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Ein ganzes Dorf hilft zusammen
Seit 35 Jahren: Wachenroth feiert Jubiläum seiner Kirchweih
Der Kirchweihumzug in Wachenroth bot etliche Motivwagen, viele inspiriert von Polizeimeldungen, wie dieses „Taubenexekutionskomitee“.
Der Kirchweihumzug in Wachenroth bot etliche Motivwagen, viele inspiriert von Polizeimeldungen, wie dieses „Taubenexekutionskomitee“. // Thomas Schöbel
Signet des Fränkischen Tags von Thomas Schöbel
Wachenroth – Seit 35 Jahren feiert Wachenroth seine Kirchweih. Zum Jubiläum erlebten Besucher heuer einige Überraschungen. Warum das neue Logo an den Anfang erinnert.

Das Jahr 1989 war für Europa und ganz besonders für Deutschland von großer Bedeutung. Aber nicht nur in Berlin, Prag oder Moskau wurde Geschichte geschrieben, sondern auch in Wachenroth ereignete sich Historisches. Eine Gruppe von circa 20 Jugendlichen hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Kirchweih des Orts zu „revolutionieren“. Statt wie bisher mit mehreren kleinen Festen der einzelnen Vereine, sollte es nun einen zentraleren Ansatz und einen „Baum für den ganzen Ort“ geben. Außerdem wurde in vielen Garagen, Scheunen und Höfen gebaut und geschraubt, um erstmals einen Kirchweihumzug auf die Beine zu stellen.

Die Kirchweihburschen und Kirchweihmädchen in Wachenroth waren geboren und organisieren nunmehr seit 35 Jahren die Feierlichkeiten. Zunächst als reine Wirtshauskirchweih, wie Julian Maier, der seit 2010 dabei ist, erklärt. Als aber 2014 das Gasthaus Linsner nicht mehr zur Verfügung stand, musste man sich etwas Neues überlegen. Und so gibt es seit 2014 eine Zeltkirchweih in Wachenroth – ein weiteres Jubiläum, das man heuer feiert. Um die damit einhergehende Organisation besser handhaben zu können, habe man sich dann auch als Verein institutionalisiert, sagt Maier weiter.

Predigt bei Kirchweih in Wachenroth

Zum Jubiläum, das ganz Wachenroth am Wochenende feierte, hatten die etwa 70 Burschen und Mädchen ein paar spezielle Gewinnspiele und ein sehr abwechslungsreiches Programm organisiert. Erstmalig gab es für Besucher auch T-Shirts mit dem traditionellen Logo zu erwerben. Die Freiheitsstatue mit dem Bierglas, die darauf prangt, ist einem CD-Cover des Partysongs „Pump ab das Bier“ aus dem Gründungsjahr entlehnt. Maier lächelt: „Diese Frage musste ich zu dieser Kerwa schon recht oft beantworten.“ Nach der Warm-Up-Party am Donnerstag wurde freitags die Kirchweih ausgegraben und mit der Hard’n’Heav- Coverband „F.U.C.K.“ gleich richtig los gelegt.

Der Predigt am Sonntag im Festzelt lauschten viele Besucher.
Der Predigt am Sonntag im Festzelt lauschten viele Besucher. // Thomas Schöbel

Am Samstag musste man sich dann erst einmal richtig anstrengen, um den Kirchweihbaum aufzustellen. Doch nach gut einer Stunde stand der in diesem Jahr extra mit LED-Beleuchtung ausgestattete Baum. Vor dem Rathaus durften Kinder noch ihren „kleinen Baum“ aufstellen. Am Abend sorgte die Partyband „Die Vagabunden“ für Stimmung. Traditioneller Höhepunkt war auch in diesem Jahr wieder der von der Blaskapelle Wachenroth begleitete Kirchweihumzug am Sonntag mit anschließender Kirchweihpredigt im Festzelt.

Kirchweih: Polizeieinsatz in Wachenroth

Diverse lustige Begebenheiten wurden auf den Umzugswagen dargestellt, wobei offensichtlich die Auswertung der regionalen Polizeimeldungen viel Inspiration gab. Vom Treibstoffklau an der Raststätte Steigerwald über ein Taubenexekutionskomitee am Spielplatz bis zum fälschlich gemeldeten Windrad-Brand wegen übermäßigen Cannabis-Konsums war einiges geboten. Zwischendrin mit quietschenden Reifen auch ein lila-farbener Raser, der zur Begeisterung der zahlreichen Zuschauer mit einem filmreifen Polizeieinsatz zur Strecke gebracht wurde. Und das es auch um die Zukunft der Wachenrother Kirchweih gut bestellt ist, bewies der Kinderfestwagen am Ende des Zugs, auf dem sicherlich am lautesten mitgesungen wurde.

Der Umzug endete am sehr gut besuchten Festzelt, um der Kirchweihpredigt zu lauschen. In einer launigen Festrede wurden die Geschichten zu den Umzugswagen ausgeschmückt, aber natürlich auch das Jubiläum gewürdigt. So konnte man erfahren, dass die Aufnahmegebühr anno 1989 35 D-Mark Materialgeld zum Wagenbau betrug und dass der heutige Gemeinderat Thomas Bauernfeind als erste „Kerwassau“ „ausgezeichnet“ wurde. Der Sonntagabend klang mit der Partyband „Hollywood“ aus. Ruhiger ging es bei Frühschoppen und Kesselfleisch am Montag zu, ehe die Musiker von „Hochdruck Böhmische“ die Kirchweih zum Ende begleiteten.

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