Aktuell wird vor extremer Hitze gewarnt. Am Freitag, 26. Juni, rechnet der Deutsche Wetterdienst sogar damit, dass in Deutschland ein neuer Hitzerekord aufgestellt werden könnte. Unberührt von Diskussionen über Hitzefrei sind das die Bedingungen, unter denen Realschüler in Bayern dieser Tage ihre Abschlussprüfungen schreiben müssen.
Am Mittwoch, 24. Juni, sind auch die Realschulen im Landkreis Erlangen-Höchstadt und in Erlangen mit dem Hauptfach Deutsch bei Höchsttemperaturen in die Prüfungsphase gestartet. Vier Stunden lang brüteten rund 330 Schülerinnen und Schüler im Landkreis Erlangen-Höchstadt und 240 weitere an Realschulen in Erlangen über ihren Aufsätzen.
Realschuhe Herzogenaurach: Ab 5 Uhr morgens wird gelüftet
In Herzogenaurach gibt sich Felix Wegmann, Schulleiter der Realschule Herzogenaurach, den Wetterverhältnissen gegenüber stoisch. „Es ist natürlich warm. Das kann man nicht wegdiskutieren“, sagt Wegmann. Trotz der Hitze sei die Stimmung bezüglich der Prüfungen dennoch gut.
Dass die Realschulen in Bayern ihre Abschlussprüfungen Ende Juni schreiben, ist natürlich nicht neu. „Schon in den vergangenen drei Jahren war es in der Prüfungswoche so heiß“, erinnert sich der Schulleiter.
Realschule verlegt Prüfung in Turnhalle
Normalerweise finden die Tests in Herzogenaurach in den Klassenzimmern im dritten Stock statt. Um bei der aktuellen Hitze trotzdem bestmögliche Bedingungen für die 170 Prüflinge zu ermöglichen, hat sich die Realschule in Herzogenaurach dazu entschlossen, den Großteil der Prüfungen in die Turnhalle zu verlegen. „Dort ist es etwas kälter“, sagt Wegmann.
Diesen Freitagvormittag, 26. Juni, ist die Englischprüfung an der Reihe, am Montag geht es mit Mathematik weiter und danach stehen gegebenenfalls noch mündliche Prüfungen an. Um das bei heißem Wetter erträglicher zu machen, werden laut Schulleiter die Ventilatoren angeschaltet und es wird Wasser zur Verfügung gestellt. Der Hausmeister kommt schon um fünf Uhr zum Durchlüften.
Realschule am Europakanal in Erlangen: Nach der Prüfung sofort Hitzefrei
An der Realschule am Europakanal kommt der Hausmeister zum Lüften in dieser Woche sogar noch früher als in Herzogenaurach, nämlich schon zwischen vier und fünf Uhr morgens. „Um diese Uhrzeit ist die Luft am kältesten“, weiß Schulleiter Markus Bölling. Als Physiker hat er sich sogar umfassend damit beschäftigt, damit seine zehnten Klassen so angenehm wie nur möglich durch ihre Prüfungen kommen.
Am Europakanal ist man bereits vorbereitet. „Wenn die Prüfungen kommen, wird es heiß. Das ist die bayerische Naturkonstante“, sagt der Rektor. Die 140 Schülerinnen und Schüler schreiben ihre Prüfungen auf der Nordseite des Schulgebäudes im dritten Stock. Dort sei es ruhig und die Temperaturen wären „halbwegs vernünftig“. Auf Ventilatoren wird wegen ihrer Lautstärke verzichtet. Zur Vorbereitung auf die Prüfungen hat Bölling erst vor Kurzem ein Schreiben zum Umgang mit der Hitze an die Eltern geschrieben. „Nach der Prüfung gibt es dann sofort Hitzefrei“, sagt der Schulleiter.
Hitze kann Kreislauf und auch Gehirn belasten
Für die Region Mittelfranken warnt der Deutsche Wetterdienst aktuell vor „extremer“ Hitze. Darüber hinaus könne Hitzebelastung laut dem Bundesgesundheitsministerium schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, von Dehydration bis zum Hitzekollaps.
