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Herzogenaurach trauert um Irene Lederer
Herzogenaurach trauert um Irene Lederer. // 
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Herzogenaurach – Nach schwerer Krankheit verstarb Irene Lederer, eine prägende Figur Herzogenaurachs. Ihr Engagement als langjährige Leiterin von Stadtmuseum und Stadtarchiv formte das kulturelle Gesicht der Stadt. Ein Nachruf.

Nach schwerer Krankheit ist Irene Lederer verstorben. Am 2. Oktober hätte die passionierte Historikerin ihren 65. Geburtstag feiern können. Sie wirkte fast 35 Jahre in Herzogenaurach und prägte die beiden historischen Institutionen, denen sie vorstand, maßgeblich. Es gab wohl kaum eine Frage zur Herzogenauracher Stadtgeschichte, die sie nicht hätte beantworten können.

Dabei stammte Irene Lederer nicht von der Aurach, sondern wurde 1959 in Weißenburg geboren, wo sie aufwuchs und am Werner-von-Siemens-Gymnasium 1979 ihr Abitur ablegte. Ihr weiterer Weg führte sie nach Erlangen, wo sie im Wintersemester 1979/1980 ein Studium der Kunstgeschichte, der Ur- und Frühgeschichte und der Archäologie begann. In ihrer Magisterarbeit von 1985 setzte sie sich mit „Aristoteles und Phyllis in der deutschen Graphik des 16. Jahrhunderts“ auseinander. Nach dem Magisterexamen in Kunstgeschichte absolvierte sie im Anschluss ein Aufbaustudium Denkmalschutz in Bamberg, ehe sie sich nach Herzogenaurach bewarb.

Lederer konzipierte das neue Stadtmuseum

Ab 1989 arbeitete die Kunsthistorikerin am Aufbau des Stadtmuseums. Es galt die mehr als 3000 historischen Objekte in einer umfassenden Bestandsaufnahme kunsthistorisch zu bewerten und fachgerecht zu inventarisieren. Zudem erarbeitete sie eine tragfähige Konzeption für das neue Stadtmuseum. In engem Austausch mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in München und dem Bauamt der Stadt plante sie sodann die aufwändige Sanierung des über 500 Jahre alten Spitalgebäudes im Herzen der Herzogenauracher Altstadt. Im Jahr 2000 war es dann so weit. Mit einer fulminanten Feier wurde das neue Stadtmuseum eröffnet, das seither mit seinen reichlich 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf fünf Etagen interessante Einblicke in die faszinierende Stadtgeschichte Herzogenaurachs bietet. 

Als engagierte Museumsleiterin konzipierte Irene Lederer in den Folgejahren zahlreiche Wechselausstellungen, die sie mit viel Liebe zum Detail umsetzte. 2002 etwa informierte die Sonderschau „Weibsbilder“ über den oft vergessenen Beitrag der Frauen zur Stadtgeschichte, und 2003 lud das Stadtmuseum  unter dem Motto „Nierentisch und Petticoat“ zu einer „erfrischend amüsanten Auseinandersetzung mit den 1950er Jahren“ ein, wie ein Berichterstatter damals schrieb.

Expertin für die Stadtgeschichte Herzogenaurachs 

Kunst war über die Jahre ebenfalls immer wieder mit von der Partie wie folgende Ausstellungen zeigen: „Felix Müller – Werkschau“ (2012), „Grafiken und Illustrationen - Die Welt des Michael Mathias Prechtl“ (2017) und „Haitzinger. Mit Pinsel und Tusche“ (2022). Für Herzogenauracher Verhältnisse Makro-Ausstellungen verantwortete Irene Lederer 2006 mit „Sneaker Culture. Die Kulturgeschichte des Turnschuhs“ und 2016 mit „70 Jahre Schaeffler. Ein Konzern bewegt die Welt“: Zwei besondere Blicke auf die Aurachstadt und darüber hinaus, die auch weit über die Stadt hinaus Gäste nach Herzogenaurach lockten.

Der versierten Expertin für die Herzogenauracher Stadtgeschichte wurde zudem die Leitung des Stadtarchivs übertragen, dessen Bestände bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen. In zahlreichen Veröffentlichungen zur Herzogenauracher Stadtgeschichte machte sie sich einen Namen. Sei es in fundierten Artikeln für die Lokalzeitungen, sei es durch bestens recherchierte und grafisch ansprechend umgesetzte Begleitpublikationen zu Ausstellungen im Stadtmuseum wie etwa zur Bildhauerin und Ehrenbürgerin Maria Lerch (2009) oder zur Geschichte der Herzo Base („Liebe Soldaten“, 2007). An dem bis heute Maßstäbe setzenden Standardwerk zur 1000-jährigen Stadtgeschichte, dem Stadtbuch von 2002, war sie federführend beteiligt.

Aktuelle Dassler-Ausstellung plante sie noch mit

In den folgenden Jahren lag ihr die Weiterentwicklung und Professionalisierung ihrer beiden Institutionen sehr am Herzen. Vieles konnte sie im Laufe der Jahre erreichen, etwa einen personellen Ausbau im Archiv und auch im so zentralen Bereich der Kulturvermittlung und Museumspädagogik; dann die Beherbergung des Stadtarchivs in größeren und geeigneteren Räumen: Nach zwei Umzügen, die sie maßgeblich vorbereitete und lenkte, war es mit dem Einzug in das neue Rathaus im Herbst 2023 endlich so weit. Die Bestände des Stadtarchivs sind seither räumlich bestens untergebracht.

Ein großes Anliegen war ihr eine Jubiläumsausstellung zu „100 Jahre Gebrüder Dassler“. Für diese derzeit im Stadtmuseum gezeigte große Ausstellung im Stadtmuseum durfte Irene Lederer leider nur noch die Vorplanungen treffen. Die schwere Krankheit erlaubte es ihr nicht mehr, daran mitzuwirken, geschweige denn bei der Ausstellungseröffnung dabei zu sein. Das war besonders schmerzlich. Nun ist Irene Lederer kurz vor ihrem 65. Geburtstag verstorben. Ihr Tod reißt eine große Lücke.

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