familienpaten finden Familien aller Art dringend benötigte Unterstützung. Drei Ehrenamtliche schildern ihre Erfahrungen.

Ein Alleinerziehender, eine verwitwete Mutter, eine Familie mit mehreren Kindern, Eltern mit Migrationshintergrund – die Konstellation und die Gründe können vielfältig sein und doch eint viele Familien eines: Sie brauchen Unterstützung. 

30 Familien im Landkreis Erlangen-Höchstadt finden diese momentan bei den Familienpatinnen und -paten des Kinderschutzbundes Erlangen. Wie diese Unterstützung aussieht, unterscheidet sich von Fall zu Fall, wie Maria Ruhfaß, Koordinatorin der Familienpatenschaften, erklärt. „Wir haben zum Beispiel große Arbeitgeber im Landkreis, da kommen Familien aus ganz Deutschland und da sind eben keine Großeltern vor Ort, die mal kurz einspringen können“, sagt sie. „Oder bei Familien mit Migrationshintergrund – die haben hier oft niemanden.“ Neben der zeitlichen Entlastung sei es manchmal vor allem eine Bezugsperson für Eltern und Kinder, die fehlt. 

Familienpaten Erlangen-Höchstadt: Ehrenamtliche Unterstützung 

So geht es auch der Familie, die Peter Friedmann als Pate betreut. „Das ist eine alleinerziehende Frau mit zwei Kindern. Die Familie hat Migrationshintergrund und hat hier überhaupt niemanden“, berichtet der 84-Jährige. „Die Frau kommt mit allen Problemen zu mir und wir haben ein wirklich ganz tolles Verhältnis zueinander.“ In den beiden Familien, die er seit Jahren als Pate begleitet, ist er inzwischen mehr ein Vater- und Großvaterersatz, als ein Bekannter. 

Familienpaten Erlangen-Höchstadt
Der Kinderschutzbund sucht für den Landkreis Erlangen-Höchstadt zum Oktober neue Familienpaten. // Foto: Anna-Lena Reif

Von einem anderen Beispiel berichtet Christina Michna. Sie hilft einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern. „Wir sind inzwischen wirklich befreundet“, erzählt sie. „Wenn sie zum Beispiel einfach mal ihren Geburtstag feiern will, helfe ich aus und kümmere mich in der Zeit um die Kinder.“ 

Der Vorteil an diesem Angebot, so Ruhfaß, sei die Niedrigschwelligkeit. „Man muss nicht zum Jugendamt gehen, man muss keine Nachweise erbringen, sondern ich habe jemanden, mit dem ich eng verbunden bin.“ Zwei bis drei Stunden die Woche sollten die Paten grundsätzlich mitbringen. „Aber die meisten sind dann sowieso viel öfter da“, fügt Ruhfaß mit einem Blick auf die drei versammelten Paten und Patinnen lachend hinzu. 

Kinderschutzbund: Alle Familien willkommen 

Wichtig ist für die Koordinatorin: Es ist jede Familie willkommen. „Ganz egal, wie sie ausgestaltet ist – es kann sich jeder im Landkreis melden.“ Garantieren kann Ruhfaß die Hilfe aber nicht, denn aktuell stehen rund 70 Familien auf der Warteliste.

Familienpaten Erlangen-Höchstadt
Maria Ruhfaß ist Koordinatorin für die Familienpaten. Sie sorgt dafür, dass die richtigen Paten zu den richtigen Familien kommen und betreut die Paten bei ihrer Arbeit. // Foto: Anna-Lena Reif

Teils mangelt es an Paten, aber auch die Chemie zwischen Pate und Familie sei wichtig. „Ich kann Familien vorschlagen“, so Ruhfaß. „Aber der Pate hat immer das letzte Wort.“ Es könne beispielsweise sein, dass ein Pate kein Kleinkind betreuen wolle. „Bei mir war zum Beispiel eine Voraussetzung, dass ich meinen Hund mitnehmen darf“, erzählt Christina Michna und krault ihren Hund hinter den Ohren. „Und jetzt lieben die Kinder ihn.“ 

