In der Eichendorffstraße konnte Hilde Tiedemann ihren 102. Geburtstag begehen. Es kamen zahlreiche Gratulanten. Tiedemann, geborene Köhler aus der Eckenmühle, wurde am 12. Januar 1923 geboren. Obwohl sie evangelisch war, ging sie nach Herzogenaurach in die katholische Schule.
Der Schulweg nach Münchaurach war ihrem Vater zu weit für seine Tochter. Die beiden Brüder Rudolf und Adolf Dassler waren mit ihrem Vater Peter Köhler befreundet und kamen zur Mühle, um in der Aurach zu schwimmen. Mit 15 Jahren trat sie 1938 als Lehrmädchen in die Firma Gebrüder Dassler mit der Personalnummer 42 ein. In der Firma hat sie alles gelernt und konnte einen Schuh komplett steppen, nicht wie später die Kolleginnen, die nur einen Teil bearbeiteten.
Zweiter Weltkrieg: Tiedemann verlässt Adidas
Wegen ihrer Arbeit mit Leder konnte Tiedemann auch Ledergeschirre für die Zugochsen der Eckenmühle reparieren. In der Dassler-Fabrik waren im oberen Stockwerk die Stepperinnen und die Zuschneider wie Simon Körner und Fritz Körner. Im Erdgeschoß arbeiteten die Zwicker, darunter Markus Ruhmann und Hans Zenger. In der Dassler-Villa daneben wohnten die Firmenchefs, Adolf Dassler unten, Rudolf Dassler im 1. Stock und oben ihre Eltern Christof und Pauline Dassler.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden ab 1940 viele Mitarbeiter ausgestellt und danach wieder eingestellt. Hilde Tiedemann hatte aber schon eine neue Arbeit bei dem „Huser-Fritz“ genannten Fritz Dassler in seiner Firma für Lederhosen gefunden. Sie stellte Brotbeutel her. In erster Ehe heiratete sie 1942 Fritz Wittmann aus Gunzenhausen. Der gelernte Metzger arbeitete beim „Gerber“ als Metzger in der Hintere Gasse.
Adidas: Hilde Tiedemann kennt Geheimnis der drei Streifen
Hilde Tidemann arbeitete bei Fritz Dassler, bis im Jahr 1944 Sohn Werner geboren wurde. Er verstarb 2023. 1948 fing sie wieder bei Adidas nach der Trennung der Gebrüder Dassler zu arbeiten an, weil Adolf bei ihr Zuhause vorbeikam und sagte: „Ich brauch Dich!“ Heute sagt Tiedemann: „Wir haben schon gut verdient als Stepperinnen.“
Mit erlebt hat sie die Entwicklung der drei Streifen. Zur Verstärkung der Naht zwischen Vorderblatt und Hinterblatt eines Sportschuhs wurde ein Streifen darüber angebracht. Der war zunächst gebogen und schwer zu steppen. Ein gerader war aber Adolf Dassler zu breit oder zu „billig“, auch zwei Streifen, daher sind es drei Streifen geworden.
Herzogenaurach: Bürgermeister Hacker gratuliert Tiedemann
Hilde Tiedemann: „Früher waren die nur für die Schuh'. Heut' haben's die drei Streifen auf jedem Frack." Tiedemann und ihr zweiter Mann bezogen 1957 das Haus in der Eichendorffstraße. Sie ist geschichtsinteressiert und kann noch viele Ereignisse der Geschichte der Schuhfabrik Gebrüder Dassler und Adidas erzählen. Sie freut sich über die Enkel Anja und Markus, vier Urenkel und eine Ururenkelin. Es gratulierten die Familie, für den Heimatverein Christa Peetz, Elli Bitter und Anneliese Lohmeier, für die evangelische Kirchengemeinde Pfarrerin Karola Schürrle, für den Landkreis stellvertretender Landrat Manfred Bachmayer, für die Stadt Bürgermeister German Hacker.
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