Auch negative Auswirkungen auf kognitive Leistungen sind nicht auszuschließen. Große Hitze könne Konzentration, Leistungsfähigkeit und Stimmung spürbar beeinträchtigen. Letzteres drückte die Neurologin Dr. Ameli Breuer von der Charité in Berlin gegenüber der Apothekenumschau wie folgt aus: „Das Gehirn muss ständig mit Sauerstoff versorgt werden. Dafür braucht man das Herz-Kreislauf-System, das ebenfalls unter Hitze leidet.“
Realschulprüfungen in Bayern: Immer nach Pfingstferien
Man tut, was man kann. Sowohl in Herzogenaurach als auch in Erlangen. Nur sind das nicht im wahrsten Sinne des Wortes Tropfen auf den heißen Stein? Wäre das effektivste Mittel nicht, die Realschulprüfungen früher stattfinden zu lassen? „Die Problematik ist bekannt“, sagt Bölling dazu, wirft aber gleichzeitig ein, dass Lehrpläne und Prüfungstermine bayernweit abgestimmt und eng getaktet seien. „Start und Ende der Prüfungen sind fest vorgeschrieben“, sagt er. Änderungen? – „Das sind politische Entscheidungen“, gibt er zu bedenken.
Für die Festlegung der Prüfungszeiträume ist im Freistaat das Kultusministerium zuständig. Ein Sprecher des Kultusministeriums erklärt auf Anfrage der Redaktion: „Die schriftlichen Abschlussprüfungen an den Realschulen in Bayern finden regelmäßig nach den Pfingstferien statt. Sie werden zentral gestellt, weshalb die Terminierung für alle Realschulen einheitlich und mit langem zeitlichem Vorlauf vom Kultusministerium festgelegt werden.“
Im Vergleich dazu würden die Abiturprüfungen im Allgemeinen früher stattfinden, weil hier außerbayerische Anforderungen, wie etwa Anmeldezeiträume von Universitäten und Hochschulen, zu berücksichtigen seien.
Kultusministerium: Schulen müssen Vorkehrungen treffen
Die Frage, ob wärmere Sommer eine Rolle für die Festlegung der Prüfungstermine spielen, lässt der Sprecher hingegen unbeantwortet. Wenn es um das Thema Hitzefrei geht, oder um die Möglichkeit, die Prüfungen wegen Hitze gar zu verschieben oder abzusagen – hier spielt das Kulturministerium den Ball beziehungsweise die Verantwortung den Schulen zu:
Die Entscheidung über Hitzefrei „liegt im alleinigen Verantwortungsbereich der Schulleitungen, welche hierbei sowohl den Gesundheitsschutz der Schülerinnen und Schüler als auch den der Beschäftigten im Blick haben müssen.“ Zu Prüfungen heißt es: „Für die Organisation und Durchführung der Abschlussprüfungen sind die Schulen vor Ort zuständig. […] Die Schulen treffen situationsbezogen entsprechende bzw. notwendige Vorkehrungen (z. B. regelmäßiges Lüften, Abdunkeln der Räumlichkeiten, ausdrückliche Trinkerlaubnis).“
Kein Geld für Klimamaßnahmen an Schulen?
Wo Verschieben keine Option ist, bliebe noch die Möglichkeit baulicher Maßnahmen. Die wiederum läge bei den zuständigen Sachaufwandsträgern wie dem Landratsamt Erlangen-Höchstadt oder der Stadt Erlangen – und wäre für die Kommunen mit finanziellem Aufwand verbunden. „Hitzemaßnahmen müssten bei Neubauten berücksichtigt werden“, wünscht sich Bölling. Bei seiner Schule, einem Bau aus den 1970er-Jahren, hat er, was Baumaßnahmen angeht, allerdings wenig Hoffnung. „Aufgrund der Etatzwänge von Städten etwas schwierig“, kommentiert er.













