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Jagd in Erlangen-Höchstadt
Hegeschau: Wie viel Wild muss geschossen werden?
Renee Barth, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, präsentiert Landrat Alexander Tritthart, CSU-Landtagsabgeordneten Walter Nussel und Reiner Seifert vom Forstamt Erlangen (von links) in Lonnerstadt die Details der Hegeschau.
Renee Barth, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, präsentiert Landrat Alexander Tritthart, CSU-Landtagsabgeordneten Walter Nussel und Reiner Seifert vom Forstamt Erlangen (von links) in Lonnerstadt die Details der Hegeschau. // Gerd Ankermann
Signet des Fränkischen Tags von Gerd Ankermann
Höchstadt a. d. Aisch – Landrat Alexander Tritthart fordert den Dialog zwischen Jägern und Forstwirten. Mehr als 3300 Rehe sind 2023 erlegt worden. Die Jäger und eine Vertreterin des Veterinäramts appellieren an die Spaziergänger, Fahrradfahrer und Hundebesitzer.

Zur Hegeschau haben sich im Gasthaus „Zur Sonne“ in Lonnerstadt mehr als 100 Jägerinnen und Jäger aus dem Landkreis zur Hegeschau eingefunden: Bei der Schau werden die Geweihe des abgeschossenen männlichen Rehwilds des Jahres 2023 präsentiert. Ein beeindruckendes Bild, die Wände des Sonnensaals waren gut gefüllt. Jagdberater Christian Fuchs hatte die genaue Statistik dabei: Insgesamt wurden 3320 Stück Rehwild (davon 861 Stück Rehböcke) erlegt, 447 Exemplare Schwarzwild, 2523 Stück sonstiges Haarwild wie beispielsweise Hasen und 2873 Stück Federwild.

In seiner Begrüßungsrede stellte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Renee Barth, die Frage: „Wie durchbrechen wir die Spirale? Das Rehwild wird für den Wildverbiss der Setzlinge als Hauptverursacher ausgemacht.“ Daher werde ein vermehrter Abschuss der Rehe gefordert, sodass der Wald wieder wachsen könne. Es stünden die Aufnahmen von Forstlichen Gutachten an und im Herbst würden die Revierweisen Aussagen darüber erstellen.

Hegeschau in Lonnerstadt: Fahrradfahrer sind Gefahr für Jagd in Erlangen-Höchstadt

Die Jägerschaft wünsche sich darüber hinaus, dass künftige Vegetationsgutachten ein breiteres Spektrum als nur den Wildverbiss betrachten sollten. Seitens der Bayerischen Staatsregierung tue sich auch etwas, stellte Barth erfreut fest. Es gehe um mehr als den Wildverbiss. „Unvorsichtige Spaziergänger in der Dämmerung, die sich im Wald aufhalten, und Fahrradfahrer sind für die Jäger ein enormes Risiko.“ Sie behinderten die Jagd und brächten sich selbst in große Gefahr.

Die Streckenzahl der erlegten Rehböcke
Die Streckenzahl der erlegten Rehböcke // Gerd Ankermann

Förster und Waldbauern seien gefordert, zu handeln. Wichtig für den Wald sei außerdem die Aufforstung mit Eichensetzlingen. Für die Rehe sei die Eiche „eine Praline“. 85 Prozent des Waldes seien in Privatbesitz. Seit 20 Jahren verzeichneten die Jäger steigende Abschusszahlen.

Landrat Tritthart fordert Dialog zwischen Jägern und Landwirten in Erlangen-Höchstadt

Daher forderte Barth eine ideologiefrei Diskussion für einen intakten Wald und einen gesunden Wildbestand. Landrat Alexander Tritthart als Chef des Veterinäramts und der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt, bestätigte: „Nur gemeinsam kommen wir bei diesem Thema voran.“ Die Hegeschau sei eine erfreuliche Plattform für einen Meinungsaustausch. Die Wälder stünden vor noch nie dagewesene Herausforderungen durch den Klimawandel, die Baumarten müssen angepasst und verjüngt werden.

Durch die milden Winter nehme der Wildbestand nicht mehr ab, da Nahrung ganzjährig verfügbar sei. Das Landratsamt arbeite gemeinsam mit dem Jagdbeirat und Forstwirtschaftsexperten an neuen Leitlinien, die zur nachhaltigen Waldverjüngung dienen sollten. Die Jäger sorgten in ihrer Freizeit für die Landschaftspflege und verdienten dafür höchste Wertschätzung, sagte Tritthart. Er forderte ebenfalls den Dialog zwischen Jägern und Land- beziehungsweise Forstwirten. CSU-Landtagsabgeordneter Walter Nussel betonte ebenfalls das „wichtige Miteinander“.

Jagd in Erlangen-Höchstadt schützen: Walter Nussel bei Hegeschau in Lonnerstadt 

Es gehe darum, das Eigentum von Grund und Boden und das Eigentum von Jagd vor Angriffen von außen zu schützen. Als Beiratsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten hole er alle beteiligten Akteure an einen runden Tisch. Zudem forderte er von der Staatsregierung ein, dass die 40 Pakte, die seit der Regierung von Horst Seehofer geschlossen worden seien, auch eingehalten würden. Robert Ort vom Bauernverband bestätigte: „Das Jagdrecht muss bei Grund und Boden bleiben.“

Die meisten Jagdpächter erfüllten auch ihr Soll an Abschusszahlen. Aber an vielen Ecken funktioniere es nicht. Waldbesitzer müssten dann gegebenenfalls den Jagdpächter auswechseln. Reiner Seifert bestätigte: Es gebe leider viel zu wenig jagdbereite Pächter − obwohl sehr viele den Jagdschein hätten.

Jagd: Aujeszkysche Krankheit breitet sich in Erlangen-Höchstadt aus

Susanne Oswald vom Veterinäramt hatte interessante Neuigkeiten zu den aktuellen Tierseuchen dabei, die nicht nur für die Jäger wichtig seien. Sie gab „gute Nachrichten von der Afrikanischen Schweinepest“ bekannt. Seit der Zaunziehung an der östlichen Grenze zu Polen, der 500 Kilometer an der Autobahn entlang führe, sei die Anzahl der Ausbrüche stark zurückgegangen. Bei der Geflügelpest ist die Lage ebenfalls ruhig. Betroffen seien aktuell nur die Möwen.

Allerdings sei die Aujeszkysche Krankheit auf dem Vormarsch. Von 3000 getesteten Wildschweinen seien 450 positiv gewesen. Die Seuche sei für Menschen ungefährlich. Für Hunde allerdings verlaufe sie tödlich − und es gebe keine Impfung dagegen. Also komme auch hier die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger, die den Wald als Freizeitanlage betrachten ins Spiel: „Hunde an die Leine, insbesondere im Wald.“

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