Familienpaten entscheiden über Familie

„Man schenkt seine Zeit“, sagt Ruhfaß. „Das ist das wichtigste, was wir haben. Dann ist es schon absolut notwendig, dass die Paten mitentscheiden dürfen.“  Auch die Organisation der Patenschaften ist für Ruhfaß ein großer Pluspunkt. „Hinter dem Ehrenamt soll ein Hauptamt stehen. Uns ist es wichtig, dass wir den Paten und Patinnen gute Rahmenbedingungen geben: Sie sind bei uns versichert, bekommen Fortbildungen, es gibt Supervision und bei Bedarf psychologische Betreuung und natürlich unterstütze ich als Koordinatorin bei allen Fragen und Problemen“, erklärt sie. „Das ist das, was uns von einer Nachbarschaftshilfe unterscheidet.“ Diesen Rückhalt schätzen sowohl die Paten als auch die Familien. 

Während manchen Familien manchmal schon geholfen ist, wenn der Pate sich regelmäßig um die Kinder kümmert, gibt es auch andere Fälle. „In meiner Familie ist ein Kind mit Beeinträchtigung“, erzählt Jaqueline Werner. „Die Eltern müssen da unglaublich viele Formulare ausfüllen, Dinge beantragen, Widersprüche einlegen.“ Die Patin unterstützt dabei, übernimmt Anrufe, hilft dabei, Briefe zu formulieren. 

Familienpaten Erlangen-Höchstadt
Die Familienpaten Peter Friedmann, Jaqueline Werner (zweite von links) und Christina Michna (rechts) betreuen seit Jahren Familien im Landkreis und wissen, dass es ganz unterschiedliche Bedürfnisse gibt. // Foto: Anna-Lena Reif

Bei Peter Friedmann hingegen dreht sich viel um den Migrationshintergrund der beiden Familien. „Ich habe mich zum Beispiel damals mit den Kindern hingesetzt und mit ihnen durch Bilderbücher Deutsch gelernt – heute sprechen sie die Sprache akzentfrei.“ Ein anderes Mal habe die Mutter in seiner Familie während der Ausbildung eine Arbeit über Weihnachten schreiben müssen. „Als Muslima“, sagt er. „Also habe ich ihr die Geschichte erzählt und wir sind darauf gekommen, wo es Ähnlichkeiten gibt. Sie hat den besten Aufsatz geschrieben. Das ist für mich die Bestätigung, dass sich die Arbeit gelohnt hat.“ 

Kinderschutzbund sucht neue Familienpaten

Für den 84-Jährigen ist die Motivation für sein Ehrenamt klar: „Ich selber komme aus einer Flüchtlingsfamilie, von daher war es für mich ein großer Anreiz, eben auch diesen Flüchtlingen zu helfen.“ Dieses Muster sei bei vielen Paten zu erkennen, so Ruhfaß. „Viele von ihnen haben in irgendeiner Situation Hilfe empfangen und wollen diese zurückgeben, gerade wenn sie dann in der Rente sind und Zeit haben.“ Das sei jedoch keinesfalls ein Kriterium für eine Patenschaft. „Unsere jüngste Patin ist Mitte 20 und Studentin“, erzählt Ruhfaß. 

Auch wenn die Familienpaten für ihr Ehrenamt keine finanzielle Entschädigung bekommen, versucht Ruhfaß mit regelmäßigen Treffen, Abendessen, Ausflügen und Schulungen den Ehrenamtlichen etwas zurückzugeben. Im Oktober sollen wieder neue Familienpaten geschult werden, dafür sucht der Kinderschutzbund noch Interessenten. Voraussetzung sei neben einem Führungszeugnis vor allem die Zeit – und ein respektvoller, toleranter Umgang mit Menschen.

 

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