Nach den Turbulenzen des Inflationsjahres 1923 kam die Stadt Herzogenaurach im Jahr 1924 allmählich in ruhigeres Fahrwasser. Trotzdem war die Arbeitslosigkeit hoch. Herzogenaurach hatte nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 insgesamt 3710 Einwohner, davon waren 3511 Katholiken und 193 evangelisch-lutherischer Konfession, außerdem sechs „Sonstige“. Die Einwohnerzahl dürfte sich seit 1924 nur unwesentlich verändert haben. In der Stadt gab es ein Amtsgericht, ein Finanzamt, Notariat und Gendarmeriestation sowie eine städtische Sparkasse.
Die Maria-Ward-Schwestern unterhielten eine Filiale. Das Liebfrauenhaus (Rettungsanstalt) wurde von Mallersdorfer Schwestern betreut. 1924 wurde das achte Schuljahr eingeführt. Wie der katholische Stadtpfarrer Joseph Müller in der Pfarrchronik vermerkte, mussten viele Betriebe die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter verkürzen, da Aufträge ausblieben. Nach einer Aufstellung des Stadtrats gab es zu Beginn des Jahres 1924 in Herzogenaurach 307 Erwerbslose mit 159 Frauen und 280 Kindern, dazu kamen noch 615 Kurzarbeiter. Außerdem gab es noch 57 Invaliden- und Altersrentner, davon 32 verheiratet, 16 Witwenrentner, 19 Waisenrentner, 78 Kleinrentner, elf davon verheiratet.
Adidas im Hirtengraben gegründet
Zudem waren 32 Personen in der öffentlichen Armenpflege registriert. Die schlechte wirtschaftliche Lage wirkte sich auch auf den Nachwuchs aus: Von den Schulkindern waren 185 unterernährt. Pfarrer Müller notierte in der Pfarrchronik: „Notlage!“ Entgegen dieses Trends gründeten am 1. Juli 1924 die Brüder Rudolf und Adolf Dassler die Firma „Gebrüder Dassler, Sportschuhfabrik, Herzogenaurach“. Die Firma hatte zunächst ihren Sitz im elterlichen Anwesen, Am Hirtengraben 12. Das buchmäßige Vermögen der neuen Firma betrug 6000 Rentenmark, bestehend aus Maschinen, Ersatzteilen und angefertigten Schuhen. Aus diesen Anfängen entwickelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Weltfirmen Puma und Adidas.
Die Herzogenauracher Stadtverwaltung strengte Notstandsarbeiten an, um Arbeitslose in Lohn und Brot zu bringen. Dazu zählte die Entwässerung (Drainage) der Flurabteilungen Beutelsdorf und Haundorf. Eine weitere Maßnahme war der Ausbau der Promenadenstraße (heutzuteage: An der Schütt). Man verlegte eine Kanalisation und befestigte die offenen Gräben. Auch beim Schweinehirtenturm (am Hallertürlein) wurde die Kanalisation angelegt. Drängend war die Wohnungsnot. Daher erwarb die Stadt zur Förderung des Privatwohnungsbaues am Noppengarten Bauland, und zwar 2,72 Tagwerk von Heinrich Körner und 0,5 Tagwerk von Michael Bergler.
Außerdem vergab die Rentenbank zur Unterstützung der Wirtschaft Kredite an Handwerker. Eine große Aufregung verursachte am 12. November 1924 der Brand der Scheune des Liebfrauenhauses, der aber gelöscht werden konnte. In jenem Jahr wütete außerdem die Hunde- und Katzentollwut, an der auch Menschen erkrankten. Wirtschaftlich war Herzogenaurach schon immer mehr mit Nürnberg und Erlangen verbunden. Daher unternahmen die Verantwortlichen den Versuch, vom Bezirk Oberfranken nach Mittelfranken zu wechseln. Dem Ansinnen war aber kein Erfolg beschieden.
Herzogenaurach und Bamberg zeigen Verbundenheit
Noch als König konnte der spätere Kaiser Heinrich II. im Jahr 1007 die Gründung des Bistums Bamberg anregen. Er verstarb am 13. Juli 1024 in der Pfalz Grona bei Göttingen. Ihre Verbundenheit mit Kaiser Heinrich und dem Erzbistum Bamberg zeigten zahlreiche Herzogenauracher, als sie am 8. Juli 1924 zur 900-Jahr-Feier des Bistumspatrons Heinrich nach Bamberg reisten. Genauso wie andere Städte des ehemaligen Fürstbistums verlieh auch Herzogenaurach anlässlich dieses Jubiläums laut Beschluss des Stadtrats vom 4. Juli 1924 Jakobus Ritter von Hauck, Erzbischof von Bamberg, die Ehrenbürgerwürde.
In der katholischen Stadtpfarrei gab es einen Personalwechsel: Zum 1. Mai 1924 wurde Adam Henkel, Kaplan in Herzogenaurach seit dem 1. September 1921, als Kaplan nach Scheßlitz versetzt. Auf seine Stelle kam Neupriester Thomas Walter. Die Pfarrei zählte fast 4500 Seelen in 15 Ortschaften. Für Müller eine seelsorgerliche Notlage, wenn zwei Geistliche die Seelsorge übernehmen sollten. Nach vielen Bemühungen konnte er erreichen, dass die dritte Domkaplanei auf Dauer als zweite Kaplanei nach Herzogenaurach transferiert wurde.
Kolpingfamilie in Herzogenaurach kauft neue Fahne
Als Kaplaneiverweser wurde Benefiziat Karl Plazotta, seit 1921 Benefiziatverweser in Herzogenaurach, anerkannt. Ein großes Ereignis war es, als in der Stadtpfarrkirche am 5. Mai 1924 der Bamberger Weihbischof Adam Senger 347 Firmlingen das Sakrament der Firmung spendete. In Niederndorf konnten erstmals 16 Mädchen und 13 Buben in der neu erbauten Kirche Erstkommunion begehen.
Der Gesellenverein, nunmehr Kolpingsfamilie Herzogenaurach, konnte eine neue Fahne anschaffen. Darauf ist der Heilige Josef, der Patron der Handwerker, mit dem Jesuskind abgebildet, umgeben von den Symbolen der unterschiedlichen Gewerke. Die Aufschrift „Gott segne das ehrsame Handwerk“ bezeugt die enge Verbundenheit der Handwerker mit ihrer Heimatpfarrei.
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