„Aktuell haben wir einen gewählten Stadtrat, der notgedrungen darüber nachdenken muss, das zu zerstören.“ Mit diesen drastischen Worten beschreibt Jan-Peter Dinger, der Geschäftsführer des E-Werks, die Lage seines Kulturzentrums in Erlangen. Dass die ganze Stadt vor dem Hintergrund der prekären Haushaltslage jeden Cent umdreht, geht an den örtlichen Kulturbetrieben nicht vorbei. Darum kalkuliert man auch beim E-Werk seit dem städtischen Haushaltsloch mit einem immer spitzeren Bleistift.
„Steht das E-Werk vor dem Aus?“, lautete die Frage wie auch die Warnung, die das E-Werk Ende 2024 in einer Pressemitteilung formuliert hatte. Dinger hat beim Gespräch mit der Redaktion geschildert, wie es um die Zukunft von Deutschlands größtem soziokulturellen Zentrum (nach eigenen Angaben) bestellt ist.
Zuschüsse: So viel Geld bekommt das E-Werk
Das Kulturzentrum in Erlangen wird von der E-Werk Kulturzentrum GmbH mit gemeinnütziger Zielsetzung in Kooperation mit dem Verein Kulturzentrum E-Werk e.V. betrieben. Die Einrichtung gehört nicht zur Stadt Erlangen. Die Zuschüsse, die das Kulturzentrum aber für sein soziokulturelles Angebot von der Stadt Erlangen bekommt, sind eine wichtige Komponente dafür, den Betrieb in seiner bestehenden Form aufrechtzuerhalten.
Für das Jahr 2026 ist im Haushalt der Stadt Erlangen ein Zuschuss für das E-Werk von 1.520.430 Euro vorgesehen. Im Jahr zuvor lag der Zuschuss noch bei 1.550.000 Euro. „Der Zuschuss wurde von 1.400.200,- im Jahr 2024 auf 1.550.000,- € im Jahr 2025 erhöht“, so die Erklärung des Kulturreferats. „Die Erhöhung des Zuschusses um rund 150.000,- € fiel aufgrund der schwierigen Haushaltslage geringer aus, als es aus Sicht des E-Werks erforderlich gewesen wäre“, lautet die schriftliche Stellungnahme im Weiteren.
Erlangen: Schwarz-grüne Kooperation bekennt sich zum Erhalt des E-Werks
In Worten hat sich die neue schwarz-grüne Stadtführung in ihrem „Kooperationsvertrag“ „klar zum Erhalt“ des E-Werks bekannt. Schon im nachfolgenden Satz wird relativiert: „Beim E-Werk soll der Beschluss des Stadtrates, die Gehälter auf 100 % TV-ÖD anzuheben weiterverfolgt werden.“ Ob Worte ausreichen, wo Geld fehlt?
In diesem Jahr wird das Kulturhaus bis zum Ende des Jahres abwarten müssen, ob man die diesjährige Tariferhöhung des öffentlichen Dienstes für die rund 180 Mitarbeitenden überhaupt mitgehen kann. Auf beiden Seiten scheint man sich zumindest der Problematik des anderen bewusst. „Das Problem der Stadt wird immer größer“, konstatiert Dinger. „Wir können von Glück reden, wenn wir den Status quo erhalten können.“
Programm und Öffnungstage: So hat das E-Werk auf die Haushaltskrise in Erlangen reagiert
Dann gebe es noch folgendes „Dilemma“: Gerade der Teil, der von der Stadt Erlangen bezuschusst wird, falle als erstes dem aktuellen Sparzwang zum Opfer. Dazu sagt Dinger: „Das sind aber genau die Veranstaltungen, die uns förderwürdig machen.“
Aktuell fährt „Bayerns bester Club 2023" laut dem Geschäftsführer schon mit eingestrichenem Angebot: „Früher hatten wir sechs Tage die Woche auf. Jetzt machen wir einen Testlauf, bei dem wir nur vier Tage, die Woche geöffnet sind – mit Ausnahme von großen Veranstaltungen. Montag, Dienstag und Mittwoch sind wir nur noch für ehrenamtliche Aktivitäten offen. Eine entscheidende Veränderung.“
„Die große Band von morgen muss einen Platz haben, um sich auszuprobieren“
Um bestimmte Veranstaltungsreihen, etwa für Kinder, nicht streichen zu müssen, war man schon 2025 den Weg gegangen, die Anzahl der Events übers Jahr zu reduzieren. Dank der Gelder der Spendenaktion Fliesenpatenschaft im vergangenen Jahr könne man 2026 den „Umsonst und Drinnen Club“ erhalten, wie aus einer Mitteilung im Mai auf der Website des E-Werks hervorgeht. Mit rund 50.000 Euro Spenden im Jahr 2025 konnten nach Angaben des E-Werks 60 soziokulturelle Termine gesichert werden. „Die große Band von morgen muss einen Platz haben, um sich auszuprobieren“, sagt der Kulturschaffende dazu.
2025 verzeichnete der Kulturbetrieb insgesamt 250.000 Gäste für das E-Werk, den Betrieb des Redoutensaals und das Musikfestival Kulturinsel Wöhrmühle. Dinger wünscht sich, dass das so bleibt. Auf die Frage, wie sicher die Zukunft des E-Werks ist, findet er nicht so recht eine Antwort. Stattdessen gibt er zu bedenken: „Die Stadt muss in den kommenden Jahren Millionenbeträge sparen.“
















