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Oberhöchstadt
Erlanger Professor hinterlässt Haus voller Schätze
Alt, aber wertvoll: Der renommierte Erlanger Wissenschaftler hinterließ in Oberhöchstadt Porzellan und Möbel aus vergangenen Jahrhunderten.
Alt, aber wertvoll: Der renommierte Erlanger Wissenschaftler hinterließ in Oberhöchstadt Porzellan und Möbel aus vergangenen Jahrhunderten. // Elke Stumpf
Signet des Fränkischen Tags von Alika Reiner
Oberhöchstädt – Das öffentliche Interesse am Nachlass des Professor Schrott aus Oberhöchstadt war groß. Seine Frau und er hinterließen ein Haus voller Antiquitäten und Sammlerstücke. Ein Bieter ersteigerte gar ein Kunstwerk seines Vaters.

Professor Karl Michael Schrott war Inhaber des Lehrstuhls für Urologie an der Medizinischen Fakultät Erlangen und war damit nicht nur in Erlangen eine geschätzte Persönlichkeit. Der 2021 verstorbene Mediziner wurde beispielsweise zur Präsentation von neu entwickelten Operations-Techniken nach Tokio und London eingeladen.

Unter seiner Leitung avancierte die Universitätsklinik Erlangen zum fünftgrößten deutschen Zentrum für urologische Transplantationsmedizin. Privat liebte es Karl Schrott bodenständig und gemütlich.

Sein Anwesen in Oberhöchstadt-Dachsbach richtete er sich im Laufe der Jahre zusammen mit seiner Frau Renate in einem ganz besonderen Stil ein. Während Ölgemälde, Wandteller oder Kupferstiche die Wände zierten, dominierten Möbel aus dunklem Holz, teils aus dem 17./18. Jahrhundert.

Das Ehepaar lebte ihre Sammelleidenschaft in dem großen Haus, vormals ein Wirtshaus, aus. Platz war schließlich genug da.

Image des Professors

Am 9. September wurde nun der geschichtsträchtige Nachlass in dem ehemaligen Wohnhaus von Prof. Schrott, in dem er bis zum Schluss gelebt hat, durch das Auktionshaus Peter Bamberger versteigert. „Normalerweise würden wir so eine Auktion im Auktionshaus abhalten. Aber wenn wir so ein Zimmer zerreißen, geht der Charme verloren. Und wir verkaufen hier ja auch das Image des Professors“, so die Seniorchefin Helmi Bamberger. „So eine Auktion hatten wir in 54 Jahren, seit es das Auktionshaus Bamberger gibt, noch nicht“, sagt sie.

Da der Mediziner keine Kinder hatte, trat die gesetzliche Erbfolge ein. Die Erbengemeinschaft suchte nach dem bestmöglichen Weg, den Geist des Professors in möglichst vielen Stücken weiterleben zu lassen.

Hinter jedem Objekt verbirgt sich eine Geschichte, erklärte die Sprecherin der Erbengemeinschaft. Das gilt auch für das Schaukelpferd, das unter den Hammer kam.
Hinter jedem Objekt verbirgt sich eine Geschichte, erklärte die Sprecherin der Erbengemeinschaft. Das gilt auch für das Schaukelpferd, das unter den Hammer kam. // Elke Stumpf

„Es fiel uns nicht leicht, das Haus aufzulösen, aber nach zwei Jahren ist nun der passende Zeitpunkt gekommen“, so Stefanie Plötz, Vertreterin der Erbengemeinschaft. Über Monate wurde das Inventar gesichtet und katalogisiert, ehe es dann zur Versteigerung angeboten werden konnte.

Die Möbel stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Das öffentliche Interesse war groß.

Möbel für 6000 Euro

Es melden sich Bieter aus der ganzen Welt. Um einen Kabinettschrank aus dem 18. Jahrhundert, geführt unter der Nummer 177 in der Auktionsbroschüre, reißen sich die Interessenten besonders.

Das aus Süddeutschland stammende Möbelstück wurde aufwendig mit ausgeschnittenen, kolorierten Kupferstichen versehen. Das Startgebot lag bei 2400 Euro, verkauft wird das Möbelstück schließlich für 6000 Euro.

Die Zukunft der Immobilie n der Ortsstraße 16 ist ungewiss.
Die Zukunft der Immobilie n der Ortsstraße 16 ist ungewiss. // Elke Stumpf

Und es bleibt in der Region, was die Erbenvertreterin sehr freut. Viele andere Stücke wurden ins Ausland verkauft, beispielsweise in die Türkei oder nach Italien. Insgesamt fanden 307 Stücke den Weg in die Auktion, viele weitere konnten vor Ort im Nachverkauf erworben worden.

„Jeder Gegenstand schreibt eine Geschichte. Manche davon nimmt sein Besitzer mit ins Grab“, so Plötz. Das traf sicher bei einigen der zur Versteigerung stehenden Gegenstände zu.

Treffpunkt der Gemeinde

Als das Ölgemälde „Canale Giudecca“ (Katalognummer 101) des italienischen Malers Roberto Ferruzzi (1853-1934) für unscheinbare 120 Euro versteigert wird, klingt das zunächst einmal weniger aufregend. Als sich der Bieter dann aber als Sohn des inzwischen verstorbenen Künstlers offenbart und sich herausstellt, dass er das Gemälde unbedingt wegen seines emotionalen Wertes ersteigern wollte, wird klar, dass die gesammelten Gegenstände und Werke in der Ortsstraße 16 viele Geschichten erzählen könnten.

Die Erben würden sich auch sehr freuen, wenn das Haus in der Gemeinde wieder zu einem Treffpunkt werden würde. „Es war einst ein geselliger Mittelpunkt im Dorf. Es wäre schön, wenn sich jemand findet, der es wiederbelebt“, so Plötz.

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