Die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Die Taten von einzelnen Priestern und Ordensleuten lösten auch in der Pfarrei St. Georg in Höchstadt Diskussionen aus. „Der Wirklichkeit und Aufarbeitung geschehener Verbrechen in der katholischen Kirche müssen sich alle Verantwortlichen in der Kirchenleitung unweigerlich stellen“, sagt dazu Stadtpfarrer Kilian Kemmer. Für den Geistlichen gibt es aber auch eine andere Seite, die nicht in Vergessenheit geraten sollte: Das segensreiche Wirken der meisten Priester und Ordensleute – gerade auch in Höchstadt.
Um an sie zu erinnern, hatten Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat von St. Georg beschlossen, auf dem Stadtfriedhof einen Gedenkstein aufzustellen. Am Allerseelen-Nachmittag wurde er enthüllt und gesegnet. Der Stein ist ein mehr als hundert Jahre altes Kreuz von einem längst aufgelassenen Grab, dem Steinmetzmeister Herbert Sailer eine neue Bedeutung verliehen hat. Der in Höchstadt lebende Karmeliten-Pater Wolfgang segnete den Gedenkstein, der laut Kemmer an „die ganze Wahrheit“ erinnern soll.
Auerbacher Schulschwestern und Kapuziner in Höchstadt
Durch die Missbrauchsfälle seien Einheit und Frieden zerstört worden. Mit dem Gedenkstein wolle man „der Vergessenheit einen Riegel vorschieben“. Kemmer ging auf die verschiedenen Orden ein, die auf dem Gedenkstein verewigt sind und teilweise immer noch in Höchstadt wirken. Dazu zählen die Auerbacher Schulschwestern, die Ende der 1950er-Jahre nach Höchstadt geholt werden konnten. Sie wirkten von da an in den neuen Kindergärten St. Nikolaus, St. Michael und später auch St. Hedwig als Erzieherinnen.
Auch an Grund- und Hauptschule erteilten Auerbacher Schwestern Unterricht. Bis heute wirkt die Ordensgemeinschaft von ihrem Kloster in der Kleinen Bauerngasse aus in der Pfarrei. Der erste Orden, der in Höchstadt vertreten war, war bis zur Säkularisation der der Kapuziner. Ihr Kloster stand in der heutigen Kapuzinergasse. Der Geschichte dieses Ordens im Aischgrund auf der Spur ist Gymnasiallehrer und Heimatmuseumsleiter Christian Plätzer.
Dillinger Franziskanerinnen und Niederbronner Schwestern
Mit Schülern hat er bereits die ehemalige Klosterkirche in Modellen rekonstruiert. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wirkten die Dillinger Franziskanerinnen in der Kinder- und Jugenderziehung der Stadt. In der nicht mehr existierenden Josefs-Anstalt am Vogelseck betreuten die Schwestern Kinder in einer damals sogenannten Bewahranstalt, einer Vorläuferin der späteren Kindergärten. Dort wurden Schüler auch in Hauswirtschaft und musikalischer Früherziehung unterrichtet.
Seit Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten Niederbronner Schwestern im Höchstadter Krankenhaus, dessen Geschichte bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zurückgeht. Die Schwestern waren in der Krankenpflege und der Verwaltung aktiv. Nach dem Bau des Altenheims St. Anna engagierten sie sich in der Altenpflege und führten die häusliche, ambulante Krankenpflege in Höchstadt ein. 1983 zogen die Niederbronner Schwestern aus Höchstadt ab.
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