Früher saßen Stefan Jödicke aus Frohnhof und sein Team mehrmals in der Woche stundenlang auf riesigen Rasenmähern. Laut ging es zu entlang der kürzer geschnittenen Fairways und im etwas höheren Semi-Rough – und es roch nach Diesel. Sobald sie auf dem Kurs mit seinen 18 Löchern auftauchten, unterbrachen die Spieler ihre Runde. Damit nicht einer der Mitarbeiter von einem Ball getroffen wird.
Diese Zeiten auf dem idyllischen Gelände am Schleinhof sind nun vorbei. Dank der Anschaffung von sieben autonomen Mährobotern, die rund 200.000 Euro verschlungen haben. Die fahrbaren Drohnen können den ganzen Tag über den Golfplatz huschen, ohne dass es die Nachbarn oder die wilden Tiere stört, die hier leben oder kurz vorbeischauen.
Auch mähen Jödicke und seine Kollegen das hochgewachsene Rough zu einem Zeitpunkt, der es den Bodenbrütern ermöglicht, ihren Nachwuchs ohne Gefahr zur Welt zu bringen. Nun kann sich das Greenkeepingteam des Golfclubs Erlangen um wichtigere Dinge kümmern.
Golfplatz: Spezialgerät für 30.000 Euro
Etwa darum, die Rasenfläche auf den Greens zu „schlitzen“. Mit einem Spezialgerät, dessen Kauf noch einmal mit 30.000 Euro zu Buche geschlagen hat. Damit der Boden gut belüftet ist und das Regenwasser besser aufnehmen kann. Dadurch muss man weniger bewässern.
Ähnlich sieht es beim Düngen aus. Man lässt das gemähte Gras liegen. „Das Schnittgut ist nun deutlich kürzer und kann so besser von den Bodenorganismen verarbeitet werden“. Und ganz nebenbei spart man mit den elektrischen Mährobotern mehrere tausend Liter Kraftstoff. „Das ist ein enormer Gewinn für die Umwelt“, sagt Golfclub-Präsident Matthias Rübner aus Forchheim.
Um sparsamen Ressourcenverbrauch geht es auch an anderer Stelle. Eine neue Club-Software, die auf den Rat von Ramon Männel und Christian Gürtner hin angeschafft und implementiert wurde, deckt alle Bereiche ab – von der Mitgliederverwaltung über die Turnierorganisation bis hin zur Platzbelegung. Sie sorgt dafür, dass nun alles ohne ein einziges Blatt Papier abläuft. Die Digitalisierung ermöglicht es den mehr als 1000 Mitgliedern, auch die Abschlagszeit online zu buchen, sich online mit dem Handy zu registrieren und eine Runde zu spielen, ohne lange warten zu müssen. „An schönen Tagen können so nach und nach rund 280 Spieler abschlagen und auf die Runde gehen“, sagt Rübner.
Photovoltaik, Nistkästen und Blühflächen
Auf dem naturnahen Gelände mit seinen 77 Hektar spielt der Umweltschutz schon viele Jahre eine große Rolle. Clubmanager Ramon Männel aus Heroldsberg berichtet von einer Photovolatik-Anlage auf dem Carport des Parkplatzes, die Solarstrom erzeugt, und von einem Ölabscheider an der Greenkeeper-Station, um bei Reinigungsarbeiten an Maschinen und Fahrzeugen das Erdreich vor Verschmutzungen zu schützen. Hinzu kommen Maßnahmen in Sachen Artenschutz wie die Anpflanzung von 50 Vogelbeerbäumen oder das Stehenlassen der Schlehenhecken.
Dafür zuständig ist Naturschutzwart Willfried „Blacky“ Schwarz aus Marloffstein. Er nennt nur einige Projekte: Knapp ein Dutzend Nistkästen, die er mit seinem Freund und Vorstandsmitglied Peter Stör aus Brand gebastelt hat, um Singvögeln wie Meisen ein Refugium zu bieten; zwei wasserreiche Biotope, in denen seltene Pflanzen und Tiere leben, und die niemand betreten darf; unzählige Blühflächen mit Wildblumen, die Insekten fast das ganze Jahr über Nahrung bieten. Vor allem Bienen, Hummeln und Schmetterlinge profitieren davon.
Bienenstöcke auf dem Golfplatz
Da passt es ganz gut, dass man mehrere Bienenstöcke aufgestellt hat. „Das gibt es inzwischen auf ganz vielen Golfplätzen“, so Rübner. Schließlich sorgen mehrere Streuobstwiesen mit fast 600 Bäumen für eine willkommene optische Auflockerung, das eine oder andere schattige Plätzchen und frische Früchte. „Die Spieler freuen sich über die Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Mirabellen und Kirschen, die sie auf der Runde naschen dürfen“, sagt Christian Gürtner aus Neunkirchen am Brand. Unter den Gewächsen verbergen sich auch einige ganz alte Birnensorten, die vom Aussterben bedroht sind. Was an Früchten hängen bleibt oder zu Boden fällt, landet später als Maische in einer Destille. „Die Obstbrände und den Honig verkaufen wir im Proshop“, so Clubmanager Männel.
Auch abgestorbene Bäume bleiben stehen. Das Totholz dient Höhlenbrütern wie Hornissen und Spechten als Lebensraum. In den Bäumen und Büschen hat Naturschutzwart Schwarz auch schon Nachtigallen und Pirole, Wiedehopfe und Rotmilane, Bussarde und Eulen ausgemacht.
Ein Jahrhundertprojekt ist der Umbau einer Fichtenmonokultur in einen klima- und schädlingsresistenten Mischwald. Die anfälligen Nadelbäume wurden schon vor Jahren gefällt und durch Küstentannen und Douglasien ersetzt. „Wir haben zudem 2500 Laubbäume gepflanzt“, so Rübner. „Die Belohnung für all die Mühen ist ein einmaliges, sportliches Erlebnis inmitten einer naturnahen und artenreichen Landschaft“.













