0
Großenseebacher Herbst
Nockherberg nach Großenseebach: Luise Kinseher begeistert
Jetzt singt sie auch noch: Luise Kinseher und ihr Tontechniker Simon beim Auftritt in Großenseebach.
Jetzt singt sie auch noch: Luise Kinseher und ihr Tontechniker Simon beim Auftritt in Großenseebach. // Gerd Ankermann
Großenseebach – Politische Schärfe und humorvolle Einlagen verbindet Luise Kinseher gekonnt. Nun begeistert sie beim Großenseebacher Herbst. Worüber die Zuschauer am meisten lachten.

Mit „Mary from Bavary - Endlich Solo!“ begeisterte Luise Kinseher in der ausverkauften Mehrzweckhalle. Auf der Bühne war aber nicht nur ihr Alter Ego „Mary“ pointenstark, auch Kinseher selbst hatte kleinere „Gastauftritte“. Zudem gab es Gesangseinlagen und eine starke Zugabe.

Kinseher hatte im richtigen Leben Mitte Mai dieses Jahres geheiratet. Ein schöner Anlass, beruflich etwas kürzerzutreten, meinte sie. Um sich mit ihrem Ehemann ein gemütliches Abendessen gönnen zu können, beförderte sie kurzerhand ihre Bühnenfigur „Mary“ zur Hauptprotagonistin. Bislang war diese in den Programmen von Luise Kinseher nur als Nebenrolle aufgetreten. Jetzt bekam sie die Chance, sich neu zu erfinden.

Luise Kinseher witzelt über Friedrich Merz in Großenseebach

Aufgelockert durch starke Gesangseinlagen. „I bin die Mary, yeah!“ zur Melodie von „It’s raining men“, das war der Auftakt zu einer Lachoffensive, die sich als roter Faden durch den kurzweiligen Abend zog. Mary, die „Taylor Swift Bayerns“, glaubt an die Liebe, an die Menschen und an die Lebensfreude. Immer leicht beschwipst, dennoch stets hellwach, mit einer Federboa und einem Morgenmantel als Requisiten. Die Zuschauer durften raten: ist der Mantel von Versace oder von Witt? 

Das politische Kabarett kam dabei nicht zu kurz. Mary hat sich etabliert, ist auch die schwierigen Themen angegangen. Natürlich tagesaktuell, pointiert und einfühlsam. Von Friedrich Merz, dessen Sichtweise auf das Stadtbild in einer Gemeinde wie Großenseebach mit seinem Dorfbild keine Rolle spielt, bis Donald Trump und den Klimawandel: geistig auf der Höhe und auf den Punkt. Es geht bei Mary  auch um die Liebe: zu ihrem Goldhamster „Muckel“, ihre goldenen Zeiten in Amerika, gemeinsam mit David Hasselhoff und Wan Tan, dem Reisbällchen aus der Wok-Dynastie. Dann kommt plötzlich Platon ins Spiel und Mary redet ernst und eindringlich über die Kipppunkte und die Rolle von Peter Thiel im globalen Spiel der Mächte.

Applaus für Erlanger Bergkirchweih bei Großenseebacher Herbst

Da passt auch die Countrymusic dazu, die dann in einen bayerischen Schuhplattler übergeht. Mittelfranken ist nicht Oberbayern, das hat Mary schnell gelernt. Wenn die Erlanger Bergkirchweih hierzulande bekannter als das Oktoberfest ist, gibt es donnernden Applaus vom Publikum, weil Mary das blitzschnell umgesetzt hat.  Als Zeitzeugin der 1980er-Jahre sieht sie sich als „Generation Wählscheibe“. Kinseher alias Mary begeistert mit Anekdoten, die das Publikum im Saal mitreißen. Der fulminante Höhepunkt kommt in der Zugabe. Mit ihrem Techniker Simon schmettert sie „Time of my Life“ aus Dirty Dancing.  Die Hebefigur haben die beiden ausgelassen. Standing Ovations gab es dennoch. Für das Publikum ein großer Spaß.

Inhalt teilen
  • kopiert!